Archiv der Kategorie: Gewalt

Macht kaputt was euch kaputt macht

Macht kaputt was euch kaputt macht

von Ton Steine Scherben, 1970

Text: Norbert Krause, Musik: Rio Reiser

Radios laufen,
Platten laufen,
Filme laufen,
TV’s laufen,
Autos kaufen,
Häuser kaufen,
Möbel kaufen,
Reisen kaufen.
Wofür?Refrain:
Macht kaputt, was euch kaputt macht!
Macht kaputt, was euch kaputt macht!Züge rollen,
Dollars rollen,
Maschinen laufen,
Menschen schuften,
Fabriken bauen,
Maschinen bauen,
Motoren bauen,
Kanonen bauen.
Für wen?Refrain:
Macht kaputt, was euch kaputt macht!
Macht kaputt, was euch kaputt macht!
Bomber fliegen,
Panzer rollen,
Polizisten schlagen,
Soldaten fallen,
Die Chefs schützen,
Die Aktien schützen,
Das Recht schützen,
Den Staat schützen.
Vor uns!Refrain:
Macht kaputt, was euch kaputt macht! (hey)
Macht kaputt, was euch kaputt macht!

Anmerkungen

Dieser Song wurde erst für das Theaterstück des Hoffmanns Comic Teaters „Rita & Paul“ geschrieben. Der Text von Norbert Krause, wurde von einem frühen Song von Rio Reiser  inspiriert.
Er wiederum wurde durch Bob Dylans „Subterranean Homesick Blues“ inspiriert.
Der Text dort lautete: „bombs are falling, tanks are rolling, soldiers dying, men are crying…“.
Ich glaube, die Parallelen sind nicht zu übersehen. Dieser Song erschien im Juni 1970 das erste Mal auf Single.

Das Einheitsfrontlied

Brecht/Eisler

Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum braucht er was zu Fressen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt,
Das schafft kein Fressen her.|: Drum links, zwei, drei! 😐
Wo dein Platz, Genosse ist!
Reih dich ein, in die Arbeitereinheitsfront,
Wenn du auch ein Arbeiter bist.Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum braucht er auch Kleider und Schuh!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht warm
Und auch kein Trommeln dazu!
Drum links, . . . .Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern!
Er will unter sich keine Sklaven sehn
Und über sich keine Herrn
Drum links . . . .

Und weil der Prolet ein Prolet ist,
Drum kann er sich nur selbst befrein.
Es kann die Befreiung der Arbeiterklasse
Nur die Sache der Arbeiter sein.
Drum links, . . . .

Advertisements

Arbeiter in China kämpfen für ihre Würde

Chinesische Arbeiter begehren auf und erreichen damit massive Lohnerhöhungen. Die grossen Hersteller in China kommen zunehmend unter Druck.

Erneut sind Arbeiter bei einem chinesischen Zulieferbetrieb des japanischen Autoherstellers Honda Motor in den Ausstand getreten. Es fänden Gespräche mit dem Management statt, um die Produktion in der 500 Mitarbeiter zählenden Fabrik zur Herstellung von Auspuffsystemen so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu können.

Erst in der vergangenen Woche hatten Mitarbeiter eines weiteren Honda-Zulieferers in einer anderen Fabrik die Produktion lahmgelegt. Der Streit gilt als beigelegt, Honda bot den Arbeitern 24 Prozent mehr Lohn an. Die Arbeitsbedingungen in China sind zuletzt immer stärker in den Fokus gerückt. Einer der Hauptarbeitgeber in der Region, der iPhone-Hersteller Foxconn, hatte in den vergangenen Tagen deutliche Lohnerhöhungen angekündigt, nachdem sich seit Jahresbeginn zehn Arbeiter von Foxconn in China das Leben genommen hatten. Um fast 70 Prozent von 1200 auf 2000 Yuan (244 Euro) sollen die Löhne steigen, teilte die taiwanische Firma am Montag mit.

Überstunden als freiwillige Entscheidung

Mit der Lohnerhöhung werde die Zahl der Überstunden sinken, die für viele Beschäftigte bislang notwendig gewesen seien, erklärte Foxconn. Ab Oktober seien Überstunden für viele «eine freiwillige Entscheidung». Foxconn-Gründer Terry Gou erklärte, die Lohnerhöhung solle die «Würde» der Angestellten sicherstellen.

Arbeitsrechtsorganisationen kritisierten, auch nach der erneuten Erhöhung blieben die Löhne noch knapp unter dem notwendigen Minimum. In Shenzhen, das als besonders teure chinesische Stadt gilt, arbeiten rund 300’000 Menschen für Foxconn. Die Entlöhnung für die Beschäftigten des Konzerns in anderen Teilen Chinas würden anhand der örtlichen Preise und Sicherheitsbestimmungen ermittelt, teilte das Unternehmen mit.

Neues Selbstbewusstsein

Die Beispiele Honda und Foxconn zeigen Beobachtern zufolge ein zunehmendes Selbstbewusstsein der Arbeiter in China, das bislang vor allem aufgrund seiner niedrigen Löhne als Wirtschaftsstandort auftrumpfen konnte.

Der Analyst Mars Hsu von Grand Cathay Securities in Taipeh sagte AFP, die Lohnerhöhung bei Foxconn werde andere Firmen, die von den billigen Arbeitskräften in China profitierten, unter Druck setzen. «Die Ära der billigen Arbeit in China ist vorbei», prophezeite Hsu.

Hsu geht davon aus, dass die höheren Löhne den Gewinn des Foxconn-Mutterkonzerns Hon Hai um etwa ein Drittel schmälern dürften. An der Börse von Taiwan fiel der Kurs der Hon-Hai-Aktie deutlich, in Hongkong wurde der Handel mit den Papieren ausgesetzt.

Clariant: Streik im Werk Huningue

Protest gegen Stellenabbau bei Clariant

Streik im Werk Huningue.

HUNINGUE. Nach ersten Warnstreiks im April will die Belegschaft des Clariant-Werks Huningue ab heute Montag in den unbefristeten Ausstand gehen. An acht Grenzübergängen der Region, den Palmrain und den Autobahnzoll eingeschlossen, wollen Streikende zudem auf ihre Situation aufmerksam machen und Unterschriften sammeln, wobei sie auf eine breite Solidarität hoffen.

Die erst 1995 aus einer Auslagerung der früheren Basler Sandoz entstandene Firma Clariant baut derzeit in der Region massiv Stellen ab und schließt den Standort Huningue mit 262 Mitarbeitern voraussichtlich bis spätestens Ende 2011 ganz. Anlässlich des Besuchs des für Clariant Frankreich verantwortlichen Personalleiters Marc Leyendecker am Montag setzen die Kollegen deshalb jetzt auf ihre letzte Karte bei den Lohn- und Gehaltsverhandlungen, um wenigstens ihre späteren Ansprüche an die Sozialkassen zu erhöhen. „Dass das Werk geschlossen wird, ist klar, darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren“, sagte Christian Mehlin als Vertreter der Gewerkschaft CGT „wir sind aber nicht zufrieden mit den Bedingungen unserer Kündigung.“ Bei den Verhandlungen sei man jetzt in der Zielgeraden und wolle mit dem Streik den Forderungen Nachdruck verleihen. Auch wo die Kollegen Arbeit finden sollten, will Mehlin wissen, da gerade in ihrer Branche in der Region immer mehr abgebaut werde.

Elsässische Clariant-Angestellte behindern
Grenzübergänge bei Basel

Angestellte des Chemiekonzerns Clariant im elsässischen Hüningen haben am Montag Morgen den Pendlerverkehr an Grenzübergängen bei Basel behindert. Bei der Aktion sammelten sie Unterschriften gegen die Schliessung des Werks, bei der rund 260 Stellen verloren gehen.

Basel/Huningue. – Die Aktion begann am frühen Morgen und dauerte bis 8.45 Uhr, wie ein Sprecher des Grenzwachtkommandos Basel auf Anfrage sagte. Die Aktion habe auf französischem Boden stattgefunden, der Verkehr von Frankreich in die Schweiz sei indes spürbar behindert worden.

Betroffen waren laut dem Sprecher mindestens drei Grenzübergänge nach Basel sowie einer nach Allschwil BL, laut der französischen
Nachrichtenagentur AFP zudem auch der Autobahn-Zoll Basel-St-Louis sowie ein Grenzübergang von Frankreich nach Deutschland.

Rund 90 Personen hätten nach Angaben der Präfektur des Departements Haut-Rhin an der Aktion teilgenommen, hiess es in dem  Bericht weiter. Zudem seien die Angestellten von Clariant Huningue in einen 24-stündigen Streik getreten.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit der letzten Verhandlungsrunde über Begleitmassnahmen bei der Betriebsschliessung. Clariant mit Sitz in Muttenz BL hatte im November die Schliessung des Werks Hüningen für 2011 angekündigt.

Siehe auch den Bericht über Clariant Muttenz und den Protestaktionen vom Februar 2010

Clariant schiebt 400 Stellen nach Asien

Clariant will bis Mitte 2012 am Hauptsitz in Muttenz 400 Stellen in der Produktion von Textilfarbstoff-Chemikalien streichen. Die Jobs werden nach Asien verlagert. Laut Unia handelt es sich dabei um «eine der grössten Massenenentlassungen der letzten Jahre». Bereits 2009 hatte Clariant in Muttenz 137 Arbeitsplätze gestrichen, jedoch erklärte Clariant-Chef Hariolf Kottmann vor einem Jahr, der Standort Muttenz sei nicht gefährdet.

Von einem «schwarzen Tag für die Nordwestschweiz» sprach die Gewerkschaft Syna. Der Führung von Clariant gelinge es nicht, das schlingernde Schiff zu stabilisieren, heisst es in einer Mitteilung der Syna vom Dienstag. Die Angestellten-Vereinigung Clariant Schweiz (AVCS) reagierte erschüttert auf den neuerlichen Abbau. Der Verein, der zur Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz gehört, forderte das Management auf, «alles Erdenkliche zu tun», um Entlassungen zu vermeiden.

Betroffene unterstützen

Der bis 2012 gültige Sozialplan müsse «konsequent und grosszügig» angewendet werden. Die Syna verlangte angesichts des Ausmasses des Stellenabbaus, dass der Sozialplan verbessert und über die ganze Restrukturierungsphase bis 2013 verlängert wird.

Die AVCS forderte, dass die vom Abbau betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rasch mit gezielten Aus- und Weiterbildungsmassnahmen unterstützt werden. Umfangreiche Outplacement-Massnahmen müssten umgesetzt werden.

Nicht ohne Konsultation

Die Unia kündigte Widerstand gegen den Stellenabbau in Muttenz an. Die Gewerkschaft wirft den Clariant-Managern vor, sie verstiessen gegen den geltenden Gesamtarbeitsvertrag und verletzten die Sozialpartnerschaft.

Bevor Massenentlassungen beschlossen und Produktionsstandorte aufgegeben würden, müsse der Belegschaft und den Gewerkschaften eine angemessene Konsultationsfrist von mehreren Wochen gewährt werden, damit diese Alternativen prüfen könnten. Die Clariant-Leitung missachte diese gesetzlichen Vorschriften bewusst, kritisiert die Unia.

Die Syna forderte das Clariant-Management auf, Hand zu konstruktiven Verhandlungen zu bieten. Der Entscheid, Arbeitsplätze nach Asien zu verschieben, müsse im Rahmen eines seriösen Konsultationsverfahrens überprüft respektive rückgängig gemacht werden.

Schweizer Börse blockiert

Die Unia sieht nun die Politik und insbesondere die Baselbieter Volkswirtschaftsdirektion in der Pflicht. Die Politik müsse «die Interessen der Belegschaft und des Produktionsstandorts Schweiz gegenüber den rücksichtslosen Clariant-Managern» wahrnehmen.

Gegen das Clariant-Management protestierten Unia-Vertreter am Dienstagmorgen auch vor der Schweizer Börse in in deren Räumen das Unternehmen die Bilanzmedienkonferenz abhielt. Sie verteilten Flugblätter, auf denen der «Kahlschlag von Kottmann» angeprangert wurde. Gemeint ist Konzernchef Hariolf Kottmann.

Rund 30 linke Aktivisten, offenbar Mitglieder des «Revolutionären Aufbaus Zürich», blockierten vorübergehend sogar den Zugang zur Schweizer Börse. Sie bewarfen das Gebäude mit Eiern und zogen nach einer guten Dreiviertelstunde wieder von dannen. Unia-Vertreter betonten gegenüber der Nachrichtenagentur SDA, dass sie mit der Blockade nichts zu tun hatten.

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Habe soeben einen Artikel gefunden, den ich euch nicht vorenthalten möchte.
Nein ich will, dass alle lesen, was geschrieben steht…
Besonders gefallen tut mir:

Ich möchte nicht in einer Gesellschaft leben, in der Kommerz vor Kunst kommt. In der Erfolg wichtiger ist als Menschlichkeit, in der geschäftliche Rafinesse mit Intelligenz gleichgesetzt wird und in der nicht Erfahrung sondern Linientreue zählen. Ich möchte in keiner Gesellschaft leben, in der „Der Kunde ist König“ wörtlich genommen wird und sich Dientleister wie Bauern im 16.  Jahrhundert ihren Feudalherren beugen sollen, ohne das diese Praxis zumindest von den Betroffenen selbst als fragwürdig  empfunden wird.

Wenn man Ende 20 länger als für einen Moment, den andere kollektiv für´s vielbeschworene Gemeinschaftsgefühl nutzen,  überlegt, ob man das alles den Rest seines Lebens erträgt, dann hat man entweder Depressionen oder einfach die Schnauze voll  von einem „System“, an dessen Implementierung man etwa so viel Zutun hatte, wie der eigenen Geburt.

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert: Ich allein KENNE in meinem Bekanntenkreis 6 Leute, die Therapien gebraucht haben, weil sie depressiv waren oder zumindest Hilfe gesucht haben. Die viel zitierte Dunkelziffer… keine Ahnung! Aber dieser Trend ist beängstigend und da hat keiner ein Familienmitglied verloren, oder spielt wöchentlich vor zigtausend Menschen Fußball.

Nein, die Leute sind einfach auf. Fertig, weil sie immer funktionieren müssen. Weil es keine Schwäche geben darf, weil sonst  jemand anders den Job macht, der belastbarer ist. Aspiranten gibt´s genug, das Aspirin wird knapp. Und wenn es nicht der Job ist, dann die Kohle. Man verdient 3.000 brutto und hat am Ende 400 zum leben. Warum? Weil man studieren wollte und nebenbei nicht arbeiten konnte. Oder, weil die Nebenkostenabrechnung mal eben so bei 800 EUR+ ansetzte. Dazu kommt, dass die Karre kaputt ist, man ins Krankenhaus musste. Oder die Partnerschaft zerissen ist, was Neukauf von Möbeln, Umzug etc. bedeutet…

Da tanzt man auch nicht ständig nackig über ne Blumenwiese und pfeift „Oh wie ist das schön!“. MAN, die Leute haben Existenzängste. Und das in einem Land, dass als Global Player beim Export mitspielt. Was wir vorallem exportieren? Gefühlt sind es Arbeitsplätze, aber was weiß ich schon? Aber warum zum Henker geht es einigen denn so schlecht? Oder zumindest nicht sooooooooooooo gut? Weil es einigen wenigen nie gut genug geht.

http://totalerscheiss.wordpress.com/2009/11/24/in-welcher-gesellschaft-wollen-wir-leben/

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?
Nicht so einfach zu beantworten. Die ganze Wut auf’s System sitzt tief. Die Anzahl der Leute am Rande, von Armut bedroht oder betroffen wächst. Das System hat viele abgehängt oder sie haben sich selbst vom System verabschiedet, oder zumindest das Vertrauen gehörig verloren. Auch wenn du in der glücklichen Lage bist (noch) keine Depression zu haben, oder bei dir die Medikamente gut wirken, trotzdem ist doch die Überlegung interessant, welche die Initiative Grundeinkommen
aufwirft:
(für allgemeine Infos über die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens und die Situation in anderen Ländern, siehe auch hier)

Was würden Sie arbeiten, wenn für Ihr Einkommen gesorgt wäre?
Würdest du denselben stupiden Job mit dem nörgelnden Chef weiterhin Tag für Tag ertragen, dich hinschleppen, Medikamente schlucken, nur damit du es weiterhin aushälst, nur damit du durchhälst?
Oder würdest du deine Lebenszeit nicht eher nutzen für Arbeiten, die dir wirklich Spass machen? Eine Betätigung, die dir Befriedigung bringt, und ethisch/moralisch ok ist, ja schlicht für dich stimmt, deinen Fähigkeiten und Belastbarkeit angepasst.

Was hiesse dies für unsere Gesellschaft, wenn die Mehrheit der Leute etwas anderes arbeiten würden, wenn für Ihr tägliches Einkommen gesorgt wäre? Ist unser (sozial)-(neo)-kapitalistisches System nicht schon selbst dabei, sich ausser Kraft zu setzen? Es braucht noch ein wenig Zeit – die Mächtigen und Korrupten stützen ihren Unterdrückungsmaschinerie -, aber die Auflösung eines Systems beginnt immer in den Köpfen der Menschen.

Basler Kantonalbank: 40 Stellen weg bei der AAM

Basler Kantonalbank halbiert Jobs der übernommenen AAM Privatbank

Die Basler Kantonalbank (BKB) streicht rund 40 der 86 Stellen bei der im Juli übernommenen AAM Privatbank. Die AAM habe zuviel Personal für ihre Kundschaft und Vermögen, bestätigte ein BKB-Sprecher am Mittwoch Angaben der „Basler Zeitung“.

Die 40 zu streichenden Stellen seien nicht mit Entlassungen gleichzusetzen; man suche individuelle interne Lösungen, sagte der Sprecher weiter. Der Abbau erfolge vor allem im Backoffice. Welcher der AAM-Standorte Basel, Bern, Genf und Zürich wie stark betroffen ist, sei noch offen. Ein Konsultativverfahren laufe.

Die Massnahme werde im Wesentlichen bis Ende des ersten Quartals 2010 vollzogen. Formell übernimmt die BKB die AAM per 1. Januar 2010 von der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Bei der Ankündigung Mitte Juli war unbeziffert von einem günstigen Kaufpreis für die auf die Vermögensverwaltung spezialisierte AAM gesprochen worden.

Die BLKB ihrerseits hatte die AAM 2001 für 350 Mio. Fr. übernommen und 2007 in eine Privatbank umgewandelt. Mit der AAM, welche 2001 als „Juwel“ bezeichnet wurde, wollte die BLKB im In- und Ausland expandieren. Das von AAM verwaltete Vermögen schmolz jedoch unter den Fittichen der BLKB von 8,4 Mrd. auf noch 3,1 Mrd. Franken.

Die Basler Kantonalbank schreibt in ihrer Medienmitteilung vom 14.Oktober 2009:
Mit dieser Integration entstehen Synergien, welche genutzt werden müssen, um die notwendige Ertragskraft nachhaltig sichern zu können. Vor diesem Hintergrund ist der angekündigte Abbau von ca. 40 Stellen bei der AAM Privatbank AG unvermeidbar. Die Folgen des Stellenabbaus sollen durch konsequente Ausnützung des konzerninternen Stellenmarktes (Basler Kantonalbank und Bank Coop) gemildert werden. Zudem wurde mit den Sozialpartnern eine sozialpartnerschaftliche Vereinbarung abgeschlossen, welche nebst einem Beratungs- und Begleitungsprozess umfassende finanzielle Leistungen vorsieht.

Nun das tönt viel besser als es wohl in Wirklichkeit ist. Der konzerninterne Stellenmarkt hilft schätzungsweise die 5 flexibelsten Mitarbeiter der AAM unterzubringen. Grösser ist der konzerninterne Stellenmarkt doch sicher nicht. Und flexibel müssen die Ex-AAM Mitarbeiter sein bezüglich Lohn und Einsatzgebiet. Hier würde mehr Transparenz auch mehr Fair-Trauen bringen. Wie gross ist der konzerninterne Stellenmarkt? Wieviele der ex-AAM Mitarbeiter finden im BKB Konzern eine Stelle und zu welchen Bedingungen?  Welches sind die konkreten ‚umfassenden finanziellen Leistungen‘? Pro-Innerstadt Bons über 50Fr?

Am Ende wird’s erst richtig zynisch. Die Pressemitteilung der Basler Kantonalbank schliesst mit den Worten:
Die Basler Kantonalbank ist überzeugt, dass sie mit diesem strategischen Entscheid und den eingeleiteten Massnahmen nicht nur für ihre neue Kundschaft eine nachhaltig kompetente und verlässliche Partnerin, sondern auch für die Mitarbeitenden eine attraktive und faire Arbeitgeberin sein wird.“
Davon bin ich nicht überzeugt.

Ritalin boomt: 8x Absatz in einem Jahrzent

Der Absatz von Ritalin-Präparaten hat sich in einem Jahrzehnt verachtfacht. Nun wollen Politiker wissen, warum.

Kinder und Jugendliche mit Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom – oft «Zappelphillippe» genannt – werden mit Ritalin und verwandten Produkten behandelt.

Der Boom der drei Medikamente Ritalin, Concerta und Medikinet ist in der Schweiz ungebrochen. 2008 wurde ein Fünftel mehr Packungen der Mittel verkauft, die gegen das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden, als ein Jahr zuvor. Damit hat sich der Schweizer Ritalin-Markt innerhalb eines Jahrzehnts verachtfacht.

Die Schweizerische Heilmittelkontrolle Swissmedic geht davon aus, dass der Markt für diese starken Stimulanzien auch in Zukunft ungebrochen wachsen wird. Ihre Wirkung ist mit derjenigen von Amphetaminen zu vergleichen. Unklar bleibt, an wen und in welcher Menge die Medikamente abgegeben werden. Kritiker vermuten, dass Ärzte und Psychologen die Medikamente vermehrt auch Erwachsenen verschreiben. «Dafür haben wir keine Anzeichen», heisst es bei der grössten Schweizer Krankenversicherung, Helsana, die Verschreibungen an Erwachsene im Einzelfall prüfen muss.

Besorgte Politiker gehen deshalb davon aus, dass das Wachstum dieses Marktes in erster Linie auf der lockeren Verschreibungspraxis in der Kinder- und Jugendpsychiatrie beruht. Der Kanton Zürich untersucht gegenwärtig die Verschreibungszahlen an den Volksschulen. Nun gibt es auch auf nationaler Ebene Bestrebungen, detaillierte Daten darüber zu erheben, an wen die meldepflichtigen Medikamente abgegeben werden. «Die Pharmamultis operieren in einem geschützten Markt und verkaufen immer mehr dieser Medikamente. Damit tragen sie erheblich zu den steigenden Gesundheitskosten bei», sagt FDP-Nationalrat Otto Ineichen.

Die Gegner der medikamentösen ADHS-Behandlung misstrauen insbesondere den Kinderärzten. Im Internet publizieren sie deren Verbindungen zu den drei Herstellerfirmen Novartis, Janssen-Cilag und Salmon Pharma. Zahlreiche Ärzte legen ihre Verbindungen zu diesen Firmen freiwillig offen.

Experten schätzen, dass inzwischen in jeder Klasse ein bis zwei Ritalin-Schüler sitzen. Die Statistik untermauert diese Annahme: Ritalin hat in den letzten zehn Jahren einen regelrechten Boom erlebt – in dieser Zeit stieg der Absatz von Medikamenten gegen das Aufmerksamkeits-Syndrom (ADHS) um den Faktor acht, wie die Schweizerische Heilmittelkontrolle Swissmedic kürzlich mitteilte. Swissmedic geht davon aus, dass der Ritalin-Markt auch in Zukunft ungebrochen wachsen wird.

Viele Lehrer und Psychologen fragen sich nun, ob die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die an ADHS leiden, im gleichen Mass zugenommen hat. Urs Strasser, Rektor der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik in Zürich, hat eine andere Vermutung: Er glaubt, dass die Hausärzte das Medikament vermehrt abgeben und so zur Steigerung beitragen.

Nebenwirkungen vernachlässigt

«Allgemeinpraktiker geben Ritalin auf Druck der Eltern unter Umständen schneller ab als Kinder- und Jugendpsychiater», sagt Urs Strasser. Das hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Laut Strasser steigt dadurch das Risiko, dass die Hausärzte die «flankierenden Massnahmen» bei der Ritalin-Vergabe nicht «sorgfältig realisieren». Diese seien jedoch unverzichtbar für die Schüler, da Ritalin Nebenwirkungen haben kann – unter anderem Nervosität, Depressionen, Appetit- und Schlafstörungen – und Kinder wie Eltern psychologisch begleitet werden müssten.

Dass viele Kinder mit Verdacht auf ADHS beim Hausarzt landen, hat noch einen anderen Grund: «Ritalin macht nur einen Bruchteil der Kosten einer Psychotherapie aus und ist weniger aufwändig», sagt Strasser. Zudem sei ADHS zur Modediagnose geworden; die «Wunderdroge» Ritalin suggeriere, man könne die Probleme von verhaltensauffälligen Kindern auf einfache Art und Weise lösen. «Andere Behandlungsmöglichkeiten werden dann gerne ausser Acht gelassen, da Ritalin in der Tat oft wirkt und eine Besserung bringt.»

Schüler nehmen länger Ritalin

Einen Teil des Anstiegs erklärt sich Strasser auch mit dem neuesten Wissensstand, wonach Jugendliche in der Pubertät nicht aus ADHS «rauswachsen» würden. «Früher nahmen Schüler von 7 bis 14 Jahren Ritalin, heute wird es bis 21 und älter verschrieben.» Das erklärt die Verachtfachung des Ritalin-Absatzes jedoch bei weitem nicht.

Auch Karl Diethelm, Leiter des Sonderpädagogischen Zentrums für Verhalten und Sprache in solothurnischen Bachtelen, kritisiert die lockere Verschreibungspraxis der Hausärzte. «Das ist sicher eine Erklärung für den steigenden Ritalin-Absatz.» Denn die Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kanton Solothurn hätte im Gegensatz dazu nicht mehr Ritalin verschrieben in den letzten Jahren – sondern sei eher zurückhaltender geworden. Das Hauptproblem sieht Diethelm in der unkontrollierten Ritalin-Abgabe durch gewisse Hausärzte: «Es sind mir Fälle bekannt, wo Kinder jahrelang Ritalin auf Verschreibung des Hausarztes schluckten. Sie überprüften nicht, ob dies überhaupt nötig ist.»

Hausärzte sollen Schulbank drücken

Für Diethelm ist klar: Eine Bildungsoffensive bei den Hausärzten könnte die rasante Zunahme von Ritalin-Schülern stoppen. Als härtere Massnahme schlägt er vor, dass Allgemeinpraktiker künftig kein Ritalin mehr verschreiben dürfen. Dies solle Kinder- und Jugendpsychiatern vorbehalten sein.

siehe auch https://radiob.wordpress.com/2007/12/01/psychopharmaka-geschaft-ohne-gewissen/