Archiv der Kategorie: Basel

Hagel Donner 23.03.2014

Hagel Donner 23.3.2014

Basel

 

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Erdbeben in Basel vom 29.6.2013 steht in direktem Zusammenhang mit eingestellten Geothermiebohrungen

Am Samstag, 29. Juni 2013 um 11:11 Uhr hat der SED in Basel ein Erdbeben der Stärke 1.7 aufgezeichnet. Das Beben ereignete sich sehr nahe beim Standort des mittlerweile eingestellten Geothermieprojektes (DHM Basel) in einer Tiefe von ca. 4 km (basierend auf der Relativ-Lokalisierung zu früheren Beben). Es wurde in Basel vereinzelt verspürt ohne Schäden zu verursachen.

Das Ereignis vom Samstag steht in direktem Zusammenhang mit dem im Dezember 2006 stimulierten Bereich. Dies ergaben Vergleiche mit früheren, durch die hydraulische Stimulation im Rahmen des DHM Projekts ausgelösten Beben vom Dezember 2006.  Beim Beben von Samstag handelt es sich um das Stärkste, das sich im Reservoirbereich des Geothermieprojektes seit November 2007 ereignet hat.

Erdbeben Lokalisation um das ehemalige Geothermiebohrloch in Basel

Erdbeben Lokalisation um das ehemalige Geothermiebohrloch in Basel

Das Auftreten derartiger Mikrobeben ist nicht ungewöhnlich. Modellrechnungen zeigen, dass die seismische Aktivität im stimulierten Bereich kontinuierlich abnehmen wird, es aber ungefähr 8 bis 15 Jahre dauert, bis sie auf das Niveau vor der Stimulation zurückgeht. Beben wie das vom Samstag (29.6.2013) können in diesem Zeitraum vereinzelt auftreten.

Die Abbildung zeigt die Lage des Bebens (dicker roter Kreis) relativ zu früher registrierten Beben im Tiefenschnitt mit Blickrichtung Nord-Nordwest, zentriert auf das Ende der Verrohrung des Bohrlochs. Blau: Beben während der Stimulation 2006; Schwarz: Nach Ende der Stimulation im Dez. 2006; Grün: Ereignisse in 2007, Rot: Ereignisse in 2010, 2012 und 2013. Die Grösse der Kreise skaliert mit der Erdbebenmagnitude.

Grammy Nomierungen 2012: Best Dance Recording

Die Grammy Nomierungen sind draussen und haben v.a. im Bereich Best Dance Recording zu Diskussionen gesorgt. Who the Fuck is Al Walser haben sich wohl viele gefragt, und wie schafft er es nominiert zu werden? Für mich ist Al Walser ein Unbekannter, ich gebe es zu. Obwohl er 1982 in der Schweiz geboren wurde, und die Schweiz kein sehr grosses Land ist, kenne ich ihn nicht. Vielleicht liegt es an den vielen Bergen, dass ich noch nie was von Al Walser gehört habe, oder daran, dass Al unterdessen in Los Angeles lebt. Sein Track mit dem er nominiert wurde, „I Can’t Live Without You“ finde ich gar nicht so schlecht, wie viele schreiben. Es ist 80s Dance Groove oder Europop, mit einem mittelmässigen Video. Die Vocals von Olga Levit verleihen dem Ganzen einen besonderen Touch, den ich nicht beschreiben kann. Es hat was. Es ist ein bissschen schräg, aber es hat was. Doch wie hat es Al Walser geschafft nominiert zu werden? Keine Ahnung, ich glaube Al hat eine geheime schweizerische Notenfolge entwickelt und hat sie in seinem Song versteckt. Das geheime Tune sorgt  dafür, dass man den Song nicht mehr vergessen kann und sogar gut findet.

Von den übrigen Nominierten finde ich übrigens Avicii mit „Levels“ den absoluten Knüller: Eingängiger Dance Song mit originellem Video, das ich alleine schon wegen des Jumpstyle einfach cool finde.

Dann Calvin Harris mit „Let’s Go“. Naja einfach durchschnittlich, der Song ist schon beim ersten Mal hören einfach langweilig, vielleicht als Soundtrack zu einer Nike Werbung, oder als Werbung für ein Fitnessstudio. Für Werbung ist der Song schon deshalb geeignet, weil ein Werbe Clip nur ca. 30-45s lang ist. So lange fand ich den Song noch gut, aber nachher…

Skrillex mit „Bangarang“: Musik gefällt, das Video naja. Gangster Style soll das wohl sein, kommt mir aber reichlich Klische-behaftet und etwas veraltet rüber. Ich bin gegen Gewalt, und daher geht dieses Video halt gar nicht. Nein im Ernst, das Video ist schlicht langweilig. Also Ton raufdrehen und Bild abschalten, dann ist es ein guter Dance Track, der Respekt verdient.

Und dann -neben Al Walser- die grosse positive Überraschung für mich:
Swedish House Mafia „Don’t You Worry Child“. Trance von Feinsten, ich könnte  stundenlang zu hören, chilling, einfach und solide, mit einigen technischen Finessen, die Freude machen. Ja da steh ich drauf.

And the Winner is:…?

Nun jeder der nominiert wurde hat schon gewonnen, und es auch verdient. Al Walser ist wenigstens originell und speziell. Ich würde ihm den Sieg gönnen. Meine Tipps

  1. Avici „Levels“ – Jumpstyle forever
  2. Swedish House Mafia „Don’t You Worry Child“ – solide, gut
  3. Al Walser „I Can’t Live Without You“ – die schweizerische Geheimwaffe, schlägt zu

Salzabbau oberhalb Muttenz

Alter Bohrturm der RheinsalineDass es in der Regio Basel unterirdische Salzvorkommen gibt, wissen viele. Die  abgebildeten alten Böhrtürme der Rheinsalinen sind charakteristisch in der Rheinebene bei Pratteln. Die Salzvorkommen erstrecken sich aber auch weit über die Rheinebene hinaus bis in den Baselbieter Jura hinein. Die Rheinsalinen erschliessen seit diesem Winter zusätzliche Salzvorkommen  oberhalb von Muttenz im Gebiet Zinggibrunn/Eigental/Sulz.  In den Gemeinden Gempen und Lupsingen sind zudem Probebohrungen bis auf 650m Tiefe geplant. Die Rheinsalinen schliessen ein Erdbebenrisiko gemäss Presseberichten aus.

Deutlich sichtbar sind die Arbeiten im Gebiet „Zinggibrunn“. Es handelt sich hier nicht um Probebohrungen, sondern um Produktionsbohrungen in 400m Tiefe. Denn in diesem Gebiet erstreckt sich unter der Erde ein Salzrücken von rund fünzig Metern Mächtigkeit, den die Rheinsalinen abbauen wollen. Jetzt wird „Zinggibrunn“ 2. Etappe realisiert, bis im 2013 soll der Soleförderprozess in Produktion gehen.

Viele Geschichten des Reichtums und der Macht ranken sich um das Salz, das „Weisse Gold“. Auf den alten Handelsstrassen wurde es über weite Distanzen transportiert wie Silber, Bernstein, Seide oder Gewürze. Nur für edle oder besonders begehrte Waren wurden die Beschwernisse hingenommen, die ein solcher Transport mit sich brachte. Als am 30. Mai 1836 beim Muttenzer Rothaus an der Grenze zu Pratteln grosse Vorkommen genau dieses Guts entdeckt wurden, bedeutete das für den Kanton Basel-Landschaft und die ganze Schweiz einen Einschnitt. Baselland war in dieser Sache fortan nicht mehr von der Stadt abhängig, was eine lange Kette von Auseinandersetzungen beendete. Dem jungen Kanton wurden grosse finanzielle Einnahmen beschert, die er dringend brauchen konnte, und wesentliche Impulse zur Industrialisierung gegeben. Und der Kanton verfügte nun über einen gesamtschweizerisch benötigten Rohstoff, der bisher hauptsächlich aus dem Ausland importiert werden musste. Carl Christian Friedrich Glenck, ein deutscher Bergbaufachmann, hat bei Muttenz nach Salz gegraben. Die erste Saline, Schweizer Hall genannt – Hall ist ein altes Wort für Salzwerk –, später Schweizerhalle, wurde eingerichtet. Mit den Gewinnen aus dem Salzverkauf konnte der Kanton BL rund 60 Jahre lang die Staatsausgaben decken. 1909 schlossen sich Schweizerhalle und die später in Kaiseraugst, Riburg und
Rheinfelden entstandenen Salinen zu den Vereinigten Schweizerischen
Rheinsalinen AG zusammen. Seit den 1970er Jahren wird auch weiter südlich von Schweizerhalle nach Salz gebohrt. So zum Beispiel im Gebiet Laahallen, Wartenberg, Zinggibrunn oder Sulz in Muttenz. Dort liegt das Salz in bis zu 400 m Tiefe, während es im Rheintal aus rund 150 m gewonnen werden kann. Da das
Steinsalz von anderen Gesteinen durchsetzt ist, wird es nicht bergmännisch
abgebaut, sondern ausgesolt. Von seiner grauen Farbe, die das Steinsalz in der Erde annimmt, leitet sich denn auch der Name Salz ab: sal ist ein indoeuropäisches Wort für ‚trübe’ oder ‚schmutzig’.

Die Rheinsalinen sind ein Unternehmen aus der Pionierzeit der Industrie. Die Salzgewinnung in der Regio geht zurück auf 1837: Salz war eine der zentralen Ressourcen der chemischen Industrie im Raume Basel und ebenso die Grundlage für die Badekultur in der Stadt Rheinfelden AG und in andern Solbädern der Schweiz. Das Salz am Rhein beendete die jahrhundertelange Abhängigkeit vom Ausland und gab den damals jungen Kantonen Basel-Landschaft und Aargau die finanzielle Startbasis für den Aufbau. Aus vier sich konkurrenzierenden privaten Salinen entstand 1909 ein einziges Unternehmen, das heute in Schweizerhalle BL und Riburg AG insgesamt pro Jahr 400’000 – 500’000 Tonnen Salz gewinnt. Die Schweizer Rheinsalinen sind heute im Besitz der Kantone (ohne Waadt), des Fürstentums Liechtenstein und der Südsalz GmbH Heilbronn, Deutschland. Im Konkordatsvertrag von 1973 regelten die Kantone den Salzverkauf. Sie garantierten damit die Versorgung aller Regionen mit Salz zu günstigen und einheitlichen Preisen. Die Transportdistanz zu den Kunden ist kurz und der Abbau mit der Laugentechnik ist verhältnismässig unkompliziert. Das

Salzabbau Schema

Prinzip: Die Salzschicht des Ur-Meeres wird angebohrt, mit Wasser aufgelöst und diese Salzlösung (Sole) in der Saline wieder eingedampft. Zurück bleibt reines Salz, getrennt von Wasser, Gips und Kalk.

Früher wurde die Salzlösung (Sole) in grossen Pfannen eingekocht (gesotten). Das so gewonnene Salz bezeichnete man deshalb als Koch- und Siedesalz. Diese traditionellen Begriffe haben sich bis heute gehalten. Kochsalz hat also seinen Namen nicht, weil wir es zum Kochen benutzen, sondern weil es durch Kochen gewonnen wird.

Flurnamen

Auch interessant, wenn wir gerade bei den Namen sind: Bei den  neu zu erschliessenden Abbaugebiete beim Zinggibrunnen  gibt es Flurnamen wie Sulzhof, Sulz, Sulzchopf, Obersulz. Das ist natürlich kein Zufall. Das Wort
Sulz ist eine Ableitung von Salz; es kann auch sulzigen, sumpfigen
oder verschmutzten Boden benennen. Da jedoch in den frühesten Quellen
ein Salzbrunnen in genau diesem Gelände belegt ist, sind die Namen sehr wahrscheinlich auf diesen zurückzuführen.

Salzgewinnung im Detail

Das Salz wird aus Steinsalzschichten in Tiefen bis 400 Meter mit zugeführtem Wasser ausgelaugt. Die konzentrierte Salzlösung fliesst in Pipelines zum Sammeltank des Bohrfeldes und von da zur Saline zur Enthärtung und zum Kristallisationsprozess in die Verdampferanlage.

Für die Sole-Laugung und Sole-Förderung werden die Sondierbohrlöcher erweitert und verrohrt, d.h., es werden drei konzentrische Rohre abgesenkt und fixiert. Das innerste Rohr leitet die gesättigte Sole nach oben ab, das zweite führt Frischwasser von oben zu und das äusserste dieser Rohre führt Stickstoff, der als Schutzgas gegen die schnelle Auslaugung zwischen das oben liegende Salz und das einströmende Frischwasser gepresst wird. Ein Netz unterirdischer Sole-, Wasser- und Schutzgasleitungen durchzieht die Bohrfelder kilometerweit, überwindet dabei Höhenunterschiede bis zu 400 Meter und läuft in unterirdischen Pumpstationen zusammen. Die Sole läuft in den Sammeltank des Bohrfeldes und wird hier als bereits wasserklare Flüssigkeit erstmals sichtbar.

Im Sammeltank der Saline strömt die Roh-Sole der Bohrfelder zusammen bevor sie in die Reaktortanks der Soleenthärtungsanlage gepumpt wird. In der gesättigten Rohsole sind, nebst 310 g reinem Kochsalz, je Liter noch 6–8 g Kalzium- und Magnesiumsalze gelöst. Diese Nebensalze würden die Heizkammern der Verdampfer mit einem steinharten Belag rasch verkrusten und damit die Leistung der Anlage drastisch vermindern. Die Nebensalze werden daher ausgefällt, d.h. die Rohsole dadurch enthärtet. Dies geschieht in zwei Phasen, durch Zugaben von Kalk, Soda und Kohlensäure. Dabei fällt hauptsächlich Gips als Rückstand an, der verpresst und in stillgelegte Kavernen gepumpt wird.

Heizdampf von 140 Grad bringt die Sole im Verdampfer zum Kochen. Der sich bildende Dampf, nun Brüdendampf genannt, wird oben abgeführt. Das Salz kristallisiert laufend aus und sammelt sich als nasser Brei am unteren Ende des Verdampfers an. In der Saline Schweizerhalle sind 6 Verdampfer in Betrieb. Sie sind über 20 m hoch und haben ein Volumen von je 100 Kubikmetern. Die Gesamtanlage funktioniert nach dem Prinzip der mechanischen Dampfverdichtung. Der Brüdendampf wird gewaschen, Kompressoren zugeleitet, dort verdichtet und dabei wieder auf 140 Grad erhitzt und so als Heizdampf erneut genutzt. Dank diesem Verfahren benötigt man heute zur Salzproduktion fünfzehnmal weniger Heizenergie als früher.

Von den Verdampfern wird der nasse Salzbrei auf die Zentrifugen geleitet. Die Masse wird bei hoher Drehzahl geschleudert, Wasser und Salz werden so getrennt. 2 % Wasser bleiben als Restfeuchte im Salz. Das Salz erscheint jetzt erstmals leuchtend weiss und rein wie frischer Pulverschnee. Der Fliessbetttrockner ermöglicht mit seinem heissen Luftstrom einen weiteren Trocknungsschritt, der praktisch auch noch das letzte Wasser vertreibt. Auf 100 kg Salz bleiben nur noch ein paar wenige Milliliter Wasser zurück.

Erdbeben wegen Salzgewinnung?

Also noch mehr weisses Gold. Nur eben der Preis des Salz-Abbaus ist beim Zinggibrunn grösser, da auf 400m Tiefe gebohrt werden muss. In der Rheinebene befinden sich die Salzvorkommen auf nur 150m. Entsprechend grösser ist das Risiko. Ich denke nicht zuletzt an die Möglichkeit, durch das Eingreifen auf 400m Tiefe unerwartete Erdbeben auszulösen. Bei den Geothermie Bohrungen im 2006 in Kleinhünningen, die nach mehreren Erdbeben (bis Stärke 3.4) definitiv eingestellt wurden, hatten die Betreiber die Erdbebengefahr bis zuletzt unterschätzt. Gut die Bohrungen in Kleinhünningen wurden im 2006 bis auf 5km Tiefe vorgetrieben, bei den Salzabbaubohrungen bei Muttenz (Zinggibrunn/Sulz) sind wir ’nur‘ bei 400m. Bisher war im Zusammenhang mit der Salzgewinnung am Rheinknie nie von einer Erdbebengefahr die Rede. Hoffen wir, dass es auch in Zukunft keinen Anlass gibt, das Thema Erdbeben und Salzgewinnung zu vertiefen.

Zur Illustration einige Fotos der Bohrstelle im Wald bei der Ewigkeitsstrasse. Die Strasse ist kaum noch passierbar. Richtung Egglisgraben wurde eine Lärmschutzwand errichtet. Eifriges Treiben im sonst so idyllischen Wald beim Sulzchopf.

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Hohe psychische Belastung bei IT-Technikern

Ständige Schlafstörungen sind besonders in der IT-Branche ein vernachlässigtes Problem. Das berichten indische Forscher um Sara Sarrafi Zadeh von der Universität Mysore in der Zeitschrift „Applied Research in Quality of Life“. Bei 35 Prozent der 91 IT-Techniker eines untersuchten Unternehmens konnten sie leichte, bei 21 Prozent schwere chronische Schlafprobleme feststellen. Die körperliche und psychische Verfassung der Untersuchten und ihre subjektive Lebensqualität stimme oft mit der Schlafqualität überein.
Dass sich das Problem nicht nur auf Indiens IT-Spezialisten beschränkt, betont Anja Gerlmaier vom Institut für Arbeit und Qualifikation IAQ der Universität Duisburg . Gerlmaier hat erst kürzlich mit Kollegen eine Studie zum Gesundheitszustand in der IT-Branche präsentiert und dabei besorgniserregende Zustände dokumentiert. „Die Schlafstörungen schienen auch in unserem Sample auf, wobei ein starker Zusammenhang zu Stress und zum Burnout-Syndrom besteht“, so die Expertin im pressetext-Interview.
Besonders die hochbeanspruchten IT-Techniker schlafen laut der deutschen Studie bei 331 Untersuchten schlecht – und zwar 54 Prozent von ihnen, womit dieses Problem häufiger ist als Rückenschmerz (46 Prozent),  Konzentrationsstörungen (45 Prozent), Magenleiden (35 Prozent) und Tinnitus (30 Prozent). Bei weniger beanspruchten IT-Technikern hat jeder fünfte Schlafstörungen, wobei Rücken- und Konzentrationsprobleme gleich oft vorkommen. Insgesamt ist jeder Vierte jeden Morgen müde und zerschlagen, jeder Dritte denkt ständig, er werde die Arbeit auf Dauer nicht durchhalten und 40 Prozent fühlen sich jeden Tag bei Arbeitsende „verbraucht“.
Dahinter steckt die enorme Stressbelastung, ist Gerlmaier überzeugt. „IT-Techniker sind mit ungeplanten Arbeiten, nicht realistisch kalkulierten und parallelen Projekten und teils kritischen Kundensituationen konfrontiert. Zudem macht ihnen auch die Virtualisierung der Arbeit zu schaffen. Sitzen die direkten Vorgesetzten in Texas, können sie diesen gegenüber eine zu hohe Belastung viel schlechter signalisieren.“ Die dauernde Anspannung sorgt für einen ständig hohen Adrenalinspiegel, wobei der Körper mit dem Abbau des Hormons nicht nachkommt. „Die Folgen sind Unruhe, Unfähigkeit des Abschaltens und der Erholung sowie erschwertes Einschlaf- und Durchschlafen.“

Die indischen Studienautoren schlagen vor, dass das richtige Schlafverhalten stärker in Lebensstil-Empfehlungen für die IT-Branche eingehen soll. Gerlmaier ist skeptisch. „Das Gesundheitsverhalten der IT-Techniker ist viel besser als beim Rest der Erwerbsbevölkerung. Sie rauchen selten, betreiben Sport und achten ohnehin mehr auf ihren Schlaf als andere.“ Kritik übt die Expertin jedoch auch an gängigen Präventionsangeboten. „Massagen, Yoga oder Stressprävention sind zwar gut, doch häufig sollen sie dem Mitarbeiter nur weismachen, er solle Belastungen als Herausforderungen sehen. Oft ist das eine Bagatellisierung.“

Eher werde man dem Problem durch konkrete Schritte einer Belastungsminderung gerecht. „Dazu gehört die Arbeitsgestaltung, jedoch auch die Beschränkung des Multitaskings. Günstig wäre, an höchstens zwei Projekten gleichzeitig tätig zu sein. In stressigen Übergangsphasen sollte man eigene Zielsetzungen überdenken und delegieren, da gerade Nebentätigkeiten viel Zeit fressen“, so Gerlmaier. Entscheidend sei jedoch auch eine gute Pausenkultur, zu der etwa gemeinsames Kaffeetrinken und Mittagessen beiträgt, sowie positive Freizeiterlebnisse. „Gerade bei Dauerstress verzichten viele auf Pausen. Das verschlimmert die Situation jedoch nur.“
Seien die Probleme auch ähnlich, könne man laut Gerlmaier die Arbeitssituation indischer IT-Entwickler dennoch nicht auf europäische Verhältnisse übertragen. „In Indien sind Großraumbüros mit fabriksmäßigen, unflexiblen Arbeitszeiten die Regel. Bei uns dominiert die Orientierung am Projekt und Arbeitstage dauern schon mal von 8 bis 22 Uhr, wenn es drängt.“ Viele deutsche Entwickler sind unter der Woche beim Kunden tätig. „Die oft vermutete Autonomie und Freiheit in der Arbeitszeit gibt es nicht, da Entwickler die anfallende Arbeitsmenge kaum beeinflussen können“, so die Expertin für Arbeitszeit und Arbeitsorganisation.

Critical Mass Event 11. Sept 2010 in Basel

Treffpunkt: Sa 11. Sept 2010 14:00h beim Brunnen vor dem Kunstmuseum
Von da geht es mit dem Velo auf eine kleine Runde durch Basel.

Wir Velofahrer leben gefährlich. Leider werden wir oft übersehen von den Automobilisten. Und leider werden wir übersehen von den Politikern. Die gemeinsame Velofahrt durch die Stadt ist keine Demonstration, sondern eine gemütliche gemeinsame Fahrt. Wir zeigen uns, machen uns sichtbar, zeigen, dass wir viele sind und lassen uns nicht mehr übersehen. Die Situation für Velofahrer ist in der Stadt Basel stark verbesserungswürdig. Die sogenannten Velowege sind unsicher, da sie nicht vom Autoverkehr abgetrennt und unzureichend signalisiert sind.

Auf der Strasse darf nicht nur Raum sein für den motorisierten Verkehr, sondern auch für uns Velofahrer. Diesen Platz nehmen wir uns am Critical Mass Event.

Impressionen eines vergangenen Critical Mass Events in Basel

Clariant: Streik im Werk Huningue

Protest gegen Stellenabbau bei Clariant

Streik im Werk Huningue.

HUNINGUE. Nach ersten Warnstreiks im April will die Belegschaft des Clariant-Werks Huningue ab heute Montag in den unbefristeten Ausstand gehen. An acht Grenzübergängen der Region, den Palmrain und den Autobahnzoll eingeschlossen, wollen Streikende zudem auf ihre Situation aufmerksam machen und Unterschriften sammeln, wobei sie auf eine breite Solidarität hoffen.

Die erst 1995 aus einer Auslagerung der früheren Basler Sandoz entstandene Firma Clariant baut derzeit in der Region massiv Stellen ab und schließt den Standort Huningue mit 262 Mitarbeitern voraussichtlich bis spätestens Ende 2011 ganz. Anlässlich des Besuchs des für Clariant Frankreich verantwortlichen Personalleiters Marc Leyendecker am Montag setzen die Kollegen deshalb jetzt auf ihre letzte Karte bei den Lohn- und Gehaltsverhandlungen, um wenigstens ihre späteren Ansprüche an die Sozialkassen zu erhöhen. „Dass das Werk geschlossen wird, ist klar, darüber brauchen wir nicht mehr zu diskutieren“, sagte Christian Mehlin als Vertreter der Gewerkschaft CGT „wir sind aber nicht zufrieden mit den Bedingungen unserer Kündigung.“ Bei den Verhandlungen sei man jetzt in der Zielgeraden und wolle mit dem Streik den Forderungen Nachdruck verleihen. Auch wo die Kollegen Arbeit finden sollten, will Mehlin wissen, da gerade in ihrer Branche in der Region immer mehr abgebaut werde.

Elsässische Clariant-Angestellte behindern
Grenzübergänge bei Basel

Angestellte des Chemiekonzerns Clariant im elsässischen Hüningen haben am Montag Morgen den Pendlerverkehr an Grenzübergängen bei Basel behindert. Bei der Aktion sammelten sie Unterschriften gegen die Schliessung des Werks, bei der rund 260 Stellen verloren gehen.

Basel/Huningue. – Die Aktion begann am frühen Morgen und dauerte bis 8.45 Uhr, wie ein Sprecher des Grenzwachtkommandos Basel auf Anfrage sagte. Die Aktion habe auf französischem Boden stattgefunden, der Verkehr von Frankreich in die Schweiz sei indes spürbar behindert worden.

Betroffen waren laut dem Sprecher mindestens drei Grenzübergänge nach Basel sowie einer nach Allschwil BL, laut der französischen
Nachrichtenagentur AFP zudem auch der Autobahn-Zoll Basel-St-Louis sowie ein Grenzübergang von Frankreich nach Deutschland.

Rund 90 Personen hätten nach Angaben der Präfektur des Departements Haut-Rhin an der Aktion teilgenommen, hiess es in dem  Bericht weiter. Zudem seien die Angestellten von Clariant Huningue in einen 24-stündigen Streik getreten.

Die Aktion steht im Zusammenhang mit der letzten Verhandlungsrunde über Begleitmassnahmen bei der Betriebsschliessung. Clariant mit Sitz in Muttenz BL hatte im November die Schliessung des Werks Hüningen für 2011 angekündigt.

Siehe auch den Bericht über Clariant Muttenz und den Protestaktionen vom Februar 2010