Monatsarchiv: Juli 2013

Geothermie Projekt in St. Gallen wegen Erdbeben sistiert

Die Bohrarbeiten für das Geothermie-Projekt im St. Galler Sittertobel sind seit Anfang März Tag und Nacht im Gange. Nun steht das Projekt just vor der heissen Phase: In den nächsten Wochen sollte sich zeigen, ob in knapp 4500 Metern Tiefe das erhoffte Heisswasser gefunden wird.

Anders als in Basel, wo ein Geothermieprojekt Ende 2009 wegen Erdbeben gestoppt werden musste, waren in St. Gallen bislang spürbare Erschütterungen ausgeblieben.

Wurde in Basel versucht, unter Hochdruck einen künstlichen Wasserkreislauf zu erzeugen, so kommt in St. Gallen die schonendere hydrothermale Methode zur Anwendung.

Dabei soll eine natürliche wasserführende Schicht angezapft werden. Das Heisswasser gelangt über das Bohrloch an die Erdoberfläche, wird dort genutzt und durch ein zweites Bohrloch wieder in die Tiefe zurückgepumpt.

Die deutsche Itag Tiefbohr-GmbH installierte im März den 60 Meter hohen Bohrturm. Seither stehen die Arbeiter und Ingenieure rund um die Uhr, sieben Tage die Woche im Einsatz.

Eine vergleichbare Anlage, wie sie St. Gallen plant, liefert seit 2007 in Unterhaching bei München Heizwärme und seit 2009 auch Strom. Das Kraftwerk liegt wie Teile der Ostschweiz im Bereich eines Molassebeckens mit grossen Erdwärme-Ressourcen, wie die Stadt St. Gallen auf ihrer Geothermie-Website schreibt.

Trotz der schonenderen Methode wurden die Tiefenbohrungen in St.Gallen nun gestoppt. Die Behörden wurden durh die Erdstösse überrascht. Irgendwie kommt mir als Basler die ganze Geschichte bekannt vor. Seit Tagen gibt es in St.Gallen Mikrobeben in ca 4km Tiefe, die an der Oberfläche nicht gespürt werden sollten, jetzt kamen mehrere stärkere Beben -heute morgen 3.6- welche sehr wohl in der ganzen Ostschweiz gespürt wurden.

Wie in Basel im 2009, hat auch in St.Gallen durch die Geothermie Bohrungen die Erdbebenaktivität sowohl in Anzahl als auch in Stärke zugenommen. Zuerst hatten die Verantwortlichen die Situation runter gespielt, ‚die Mikrobeben stellen keine Gefahr dar, und würden keine Schäden verursachen‘.

Als dann heute morgen die Erde mit Magnitude 3.6 bebt, geben sich die Verantwortlichen überrascht. Die Parallelen zu den Vorkommnissen in Basel sind auffällig.

Der Erdbebendienst schreibt:

Der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich hat am Morgen des 20. Juli um 5:30 Uhr ein Erdbeben der Magnitude 3.6 in einer Tiefe von 4 km bei St. Gallen registriert. Das Erbeben wurde in der Region weiträumig verspürt. Leichte Schäden an Gebäude sind bei Beben dieser Magnitude und Tiefe nicht auszuschliessen.
Das Erdbeben steht wahrscheinlich in direktem Zusammenhang mit den Test- und Stimulationsmassnahmen im Bohrloch des geplanten Geothermieprojekts St. Gallen. Zahlreiche Mikrobeben wurden in den letzten Tagen aufgezeichnet. Die Beben haben dabei in der Nacht vom 19. auf den 20. Juli in Anzahl und Stärke deutlich zugenommen. In den nächsten Tagen sind weitere Beben unserer Einschätzung nach nicht auszuschliessen. 

Jetzt sind die Bohrungen in St.Gallen gestoppt. Wer damit glaubt, dass die Gefahr damit gebannt ist, täuscht sich. Die Verantwortlichen schreiben zwar, man habe die Situation im Griff, doch gleichzeitig schreibt der Erdbebendienst, dass mit weiteren Erdbeben gerechnet werden muss. In Basel, wo das Geothermie Projekt seit 2009 sistiert ist, muss gemäss Modellrechnungen während der nächsten 8-15 Jahren noch mit einer erhöhten Seismizität als direkte Folge der Geothermiebohrungen gerechnet werden. Durch die geringe Distanz des Epizentrums von der Erdoberfläche (4-5km) sind leider Magnituden von 1-2 schon deutlich spürbar.

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St. Gallen SG

Erdbeben in Basel vom 29.6.2013 steht in direktem Zusammenhang mit eingestellten Geothermiebohrungen

Am Samstag, 29. Juni 2013 um 11:11 Uhr hat der SED in Basel ein Erdbeben der Stärke 1.7 aufgezeichnet. Das Beben ereignete sich sehr nahe beim Standort des mittlerweile eingestellten Geothermieprojektes (DHM Basel) in einer Tiefe von ca. 4 km (basierend auf der Relativ-Lokalisierung zu früheren Beben). Es wurde in Basel vereinzelt verspürt ohne Schäden zu verursachen.

Das Ereignis vom Samstag steht in direktem Zusammenhang mit dem im Dezember 2006 stimulierten Bereich. Dies ergaben Vergleiche mit früheren, durch die hydraulische Stimulation im Rahmen des DHM Projekts ausgelösten Beben vom Dezember 2006.  Beim Beben von Samstag handelt es sich um das Stärkste, das sich im Reservoirbereich des Geothermieprojektes seit November 2007 ereignet hat.

Erdbeben Lokalisation um das ehemalige Geothermiebohrloch in Basel

Erdbeben Lokalisation um das ehemalige Geothermiebohrloch in Basel

Das Auftreten derartiger Mikrobeben ist nicht ungewöhnlich. Modellrechnungen zeigen, dass die seismische Aktivität im stimulierten Bereich kontinuierlich abnehmen wird, es aber ungefähr 8 bis 15 Jahre dauert, bis sie auf das Niveau vor der Stimulation zurückgeht. Beben wie das vom Samstag (29.6.2013) können in diesem Zeitraum vereinzelt auftreten.

Die Abbildung zeigt die Lage des Bebens (dicker roter Kreis) relativ zu früher registrierten Beben im Tiefenschnitt mit Blickrichtung Nord-Nordwest, zentriert auf das Ende der Verrohrung des Bohrlochs. Blau: Beben während der Stimulation 2006; Schwarz: Nach Ende der Stimulation im Dez. 2006; Grün: Ereignisse in 2007, Rot: Ereignisse in 2010, 2012 und 2013. Die Grösse der Kreise skaliert mit der Erdbebenmagnitude.