Monatsarchiv: Februar 2009

UBS kommt ins Grübeln

Die Schweizer Grossbank UBS wechselt den Konzernchef aus: Der frühere Credit-Suisse-CEO Oswald J. Grübel löst mit sofortiger Wirkung Marcel Rohner ab.

Oswald Grübel, der frühere Chef von der Credit Suisse, wird neuer Chef der Großbank. Damit vollzieht die Bank einen weitern Schritt, um das Vertrauen wiederherzustellen. Marcel Rohner sei zurückgetreten. Grübel erklärte, er sei überzeugt, dass es auf dem Schweizer Finanzplatz mehr als eine globale Großbank brauche. Die UBS mit ihrer einzigartigen Kundenbasis im Wealth Management, Investment Banking und Asset Management zu führen, bedeute eine faszinierende Herausforderung. Die UBS signalisiert damit, dass sie keine Übernahme Kandidatin ist oder zumindest sein will.

Dies gab die von der Finanzkrise und einer Steueraffäre in den USA gebeutelte Bank heute Donnerstag in Zürich bekannt. Die UBS hat im vergangenen Jahr mit einem Minus von knapp 20 Milliarden Franken (13 Milliarden Euro) den grössten Verlust in der Firmengeschichte erlitten. Als Konsequenz kündigte die Bank vor zwei Wochen den Abbau von 2000 Stellen sowie eine strategische Neuausrichtung an.

Mit dem Wechsel hofft der UBS-Verwaltungsrat, das Vertrauen in die Bank wiederherzustellen. Der UBS-Verwaltungsrat habe Grübel «mit sofortiger Wirkung» zum Konzernchef ernannt, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Marcel Rohner sei «von seiner Funktion zurückgetreten». Marcel Rohner übernahm den Chefposten der UBS im Juli 2007 von Peter Wuffli. Zuvor leitete er fünf Jahre lang das Wealth Management der Bank, nachdem er Group Chief Risk Officer und Chef der Kontrolle von Marktrisiken gewesen war. Der Aargauer ist promovierter Ökonom der Universität Zürich.

Bei der Credit Suisse erfolgreich

Oswald Grübels «grosse Erfahrung im Bankgeschäft und seine Führungseigenschaften auch in Phasen der Transformation» würden für die UBS in «diesem anspruchsvollen Umfeld von unschätzbarem Wert» sein, heisst es in der Mitteilung weiter. Bei seinem früheren Arbeitgeber Credit Suisse habe Grübel in einer Zeit der Umwälzungen das Unternehmen erfolgreich in die Gewinnzone zurückgeführt und das Vertrauen wiederhergestellt. Von 2003 bis Frühjahr 2007 war er Co-Chef beziehungsweise Konzernchef der CS Group.

Grübel wurde 1943 im Osten Deutschlands geboren. Er verlor seine Eltern im Krieg und wuchs zunächst bei seiner Grossmutter in Thüringen auf, später bei Verwandten in Frankfurt. Danach machte er eine steile Karriere als Banker: nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank kam er 1970 zu dem zur Credit Suisse Group gehörenden Investmenthaus White Weld Securities in London, wo er nach verschiedenen Tätigkeiten 1978 als CEO die Leitung übernahm.

Auch seine weitere Laufbahn verlief von da an innerhalb der Credit Suisse Group. 1985 wurde er Mitglied des Group Executive Board der Financière Credit Suisse First Boston in Zug. Auch seine weitere Karriere machte Grübel bei der CS: 1998 übernahm er als CEO die Verantwortung des Bereichs CS Private Banking, bis er zum CEO der Credit Suisse aufstieg.

Die Neubesetzung des Postens des Konzernchefs bei der UBS ist im Departement von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz am Donnerstag als positives Signal gewertet worden.

Der neue CEO verfüge über eine grosse Erfahrung, eine hohe Glaubwürdigkeit und habe in seiner früheren Funktion die Fähigkeit bewiesen, in schwierigen Zeiten eine Grossbank zu führen, sagte Roland Meier, Sprecher des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), auf Anfrage. Das EFD sei deshalb zuversichtlich, dass mit dieser Wahl ein Beitrag zur Stabilisierung der Bank geleistet werde und das Vertrauen zurückgewonnen werden könne.

Bundespräsident Merz hatte bereits am 19. Februar bei der Bekanntgabe des Bundesratsbeschlusses im Zusammenhang mit der Herausgabe von UBS-Kundendaten an die US-Justiz gesagt, dass die Affäre auch eine personelle Aufarbeitung bei der vom Bund unterstützten Grossbank nötig mache. Keine Stellungnahme zum Personalentscheid an der UBS-Spitze gab die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma ab. Man sei aber über den Wechsel informiert gewesen, sagte Finma-Sprecher Alain Bichsel.

Leuthard begrüsst UBS-Chefwechsel

Wirtschaftsministerin Doris Leuthard hat den Chefwechsel bei der UBS begrüsst. «Ich glaube, es ist eine gute Entscheidung des Verwaltungsrats», sagte sie am Donnerstag vor Journalisten in Zürich. Die Bundesrätin gab sich zuversichtlich, dass das Vertrauen in die Grossbank zurückkehre, angesichts der Situation, in der sich das Institut befinde. Auf die Person von Oswald Grübel angesprochen, verwies Leuthard auf die internationale Vernetzung des früheren Credit-Suisse-Chefs.

FDP-Präsident Pelli erfreut über Ernennung von Grübel

FDP-Präsident Fulvio Pelli hat sich erfreut über die Ernennung von Oswald Grübel zum neuen UBS-Konzernchef gezeigt. Der Wechsel an der Spitze der Bank überrasche ihn nicht, sagte Pelli in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS4 News. Der abtretende CEO Marcel Rohner habe die Aufgabe in einer schwierigen Phase nach der Krise im vergangenen Jahr eher im Sinne eines Provisoriums übernommen. Die Suche der UBS nach einem neuen Konzernchef sei seit langem im Gange gewesen. Mit Grübel habe die UBS eine Person gefunden, die sehr viel Kompetenz und Erfahrung sowie auch die notwendige Ruhe besitze, sagte der Tessiner Nationalrat.

SVP: Einsatz für Bankenplatz Schweiz

SVP-Präsident Toni Brunner sieht das Comeback des ehemaligen Credit-Suisse-Chefs Oswald Grübel bei der UBS als Zeichen seines Einsatzes für eine Stärkung des Bankenplatzes Schweiz. Der Rücktritt von UBS-Konzernchef Marcel Rohner sei nicht sehr überraschend, sagte Brunner auf Anfrage. So wolle die UBS nun alles unternehmen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Der Wechsel an der Spitze der Bank sei als vertrauensbildende Massnahme anzusehen. Die Bank wolle ein Zeichen setzen und mit einem neuen unbelasteten CEO die herrschende Krise bewältigen. Vor dem Hintergrund, dass die Credit Suisse und die UBS immer grosse Konkurrenten gewesen seien, sei die Übernahme der Konzernleitung durch Grübel eine Überraschung. Sein Amtsantritt sei als Zeichen dafür zu sehen, dass es jetzt um den Bankenplatz Schweiz gehe und Animositäten zurückgestellt würden. Die fachlichen Qualitäten von Grübel seien unbestritten. Er müsse nun alles dazu beitragen, dass das Vertrauen in den Bankenplatz Schweiz zurück gewonnen werden kann.

SP: Richtig und überfällig

SP-Präsident Christian Levrat hat den Wechsel an der UBS-Spitze als richtig und überfällig bezeichnet. Marcel Rohner wollte und konnte den nötigen Kulturwechsel nicht herbeiführen, wie Levrat auf Anfrage der AP sagte. Für SP-Nationalrätin Fässler ist auch ein Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer nötig.

Rohner scheine von der Krise getrieben worden zu sein, statt diese zu managen. Zudem ist nicht auszuschliessen, dass der abtretende UBS-CEO wegen der laufenden Steuerfluchtverfahren schon bald ins Visier der Justiz gerate. Mit Oswald Grübel erhielten die verunsicherten UBS-Mitarbeitenden einen international anerkannten Bankexperten. Auf ihn warten laut Levrat grosse Aufgaben. So müsse er die UBS wieder in erfolgreicheres Fahrwasser bringen sowie das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Kundschaft zurückgewinnen. Dafür brauche es einen deutlichen Kulturwechsel, wofür Grübel selbst auch umdenken müsse. So habe es Grübel selbstverständlich gefunden, dass Topmanager wie er selbst während der fetten Jahre zweistellige Millionensaläre kassierten hätten, weil der Markt das so verlangt habe. Er bekomme nun offenbar drei Millionen Franken im Jahr, was unverständlich sei für ein Unternehmen, das Staatshilfe erhalte, sagte Levrat. Die Löhne der Topkader von Banken, die Steuergelder erhielten, sollten nicht höher sein als bei bundesnahen Unternehmungen wie Post oder SBB, forderte der SP-Chef.

Die St. Galler SP-Nationalrätin Hildegard Fässler zeigte sich von dem Rücktritt von Rohner nicht überrascht. Überrascht sei sie einzig darüber, dass es keinen Zweierrücktritt gegeben habe, sagte Fässler in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS4 News. Vielleicht sei dies aber in Stufen geplant. So müsse an der Spitze etwas passieren, da die jetzige Crew das Vertrauen nicht habe aufbauen können. Ein Wechsel sei dringend nötig, erklärte sie.

UBS-Aktie zieht nach Rohners Abgang um 15 Prozent an

Sofort nach Handelsbeginn heute Morgen legte die UBS-Aktie zu. Auch der SMI befindet sich im Aufwind.

Der Kurs von UBS stand um 9 Uhr bei 11,60 Franken. Das sind 14,9 Prozent mehr als gestern bei Handelsschluss, als die Aktie bei 10,10 Franken stand. Nach zehn Minuten notierte die Aktie bei 11,33 Fr. mit 12,2 Prozent im Plus. Im Handel wurde auf den hervorragenden Leistungsausweis von Oswald Grübel bei der Credit Suisse verwiesen.

Der Swiss Market Index (SMI) lag zur Handelseröffnung bei 4776,38 Punkten und damit um 1,57 Prozent im Plus.

UBS Aktie deutlich unter 10 CHF

UBS-Aktie unter 9.50 Franken

Die Aktie der angeschlagenen Grossbank findet keinen Boden. Heute Morgen 24.02.2009 fiel sie erstmals in der über zehnjährigen Geschichte der Bank unter den Wert von 10 Franken.

Die Aktie der UBS eröffnete den Handel bei 9.98 Franken, nachdem sie am Montag bei just 10 Franken geschlossen hatte. Zeitweise sackte das Papier bis auf 9.36 Franken ab. Um 12 Uhr lag die Aktie bei 9.49 Franken. Zum Vergleich: Im Februar 2007 war die UBS-Aktie noch knapp 72 Franken wert. Oder wie Victor Giacobbo es ausdrückt: „Wenn die UBS ein Ross wäre, würde man sie jetzt erschiessen.“

Gedrückt wird die UBS-Aktie derzeit vor allem wegen der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Steueraffäre in den USA. Der UBS wird vorgeworfen, Amerikanern in grossem Stil geholfen zu haben, den Fiskus zu betrügen. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise, die das Geschäft der Banken bremst.

Weiter abwärts ging es auch mit der UBS-Konkurrentin Credit Suisse. Deren Aktie verlor bis 10 Uhr um 7,5 Prozent auf 24.10 Franken. Auch der Gesamtmarkt büsste weiter an Terrain ein: Der Swiss Market Index (SMI) lag nach der ersten Handelsstunde um 1,6 Prozent im Minus.