US Regierung rettet Banken auf Kosten der Steuerzahler

Gewinne werden kapitalisiert – Verluste werden sozialisiert

Das geplante Programm der amerikanischen Regierung zur Eindämmung der Finanzmarktkrise könnte die Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Analytiker der Commerzbank verwiesen auf Erfahrungen mit derartigen Rettungsaktionen in anderen Ländern.

Das geplante Programm der amerikanischen Regierung zur Eindämmung der Finanzmarktkrise könnte die amerikanischen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Analytiker der Commerzbank verwiesen auf Erfahrungen mit derartigen Rettungsaktionen in anderen Ländern. «In Schweden kostete die Rettung der Banken Anfang der neunziger Jahre den Staat 6% des BIP.»
Schätzungen für die Kosten der Stützung des japanischen Bankensystems in den neunziger Jahren gehen den Frankfurter Bankern zufolge sogar auf 20% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Sollte es den amerikanischen Staat, wie bei der schwedischen Rettungsaktion, 6 Prozent kosten, würde das einer Summe von etwa 850 Mrd. Dollar entsprechen. Daher drohe dem Steuerzahler für eine «grosse Lösung eine erhebliche Rechnung».

Gemäss den Commerzbank-Analytikern ist eine Alternative zu dem geplanten Programm nicht auszumachen: «Immerhin könnte die Auffanggesellschaft die erworbenen Papiere bis zur Fälligkeit halten.» Da kaum zu erwarten sei, dass die Anleihen alle komplett ausfallen, könne sich die Rechnung für die Steuerzahler zumindest verringern: «Einmal mehr ist damit das geringere Übel gewählt.» Weiteres Abwarten und eine Verschärfung der Krise könnte noch teurer werden.

Die Hoffnung auf eine Auffanglösung für die stark angeschlagenen Finanzinstitute in den USA hat an den Börsen ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Grosse Gewinner waren die zuletzt arg gebeutelten Bankwerte. Die UBS machte einen Kurssprung von mehr als einem Drittel. Das Börsenbarometer SMI schoss zunächst um 6,9 Prozent nach oben. Um 11 Uhr stand der Index immer noch über 5 Prozent im Plus.

Die Hoffnung auf eine Auffanglösung zur Behebung der Finanzkrise hat an der Schweizer Börse zum Handelsauftakt für geradezu explodierende Kurse gesorgt. Die Aktie der Grossbank UBS schoss am Freitagmorgen bis um 36,6% auf 21.78 Fr. in die Höhe. Am späteren Vormittag notierte die UBS-Aktie, die am vergangenen Dienstag noch auf ein Allzeittief von 15,18 Franken gefallen war, immer noch 27,7% höher bei 20.36 Franken.

Credit Suisse und die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär verbesserten sich um 15,3% beziehungsweise 14,7 Prozent. Markante Kursgewinne gab es auch für die Versicherungswerte: Swiss Re legten um 8,4% zu, Zürich-Versicherungen um 5,2% und Swiss Life um 9,6 Prozent.

Die Euphorie erfasste aber auch andere Bereiche. Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Richemont stieg um 5,2 Prozent, jene von Swatch Group um 6,5 Prozent. ABB verbesserten sich um 6,9 Prozent.

Rekordhoher Anstieg bei Handelsbeginn

Der SMI notierte kurz nach der Eröffnung um 6,9 Prozent höher auf 7074 Punkten. «Dies dürfte einer der stärksten, wenn nicht der stärkste Anstieg der Schweizer Börse sein», sagte dazu ein Händler. Um 11 Uhr stand er immer noch 5,24% im Plus bei 6970,16 Punkten. Der breitere SPI-Index legte zuächst 5,8 Prozent auf 5904 Zähler zu.

Befreiungsschlag aus dem Finanzministerium

Das Kursfeuerwerk an den internationalen Börsen hatte am Donnerstagabend begonnen, als der Dow-Jones-Index mit einem Plus von 410,03 Zählern oder 3,86% auf 11’019,69 Punkten geschlossen hatte. Anschliessend reagierten die Börsen in Lateinamerika und Asien in der Nacht zum Freitag daraufhin mit teils kräftigen Gewinnen. Der Hongkonger Aktienindex Hang Seng verzeichnete einen Anstieg von 7,7%. An der Börse in Schanghai stiegen die Kurse sogar um über 9 Prozent.

Auslöser der massiv gestiegenen Börsenkurse ist die Ankündigung eines umfassenden Paketes zur Auffanglösung für Bankschulden in den USA. Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke wollen am Wochenende mit dem Kongress entsprechende Gespräche führen und erwägen dabei auch die Schaffung einer staatlichen Behörde für die Abwicklung fauler Kredite.

Hoffnung auf Nachhaltigkeit

«Damit würden die Probleme aus dem Markt genommen», sagte ein Händler. «Das Paket ist das einzige, was den Markt heute wirklich interessiert», sagte ein anderer Börsianer. «Sollte die amerikanische Regierung damit durchkommen, dürfte die Erholung nachhaltig sein», sagte ein anderer Händler.

Neuer Anlauf von Japans Notenbank

Die japanische Zentralbank hat am Freitag den vierten Tag in Folge eingegriffen, um die Märkte zu stabilisieren. Die Bank of Japan pumpte weitere drei Billionen Yen (rund 31,5 Mrd. Franken) in den Geldmarkt des Landes. Bereits an den drei vorangegangenen Tagen hatte die Zentralbank schrittweise mehrere Milliarden in den Markt gegeben.

Handel in Moskau wieder eröffnet

Nach zweitägiger Pause wegen der Turbulenzen im internationalen Aktienhandel hat die Moskauer Börse am Freitag den Handel wieder aufgenommen. Unter dem Eindruck der Erholung an der Wall Street begann der Handel mit steigenden Kursen. Der RTS-Index stieg um 5,8 Prozent, der MICEX-Index um 7,1 Prozent. Vor der Einstellung des Aktienhandels am Mittwoch waren die Kurse drastisch gesunken, was Erinnerungen an den Finanzkollaps in Russland im Jahr 1998 geweckt hatte.

siehe auch die Fortsetzung https://radiob.wordpress.com/2008/09/29/rettungsplan-fur-finanzmarkte-uberraschend-gescheitert/

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Eine Antwort zu “US Regierung rettet Banken auf Kosten der Steuerzahler

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