Monatsarchiv: September 2008

Rettungsplan für Finanzmärkte überraschend gescheitert

Der Rettungsplan für die Finanzmärkte ist geplatzt

Keine Mehrheit im amerikanischen Repräsentantenhaus

Dramatik pur im US-Kongress und an der Wall Street: Das umstrittene 700-Milliarden-Dollar-Paket zur Rettung der Finanzmärkte ist bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus überraschend gescheitert.  Der mühsam ausgehandelte Kompromiss über den Rettungsplan für die US-Finanzbranche ist gescheitert. Das Abgeordnetenhaus lehnt das 700 Milliarden Dollar schwere Paket ab.

228 Abgeordnete stimmten nach dreistündiger Debatte gegen das Hilfspaket, nur 205 Abgeordnete votierten dafür. Vor allem Republikaner, die staatliche Eingriffe grundsätzlich ablehnen, votierten gegen das Programm. Die Demokraten stimmten in ihrer Mehrheit dafür.

Die Aktienkurse an der Wall Street reagierten mit einem dramatischen Absturz von zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent.

Bush reagierte nach Angaben eines Sprechers mit „grosser Enttäuschung“ auf die Niederlage. Er wolle bereits in Kürze mit seinen engsten Beratern zusammentreffen, um weitere Schritte zu beraten.

Ziel des Programms war es, den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang zu setzen und weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern. Experten hatten immer wieder gewarnt, falls Washington nicht ein klares Zeichen setzt, drohten Panik und weltweite Kettenreaktionen auf den Märkten.

Ein erster Entwurf der Regierung war bereits am Donnerstag auf Ablehnung gestossen. Bush hatte noch kurz vor der Abstimmung eindringlich dazu aufgerufen, dem am Wochenende von Spitzenpolitikern ausgehandelten Plan zuzustimmen.

Auch zahlreiche Abgeordnete hatten eindringlich vor einem Scheitern des Gesetzes gewarnt. „Wenn wir diese Gesetz nicht verabschieden, wäre dies ein sehr schlechter Tag für den Finanzsektor und die amerikanische Wirtschaft“, sagte der demokratische Abgeordnete Barney Frank.

Doch vor allem Republikaner hatten grundsätztliche Bedenken, staatliche Hilfen für Privatfirmen seien „sozialistisch und un-amerikanisch“, hiess es mehrfach. Nach Medienberichten waren ungefähr die Hälfte der 199 republikanischen Abgeordneten grundsätzlich gegen staatliche Eingriffe in den Privatsektor.

Trotz aller Appelle von US-Präsident George W. Bush und führenden Politikern beider Parteien gab es am Montag keine Mehrheit für das bei den Wählern höchst unpopuläre Programm, mit dem das Chaos an den Finanzmärkten eingedämmt werden sollte. Das Repräsentantenhaus votierte mit 228 zu 205 Stimmen gegen den Plan. Experten erwarten nun weitere heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten.

An der Wall Street ging die nackte Angst um. Erste Nachrichten von dem Scheitern des Rettungsprojekts liessen den Dow-Jones-Index zeitweise um 700 Punkte einbrechen. Auch wenn der Plan unpopulär war, sahen führende Finanzexperten und Politiker doch keine Alternative zu dem Rettungspaket.

«Dann hilf uns Gott»

In einer leidenschaftlichen Rede erklärte der republikanische Abgeordnete Paul Ryan vor der Abstimmung: «Wir haben alle Angst, unseren Job zu verlieren». Die meisten Kollegen seien zwar der Ansicht, das Paket müsse verabschiedet werden – «aber bitte ohne mich». Und er fügte hinzu: «Wenn es uns nicht gelingt, das Richtige zu tun, dann hilf uns Gott.»

Die beiden Präsidentschaftskandidaten hatten vor der Abstimmung vorsichtige Zustimmung zu dem Plan signalisiert. Bushs Parteifreund John McCain sagte, die Option, nichts zu tun, sei schlicht keine akzeptable Option. Mit Hilfe des Pakets werde Vertrauen wiederhergestellt, und das Wirtschaftssystem komme wieder in Fahrt.

Keine andere Wahl

Der demokratische Kandidat Barack Obama erklärte, er neige dazu, das Rettungspaket zu unterstützen, da die Finanzkrise mittlerweile von der Wall Street bei den normalen Verbrauchern angekommen sei. Washington habe keine andere Wahl als zu handeln, wenngleich es empörend sei, «dass wir gezwungen werden, ihren Schlamassel aufzuräumen». Zugleich hoben beide Kandidaten ihren Anteil an dem Rettungsplan hervor.

Der Rettungsplan sollte die Mittel für den Aufkauf sogenannter fauler Hypothekenpapiere freigeben. Ausgezahlt sollte die Riesensumme aber nicht auf einen Schlag werden, sondern schrittweise. Die erste Hälfte von 350 Milliarden Dollar sollte zur Verfügung gestellt werden, sobald dies vom Präsidenten beantragt wird. Die weiteren Mittel sollten von der Zustimmung des Kongresses abhängig sein. Im Gegenzug sollte der Staat Aktienoptionsscheine der Finanzgesellschaften erhalten, die bei entsprechender Kursentwicklung eingelöst werden können, um die Belastung für die Staatskasse aufzufangen.

siehe auch https://radiob.wordpress.com/2008/09/19/us-regierung-rettet-banken-auf-kosten-der-steuerzahler/

Tipps gegen Burnout in der IT

Tipps gegen das Burnout-Syndrom bei ITlern

Was mit vergleichsweise harmloser Gereiztheit und Schlafstörungen beginnt, endet oft mit Angstzuständen und Depressionen: Unter Erschöpfungssyndromen leiden auch viele Mitarbeiter in der IT. Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Uni Duisburg-Essen entwickelt in einem bis 2010 dauernden Projekt deshalb Strategien für einen präventiven Gesundheitsschutz in der IT-Branche. Das aktuelle Arbeitspapier „Burnout in der IT-Branche“ entstand in Kooperation mit sechs Unternehmen und richtet sich an Beschäftigte, Personalleiter und Firmenleitungen.

Das Papier beschreibt zunächst die Warnsignale von Burnout: Sie laufen in drei Dimensionen ab und äußern sich in Gefühlen, körperlichen Symptomen, dem Verhalten zur Arbeit und dem Umgang mit der Umwelt: Der emotionalen und physischen Erschöpfung folgen Zynismus, Demoralisierung und Entfremdung. Am Ende fehlt das Engagement für die Arbeit und Versagensängste machen sich breit.

Einer kritischen Würdigung unterzogen werden die immer zahlreicheren Selbst-Tests sowie die unterschiedlichen Erklärungsansätze, die entweder die wesentlichen Ursachen beim Individuum oder im betrieblichen Umfeld sehen. Vor allem aber gibt die Autorin, Ursula Kreft, Anregungen für betriebliche Maßnahmen und individuelle Verhaltensänderungen. Unternehmen sollten ein umfassendes Gesundheitsmanagement anstreben, mit verbindlichen Arbeitszeitregelungen und Pausenzeiten. Wichtig sei auch eine funktionierende innerbetriebliche Kommunikation, um belastende Faktoren im Arbeitsprozess zu identifizieren.

Zum persönlichen Selbsthilfeprogramm gehöre zum einen, für einen körperlichen und seelischen Ausgleich zu sorgen. Man sollte aber auch das eigene Arbeitsverhalten angehen: für Puffer im Terminkalender sorgen, regelmäßige, kurze Pausen einlegen. Allerdings, so betont die Autorin als Quintessenz des Arbeitspapiers, seien individuelle Bemühungen zum Misserfolg verdammt, wenn der Betrieb nicht mitzieht.

US Regierung rettet Banken auf Kosten der Steuerzahler

Gewinne werden kapitalisiert – Verluste werden sozialisiert

Das geplante Programm der amerikanischen Regierung zur Eindämmung der Finanzmarktkrise könnte die Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Analytiker der Commerzbank verwiesen auf Erfahrungen mit derartigen Rettungsaktionen in anderen Ländern.

Das geplante Programm der amerikanischen Regierung zur Eindämmung der Finanzmarktkrise könnte die amerikanischen Steuerzahler teuer zu stehen kommen. Analytiker der Commerzbank verwiesen auf Erfahrungen mit derartigen Rettungsaktionen in anderen Ländern. «In Schweden kostete die Rettung der Banken Anfang der neunziger Jahre den Staat 6% des BIP.»
Schätzungen für die Kosten der Stützung des japanischen Bankensystems in den neunziger Jahren gehen den Frankfurter Bankern zufolge sogar auf 20% des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Sollte es den amerikanischen Staat, wie bei der schwedischen Rettungsaktion, 6 Prozent kosten, würde das einer Summe von etwa 850 Mrd. Dollar entsprechen. Daher drohe dem Steuerzahler für eine «grosse Lösung eine erhebliche Rechnung».

Gemäss den Commerzbank-Analytikern ist eine Alternative zu dem geplanten Programm nicht auszumachen: «Immerhin könnte die Auffanggesellschaft die erworbenen Papiere bis zur Fälligkeit halten.» Da kaum zu erwarten sei, dass die Anleihen alle komplett ausfallen, könne sich die Rechnung für die Steuerzahler zumindest verringern: «Einmal mehr ist damit das geringere Übel gewählt.» Weiteres Abwarten und eine Verschärfung der Krise könnte noch teurer werden.

Die Hoffnung auf eine Auffanglösung für die stark angeschlagenen Finanzinstitute in den USA hat an den Börsen ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Grosse Gewinner waren die zuletzt arg gebeutelten Bankwerte. Die UBS machte einen Kurssprung von mehr als einem Drittel. Das Börsenbarometer SMI schoss zunächst um 6,9 Prozent nach oben. Um 11 Uhr stand der Index immer noch über 5 Prozent im Plus.

Die Hoffnung auf eine Auffanglösung zur Behebung der Finanzkrise hat an der Schweizer Börse zum Handelsauftakt für geradezu explodierende Kurse gesorgt. Die Aktie der Grossbank UBS schoss am Freitagmorgen bis um 36,6% auf 21.78 Fr. in die Höhe. Am späteren Vormittag notierte die UBS-Aktie, die am vergangenen Dienstag noch auf ein Allzeittief von 15,18 Franken gefallen war, immer noch 27,7% höher bei 20.36 Franken.

Credit Suisse und die Vermögensverwaltungsbank Julius Bär verbesserten sich um 15,3% beziehungsweise 14,7 Prozent. Markante Kursgewinne gab es auch für die Versicherungswerte: Swiss Re legten um 8,4% zu, Zürich-Versicherungen um 5,2% und Swiss Life um 9,6 Prozent.

Die Euphorie erfasste aber auch andere Bereiche. Die Aktie des Luxusgüterkonzerns Richemont stieg um 5,2 Prozent, jene von Swatch Group um 6,5 Prozent. ABB verbesserten sich um 6,9 Prozent.

Rekordhoher Anstieg bei Handelsbeginn

Der SMI notierte kurz nach der Eröffnung um 6,9 Prozent höher auf 7074 Punkten. «Dies dürfte einer der stärksten, wenn nicht der stärkste Anstieg der Schweizer Börse sein», sagte dazu ein Händler. Um 11 Uhr stand er immer noch 5,24% im Plus bei 6970,16 Punkten. Der breitere SPI-Index legte zuächst 5,8 Prozent auf 5904 Zähler zu.

Befreiungsschlag aus dem Finanzministerium

Das Kursfeuerwerk an den internationalen Börsen hatte am Donnerstagabend begonnen, als der Dow-Jones-Index mit einem Plus von 410,03 Zählern oder 3,86% auf 11’019,69 Punkten geschlossen hatte. Anschliessend reagierten die Börsen in Lateinamerika und Asien in der Nacht zum Freitag daraufhin mit teils kräftigen Gewinnen. Der Hongkonger Aktienindex Hang Seng verzeichnete einen Anstieg von 7,7%. An der Börse in Schanghai stiegen die Kurse sogar um über 9 Prozent.

Auslöser der massiv gestiegenen Börsenkurse ist die Ankündigung eines umfassenden Paketes zur Auffanglösung für Bankschulden in den USA. Finanzminister Henry Paulson und Notenbankchef Ben Bernanke wollen am Wochenende mit dem Kongress entsprechende Gespräche führen und erwägen dabei auch die Schaffung einer staatlichen Behörde für die Abwicklung fauler Kredite.

Hoffnung auf Nachhaltigkeit

«Damit würden die Probleme aus dem Markt genommen», sagte ein Händler. «Das Paket ist das einzige, was den Markt heute wirklich interessiert», sagte ein anderer Börsianer. «Sollte die amerikanische Regierung damit durchkommen, dürfte die Erholung nachhaltig sein», sagte ein anderer Händler.

Neuer Anlauf von Japans Notenbank

Die japanische Zentralbank hat am Freitag den vierten Tag in Folge eingegriffen, um die Märkte zu stabilisieren. Die Bank of Japan pumpte weitere drei Billionen Yen (rund 31,5 Mrd. Franken) in den Geldmarkt des Landes. Bereits an den drei vorangegangenen Tagen hatte die Zentralbank schrittweise mehrere Milliarden in den Markt gegeben.

Handel in Moskau wieder eröffnet

Nach zweitägiger Pause wegen der Turbulenzen im internationalen Aktienhandel hat die Moskauer Börse am Freitag den Handel wieder aufgenommen. Unter dem Eindruck der Erholung an der Wall Street begann der Handel mit steigenden Kursen. Der RTS-Index stieg um 5,8 Prozent, der MICEX-Index um 7,1 Prozent. Vor der Einstellung des Aktienhandels am Mittwoch waren die Kurse drastisch gesunken, was Erinnerungen an den Finanzkollaps in Russland im Jahr 1998 geweckt hatte.

siehe auch die Fortsetzung https://radiob.wordpress.com/2008/09/29/rettungsplan-fur-finanzmarkte-uberraschend-gescheitert/

BASF schluckt Ciba

Das Beste für alle? Abbau von 2500 Stellen bei Ciba!

Die deutsche BASF kauft Ciba für 6,1 Milliarden Franken in bar. Das entspricht 50 Franken je Aktie und einem ein Aufschlag von 32 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Samstag. Der Ciba-Verwaltungsrat steht hinter der Offerte und empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

Die geplante Übernahme wird auch mit einem weiteren Stellenabbau verbunden sein. BASF-Chef Jürgen Hambrecht erklärte vor den Medien, im Rahmen der Integration von Ciba werde es «wohl harte Einschnitte» geben. Restrukturierungen führten normalerweise zu einem Stellenabbau. Für Details sei es aber zu früh, frühestens Ende Jahr könne man zum Abbau Genaueres sagen. Der im August 2006 mit der so genannten operativen Agenda angekündigte Abbau von 2500 Stellen bis Ende 2009 gehe unabhängig von der Übernahme weiter.

Käuferin BASF garantierte Ciba jedoch am Standort Basel den Hauptsitz einer globalen Geschäftseinheit anzusiedeln. «Ein solcher ist bei uns sicher so gross wie heute Ciba alleine», erklärte Hambrecht.

Meyer: BASF kennt Ciba

Angesichts der zunehmend schwierigen Bedingungen der Branche sei die Übernahme für Ciba eine ansprechende Lösung zu einem fairen Preis, sagte Ciba-Verwaltungsratspräsident Armin Meyer. «BASF ist seit Jahren ein Kunde und Lieferant von Ciba.» «BASF kennt unsere Mitarbeiter und unser Geschäft.» Die Aufgabe der Eigenständigkeit sei jedoch durchaus schwer gefallen.

Die Übernahme durch BASF schaffe für Ciba aber nun eine langfristige Perspektive für profitables Wachstum, sowohl in Basel, als auch für Niederlassungen in der ganzen Welt.

Übertrag im ersten Quartal 2009

Die Transaktion soll im ersten Quartal 2009 unter Dach und Fach sein, wie es weiter hiess. Die Angebotsfrist beginne voraussichtlich am 1. Oktober. BASF und Ciba unterzeichneten gestern Sonntag den Transaktionsvertrag, der die Bedingungen des Übernahmeangebots festlegt und Zusicherungen für den Standort Schweiz und den Erhalt der Marke Ciba für gewisse Produkte erhält.

Ciba will eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, an der die Aktionäre über die Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung sowie die Eintragung im Aktienregister entscheiden. BASF macht die Übernahme davon abhängig, mindestens zwei Drittel der Ciba-Aktien angedient zu erhalten.

Seit Monaten Spekulationen

Die Ciba-Aktie verhält sich seit Monaten turbulent und hat kontinuierlich an Wert verloren. Am Markt kursierten Spekulationen über mögliche Käufer. Zuletzt war der Name Clariant im Gespräch: Als Clariant-Konzernchef Jan Secher letzte Woche überraschend seinen Hut nahm, wurde als Grund genannt, Clariant bastle an einer Fusion mit Ciba.

Gleichzeitig wurden schon damals Gerüchte laut, dass es auch bei Ciba bald zu einem Wechsel im Management kommen werde. Vor allem die Position des Verwaltungsrats-Präsidenten Armin Meyer wurde besonders oft genannt – und in diesem Zusammenhang war auch Jan Secher als möglicher Nachfolger genannt worden. «Solche Gerüchte tauchen immer wieder auf», sagte Ciba damals.

Meyer geht Anfang 2009

Schon mehrere Monate halten auch schon die Rücktrittsforderungen an Verwaltungsratspräsident Meyer an. Dieser erübrigt sich nun. «Wenn die Transaktion abgeschlossen ist, ist meine Arbeit erledigt», erklärte gestern Meyer.

Börsenschock: Banken unter Druck

Rund um den Globus: Banken unter Druck

Der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers hat am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. In der Schweiz war die UBS der grosse Verlierer, an der Wallstreet ist der Versicherer AIG unter Druck.

In Europa lag die UBS mit einem Kursverlust von zeitweise über 21 Prozent an der Spitze der am stärksten gebeutelten Finanztitel. Die Notenbanken pumpten Liquidität in den Markt.

Der Swiss Market Index (SMI) sackte am Nachmittag auf 6827,52 Punkte ab. Das waren 5,38 Prozent weniger als Ende letzter Woche. Einen dramatischen Kurszerfall erlebte die UBS. Die Aktie fiel bis auf 18,44 Franken und damit 21,6 Prozent unter den Schlussstand vom vergangenen Freitag. Massiv unter Verkaufsdruck gerieten auch die Aktien des weltgrössten Rückversicherers Swiss Re, die bis 14,9 Prozent auf 57,55 Franken abstürzten. Credit Suisse sanken bis 10,6 Prozent auf 47,04 Franken. Waren es bei den Grossbanken die sich überstürzenden Nachrichten aus den USA über die Zuspitzung der Finanzkrise, die den Rückschlag auslösten, kamen bei Swiss Re die Folgen des Wirbelsturms «Ike» in den USA hinzu.

Beruhigende Stimmen von der Nationalbank und der Eidgenössischen Bankenkommission konnten den Ausverkauf an der Börse zunächst nicht stoppen. Zu dramatisch waren die Nachrichten von der Wall Street.

Zentralbanken in Europa pumpten insgesamt gut 36 Milliarden Euro frisches Kapital in die verunsicherten Finanzmärkte. 30 Milliarden Euro stellte die Europäische Zentralbank zur Verfügung, umgerechnet 6,4 Milliarden Euro (5 Milliarden Pfund) die Bank of England in London. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellte den Märkten frische Liquidität bereit. Es wurde so genanntes Overnight-Geld zum Satz von 1,9 Prozent angeboten.

Mit dem Niedergang der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America hatte sich die Lage an der Finanzmärkten erneut zugespitzt. Die fieberhaften Rettungsbemühungen für die viertgrösste US-Investmentbank Lehman Brothers scheiterten am Wochenende. Die Bank beantragte am Montag vor einem Gericht in New York Gläubigerschutz. Derweil kauft die Bank of America das ebenfalls schwer angeschlagene Traditionshaus Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Das Beben zwingt auch den weltgrössten Versicherer, die American International Group, zu einer umfassenden Umstrukturierung.

Auch auf den anderen europäischen Handelsplätzen lagen die wichtigsten Börsenindizes am Nachmittag vier bis fünf Prozent im Minus. In Frankfurt brachen Commerzbank um fast zwölf Prozent ein, Deutsche Bank verloren 8,5 Prozent und Allianz 7,9 Prozent. In Asien waren die wichtigsten Börsenplätze in Japan, Hongkong und Südkorea wegen eines Feiertags geschlossen. Doch alle Märkte, die geöffnet waren, rutschten tief in die roten Zahlen. In Indien sanken die Kurse um 5,6 Prozent, in Taiwan um 4,1. Australiens Leitindex sank um zwei Prozent, in Singapur waren es 2,9 Prozent.

Der New Yorker Aktienmarkt reagierte am Montag ebenfalls mit einem deutlichen Rückgang auf den Konkurs von Lehman Brothers. Binnen weniger Minuten nach Handelsbeginn sackte der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte am Montag um über 300 Punkte oder 2,6 Prozent auf 11 121,88 Zähler ab. Nach einer halben Stunde stand der Dow-Jones-Index bei 11 085,48 Punkten und um 3,0 Prozent im Minus.

Die Börsen in Asien und Europa brachen nach den zahlreichen Hiobsbotschaften aus dem US-Finanzsystem um drei bis fünf Prozent ein. Die Schweizer Börse SWX schloss mit einem Minus von 3,8 Prozent bei 6939 Punkten.

Nach vergeblichen Rettungsversuchen ist die über 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers, die viertgrösste Investmentbank der USA, zahlungsunfähig. Die Nummer drei der Branche, Merrill Lynch, wird von der Bank of America aufgekauft.

Das Gesicht der US-Finanzbranche hat sich damit schlagartig verändert: An der Wall Street gibt es mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken statt fünf wie noch vor einem halben Jahr.

UBS massiv eingebrochen

UBS Aktie verlor bis Handelsschluss 14,5 Prozent, zeitweise war das Papier 21 Prozent im Minus. Auch andere Finanztitel verloren kräftig: CS – 5,9 Prozent, Swiss Re – 8 Prozent.

Bank of America kauft Merrill Lynch

Bank of America kauft Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar

Die Bank of America übernimmt ihre Rivalin Merrill Lynch. Die Übernahme habe einen Wert von 50 Mrd. Dollar, teilte die Bank of America am Morgen mit. Die Bank of America will den Preis in Aktien bezahlen. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.

Die zu den führenden US-Banken zählende Bank of America galt zuletzt auch als möglicher Käufer der vor dem Aus stehenden viertgrössten US-Investmentbank Lehman Brothers. Die das ganze Wochenende über laufenden Gespräche scheiterten Medien zufolge auch an der Weigerung der US-Regierung, staatliche Hilfen zu geben.

Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem dramatischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Die rettende Übernahme durch die Bank of America sei in fieberhaften Verhandlungen binnen 48 Stunden ausgehandelt worden, so das „Wall Street Journal“.

Die Bank of America bietet 0,8595 Stammaktien für jede Merrill-Lynch-Stammaktie, was 29 Dollar pro Papier entspricht. Das ist ein Aufschlag von gut 70 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Im Mai dieses Jahres war das Merrill-Papier noch 50 Dollar wert, im Januar 2007 sogar 90 Dollar.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen.