SCOACH: Tadel für Market Maker

Trotz den herben Rückschlägen an den Aktienbörsen im Jahr 2008 haben strukturierte Produkte kaum an Anziehungskraft verloren. So schmerzhaft die Phase war, viele Investoren haben dabei dazugelernt. Sie wissen nun: Auf den Emittenten kommt es an. Das gilt nicht nur im Hinblick auf die Bonität einer Bank – ein Kriterium, das seit der Beinahepleite der Investmentbank Bear Stearns, die in Deutschland einige Dutzend Produkte im Markt hat, vermehrt ins Blickfeld gerückt ist. Sondern es gilt auch für das Verhalten der Emittenten in kritischen, weil sehr volatilen Marktphasen. Während der Turbulenzen an den Börsen Mitte Januar und Mitte März wurde – wie schon in ähnlichen Phasen im Vorjahr – bei den Banken die Spreu vom Weizen getrennt. Die Schönwetter-Emittenten verabschiedeten sich – teilweise während mehrerer Stunden – aus Produktsegmenten, während die Profis selbst in hoch volatilen Phasen tapfer weiter Kurse stellten und dabei auch die Gefahr von eigenen Verlusten in Kauf nahmen. Letzteres sollte eine Bank nicht allzu sehr betrüben, verdient sie doch mit strukturierten Produkten alles andere als schlecht. In Marktkreisen und den Foren im Internet tauchen sowohl grosse wie kleine, bekannte wie weniger bekannte Emittenten auf, an denen Kritik wegen teilweise mangelnder Kursstellung in den Märkten Deutschland und Schweiz geübt wird, etwa BNP Paribas, Banque Cantonale Vaudoise (BCV), Citigroup, HSBC Trinkaus & Burkhardt, Merrill Lynch, Sal. Oppenheim und UBS. Allerdings kann sich das Verhalten der Banken schnell ändern, je nachdem, wie viel Personal gerade zur Verfügung steht oder ob vielleicht der Chef gewechselt hat. Während die Emittenten in Deutschland eigentlich zur Kursstellung zumindest für kleine Stückzahlen verpflichtet sind, fehlt derzeit diese Pflicht in der Schweiz völlig. Deswegen will die deutsch-schweizerische Derivatebörse Scoach völlig zu Recht auch in der Schweiz dazu übergehen, Fehlverhalten der Emittenten gemäss der Devise «name it and blame it» anzuprangern. In Deutschland macht sie dies schon erfolgreich seit einem Jahr, weswegen etwa die durchschnittliche Geschwindigkeit der Ausführung von Aufträgen von 10 Sekunden auf nun etwa 2,5 Sekunden gesunken ist. In der Schweiz will Scoach ab dem dritten Quartal sogar noch genauer auf das Verhalten der Emittenten schauen und auf täglicher Basis sowie teilweise pro Produkt die Daten veröffentlichen. Dieses sichtbare Tadeln ist effizienter als eine rechtliche Regulierung, schlägt die öffentliche Kritik doch bis in die höchsten Etagen der Banken durch.

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