Geothermie-Projekt Basel: Zukunft nach Erdbeben ?

Ein Jahr nach den Erdbeben ist weiterhin unklar, ob das Basler
Geothermieprojekt eine Zukunft hat. Die verantwortliche Geopower AG
stellte am Dienstag erste Untersuchungserkenntnisse vor. In 3000 Metern
Tiefe wird nutzbar heisses Wasser vermutet.

Das Geothermie-Pionierprojekt will mittels Einpressen von Wasser in
5000 Metern Tiefe heisse Gesteinsschichten durchgängig machen, so dass
man diese quasi als Durchlauferhitzer zur Strom- und Wärmeproduktion
verwenden kann. Nach dem Einpressen kam es jedoch zu mehreren spürbaren
kleineren Erdbeben, die Ängste auslösten.

Darauf wurde das Projekt Ende 2006 sofort gestoppt, und seither
werden Messergebnisse ausgewertet. Dabei ist eine Gesteinszone in 3000
Metern Tiefe aufgefallen, in der man ein vorhandenes
Heisswasserreservoir vermutet. Möglicherweise könnte dieses zu
Heizzwecken oder sogar Stromgewinnung genutzt werden.

Plan B

Dort eingedrungenes Wasser war mindestens 138 Grad warm, wie Markus
Häring ausführte; er ist Chef der am Projekt beteiligten Geothermal
Explorers Ltd. Auch sei das Gestein dort vergleichsweise durchlässig.
Allerdings weiss man nichts über die Dimensionen; das bräuchte
zusätzliche Messungen – passive ohne Erdbebenrisiko.

Auch wenn jene Schicht nutzbar ist, wäre dies nur Plan B, denn in
5000 Metern Tiefe hofft man auf weit rentablere 200 Grad. Auch dafür
fehlt indes noch der Nachweis; nach dem gekühlten Bohren wurden unter
dem Bohrkopf rund 70 Grad gemessen. Laut Häring ist das theoretisch auf
etwa 200 Grad hochzurechnen.

Wegen dem Abbruch der Einpressungen ist die durchlässige Zone im
Tiefengestein jedoch nicht ausreichend gross. Dreidimensionale Modelle
der vom «Klüften» ausgelösten Mini-Beben belegen immerhin die erwartete
Ausbreitungsrichtung. Dank umfassender Überwachung liege zum Basler
Projekt einzigartiges Datenmaterial vor.

Entscheid 2009

Eine unabhängige Risikoanalyse, anhand der die Basler Regierung über
eine Fortsetzung des Geothermie-Projektes entscheiden will, wird Anfang
Jahr vergeben. Resultate sollen Ende 2008 vorliegen. Häring mochte
keine Prognose abgeben. Derzeit ruht das Projekt: Die Anlagen werden
nur überwacht; der teure Bohrturm steht nicht mehr in Basel.

Die von Hausbesitzern gemeldeten Erdbeben-Schäden sind derweil noch
nicht bereinigt: Vier Fünftel der 2565 Schadenfälle seien bearbeitet,
ein Drittel sei mit einer Versicherungszahlung abgeschlossen worden,
hiess es. Die Geopower verspricht, auf die nach einem Jahr übliche
Verjährung der Forderungen zu verzichten.

Unter dem Strich erwartet die Geopower AG inzwischen laut
Verwaltungsratspräsident Heinrich Schwendener Schadenkosten von gegen
9 Mio. Franken – weit mehr als anfangs geschätzt. Im Durchschnitt liegt
ein Schadenfall so bei rund 3000 Franken. Allerdings meldeten sich auch
Trittbrettfahrer mit alten Schäden.

Die Gesamtkosten des Geothermie-Projektes liegen aktuell bei 62 Mio.
Franken. Ursprünglich waren sie auf 80 Mio. Fr. veranschlagt worden,
wovon auf die Explorationsphase 62 Mio. Fr. entfielen. Am
Pionierprojekt sind der Kanton Basel-Stadt sowie mehrere
Energieversorger beteiligt.

Versicherungsfragen offen

Ein knappes Jahr nach den Erdbeben wegen des Geothermie-Projektes in
Basel ist die Schadenabwicklung noch nicht abgeschlossen. Offen ist der
Kostenschlüssel zwischen Geopower AG und Versicherung sowie die Frage,
ob diese künftig teurer wird.

2200 der insgesamt 2565 bisher gemeldeten Schäden – zumeist an
Gebäuden – sind bis Ende November bearbeitet worden, wie
Geopower AG-Verwaltungsratspräsident Heinrich Schwendener am Dienstag
vor den Medien ausführte. 883 Fälle seien mit einer Auszahlung
abgeschlossen worden.

Bei den über tausend Schäden im angrenzenden Ausland – 577 im
Badischen und 456 in Elsass – gehe es etwas langsamer voran: Mit 749
Fällen (398 D, 351 F) seien gut zwei Drittel erledigt. Laut
Geopower-Anwalt Daniel Gebhardt unterscheide sich das Landesrecht; so
müsse etwa in Frankreich primär die Gebäudeversicherung zahlen.

Entgegenkommen

Normalerweise müsse in der Schweiz ein Geschädigter dem Verursacher
erst Verschulden nachweisen; bei den Erdbebenschäden übernehme aber
Geopower auch die Kosten der Abklärungen durch ein Ingenieurbüro. Dort
und bei der Versicherung arbeiten laut Schwendener insgesamt gegen 35
Personen an der Erdbeben-Abwicklung.

Die Schaden-Gesamtkosten schätzt Schwendener auf 7 bis 9 Mio.
Franken. Dabei ist noch unklar, wer am Ende wieviel davon tragen muss:
Das Verhältnis sei noch nicht geklärt, sagte Gebhardt. Im Vordergrund
stehe zuerst Klarheit für die Betroffenen. Der Schaden überschreite die
Versicherungssumme jedenfalls mit Abstand nicht.

Bei einer Fortsetzung des Geothermie-Projektes werde jedenfalls eine
neue Versicherungs-Police auszuhandeln sein. Ob diese angesichts der
Vorgeschichte teurer wird, wusste Gebhardt nicht.

Individuelle Frist

Geopower weist auch Vorwürfe von Hauseigentümerseite von sich, sich
mit der Verjährung nach einem Jahr um Abgeltungen drücken zu wollen.
Wer seinen Schaden schriftlich angemeldet hat, aber noch keinen
Bescheid erhalten hat, soll auch nach dem Jahrestag des ersten
stärkeren Erdstosses vom 8. Dezember entschädigt werden.

Laut Schwendener endet der Verjährungs-Verzicht einen Monat nach
Erhalt eines endgültigen Erledigungsbescheids der Versicherung.
Massgeblich ist gemäss Gebhardt zudem nicht das Datum des ersten
Bebens; die Jahresfrist beginne vielmehr im Moment der Feststellung des
Schadens und der möglichen Ursache, also teils Monate später.

Im Übrigen haben sich neben den vielen echten Betroffenen auch
einige Schlaumeier gemeldet: In manchen Mauer-Rissen fanden die
Experten alten Staub oder Moos – jene Schäden dürften klar älter sein.
Den Anteil solcher Versuche mochte Gebhardt nicht beziffern.

Advertisements

4 Antworten zu “Geothermie-Projekt Basel: Zukunft nach Erdbeben ?

  1. Pingback: Erdbeben bei Basel « Radio B: Die Stimme der Vernunft

  2. Pingback: Erdbeben bei Basel: Nachbeben « Radio B: Die Stimme der Vernunft

  3. Pingback: Erdbeben bei Basel: Erneutes Nachbeben « Radio B: Die Stimme der Vernunft

  4. Pingback: Geothermieprojekt Basel wird definitiv abgebrochen « Radio B: Die Stimme der Vernunft

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s