Arbeitslose und Rentner häufiger in Psychiatrischen Kliniken

Der Anteil der Bevölkerung in stationären psychiatrischen Einrichtungen bleibt konstant
Neuchâtel, 23.11.2007 (OBSAN) – Acht von Tausend Einwohnern der Schweiz werden im Verlauf eines Jahres stationär psychiatrisch behandelt. Dieser Anteil ist über die Jahre hinweg relativ konstant geblieben, wie eine neue Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums zeigt.

Erwerbslose Personen sowie solche, die eine Rente beziehen, befinden sich allerdings deutlich häufiger in stationärer psychiatrischer Behandlung als andere Bevölkerungsgruppen. Mit dieser Studie wurden erstmals die schweizweiten Daten der stationären psychiatrischen Patientenstatistik in Kombination mit den Daten der Volkszählung ausgewertet. Ziel war die Bestimmung des Bevölkerungsanteils, der stationäre psychiatrische Behandlungen in Anspruch nimmt. Diese Auswertungen sind für die Kapazitätsplanung psychiatrischer Versorgungseinrichtungen von grosser Bedeutung.

Im Jahre 2004 wurde ein Bevölkerungsanteil von 0,81 Prozent der erwachsenen Personen mit einer psychiatrischen Hauptdiagnose stationär behandelt, also rund 50’000 Personen. Dieser Bevölkerungsanteil liegt in den Jahren 2000 bis 2004 stabil zwischen 0,80 und 0,84 Prozent. Wie andere Studien bestätigt auch die vorliegende Untersuchung, dass die Zahl der stationären Behandlungsepisoden in der Schweiz zunimmt. Das bedeutet, dass eine relativ stabile Anzahl von Patientinnen und Patienten eine zunehmende Zahl an Behandlungen in Anspruch nimmt. Untersucht man einzelne psychische Störungsgruppen, so sind affektive Störungen wie Depressionen oder Manien der häufigste Grund für eine stationäre Behandlung.

Als nächst häufigste Störungsgruppe erweist sich die Alkoholabhängigkeit. Insgesamt überwiegen bei Männern die Abhängigkeitskrankheiten, bei Frauen eher die affektiven Störungen. Für viele der stationär behandelten psychiatrischen Störungen gibt es charakteristische Altersbereiche. Bei den jüngeren Patientinnen und Patienten (15 bis 44 Jahre) sind es – öfter als bei älteren Behandelten – Abhängigkeitserkrankungen, Schizophrenien und Belastungsreaktionen (z.B. auf traumatisierende Ereignisse); bei Personen mittleren Alters (45 bis 64 Jahre) sind es vermehrt Störungen durch Alkohol und Depressionen; bei 65-jährigen und älteren Personen sind ebenfalls affektive Störungen (Depressionen) und vor allem Demenzen häufiger als bei jüngeren Patientinnen und Patienten der Grund für einen stationären Aufenthalt.

Starke regionale Unterschiede wegen unterschiedlicher Bevölkerungsstruktur Insgesamt fallen starke kantonale und regionale Unterschiede auf: In städtisch geprägten Regionen wird eine stationäre psychiatrische Behandlung häufiger in Anspruch genommen als in ländlichen Regionen. So sind im Jahre 2004 in den Kantonen Basel-Stadt und Neuenburg 1,4 Prozent resp. 1,2 Prozent der Bevölkerung stationär psychiatrisch behandelt worden; in den Kantonen Nidwalden und Obwalden dagegen nur rund 0,5 Prozent. Ein Grossteil dieser Unterschiede kann aber durch die Bevölkerungsstruktur (Altersverteilung, Erwerbsstatus, Ausbildung, Nationalität etc.) in den Kantonen erklärt werden. Der Rest ist auf kantonale Unterschiede in den Versorgungsstrukturen und -bedingungen zurück zu führen.

Die Studie des Gesundheitsobservatoriums bestätigt auch frühere Untersuchungen, wonach Personen mit geringerem Bildungsstand, Erwerbslose, Rentenbezüger sowie nicht in fester Partnerschaft lebende Personen häufiger psychisch erkranken und in der Folge stationär behandelt werden müssen. Auffällig ist insbesondere der hohe Anteil der Erwerbslosen. Dieser liegt im Bezug zur Schweizer Bevölkerung rund 16 Mal höher als bei vollzeitlich Berufstätigen.

Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium (Obsan) ist eine Organisationseinheit des Bundesamtes für Statistik, die im Rahmen des Projektes Nationale Gesundheitspolitik entstanden ist und von Bund und Kantonen einen Leistungsauftrag erhält. Das Gesundheitsobservatorium analysiert die vorhandenen Gesundheitsinformationen in der Schweiz. Es unterstützt Bund, Kantone und weitere Institutionen im Gesundheitswesen bei ihrer Planung, ihrer Entscheidfindung und in ihrem Handeln.

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