ZKB zieht Konsequenzen aus Sulzer Affäre

Die ZKB zieht Konsequenzen aus Sulzer-Affäre

Investment-Chef verlässt die Bank

Die Zürcher Kantonalbank will den Imageschaden stoppen, den sie wegen des umstrittenen Handelsgeschäfts mit Sulzer-Aktien erlitten hat. Hans Fischer, der Chef des Bereichs Investment und Privat Banking, tritt auf Ende Mai zurück. Neue Leitplanken sollen künftig derart heikle Interessenkonflikte in der Bank verhindern.

Hans Fischer hatte andere strategische PläneHans Fischer hatte andere strategische Pläne (Bild key)

Mit einem eigentlichen Doppelspiel hat die Zürcher Kantonalbank (ZBK) ihren Ruf in den letzten Wochen arg ramponiert. Wegen ihrer Options-Geschäfte setzte sie sich dem Verdacht aus, ausländischen Investoren zum Einstieg bei Schweizer Traditionskonzernen zu verhelfen. Gleichzeitig war sie – wie im Fall Sulzer – die Hausbank des betroffenen Unternehmens.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren heftig. Die ZKB geriet in den Ruf, Gehilfin von Raidern zu sein. Sulzer-Präsident Ulf Berg griff die ZKB am Wochenende scharf an und kappte die Geschäftsbeziehungen mit der bisherigen Hausbank. Die ZKB und die Deutsche Bank hätten beim Aufbau des Sulzer-Aktienpakets und bei der Herausgabe von Optionen geholfen, kritisierte Berg. Dies sei «äusserst besorgniserregend». Er frage sich, warum ausgerechnet die ZKB die Gesetzeslücken am extremsten ausnützen müsse. Damit sei die ZKB Sulzer förmlich in den Rücken gefallen

Umstrittene Options-Geschäfte

Händler gehen davon aus, dass beim Sulzer-Coup des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg sowie der beiden Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf sogenannte Cash-Settlement-Optionen im Spiel waren. Diese sind in der Schweiz nicht meldepflichtig und erlauben es Raidern, ihre Beteiligung diskret und verschwiegen aus dem Hintergrund aufzubauen.

Vekselbergs Investitionsvehikel «Renova» und Peciks Investmentgesellschaft «Victory» hatten praktisch auf einen Schlag eine Beteiligung von 32% an Sulzer erworben (18% in Aktien und 14% in Optionen).

Vor dem spektakulären Sulzer-Fall hatte die ZKB über ihr Handelsgeschäft bereits massgeblich dazu beigetragen, dass Pecik und Stumpf in kurzer Zeit den Oerlikon-Konzern übernehmen konnten. Später ist  – ebenfalls via Optionsvehikel – auch die Ostschweizer Saurer zur Oerlikon-Gruppe gestossen.

Ramponiertes Image

ZKB-Bankrats-Präsident Urs Oberholzer räumte den Imageschaden auch ein und kündigte neue Leitplanken an, die künftig potenziell imageschädigende Interessenkonflikte wie im Fall Sulzer verhindern sollen.

Am Freitagmorgen hatte sich der Bankrat zu einer ausserordentlichen Sitzung getroffen. Traktandum war das Handelsgeschäft der Staatsbank. Dabei ein ganzes Bündel von Massnahmen beschlosssen worden, gab ZKB-Sprecher Urs Ackermann gegenüber der Nachrichtenagentur AP bekannt.

Rücktritt des Investmentchefs

Nach der Sitzung teilte die ZKB lediglich mit, dass sich Hans Fischer, der Leiter des Bereichs Investment und Private Banking, zum Rücktritt auf Ende Mai entschieden habe. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung der Handelsstrategie. Mit dem Rücktrittsangebot sei Fischer dem Aufsichtsgremium entgegengekommen, gab Ackermann dazu weiterbekannt. Eine Abgangsentschädigung erhalte Fischer nicht.

Die Leitung der Geschäftseinheit Investment und Private Banking übernimmt interimistisch Martin Sieg Castagnola, der Leiter des Asset Management. Dieser muss nach Angaben Ackermanns nun die Handelsstrategie und die Art der verwendeten Optionen überprüfen, die Schnittstellen zwischen Kredit- und Handelsgeschäft optimieren und entsprechende Leitplanken setzen.

Advertisements

Eine Antwort zu “ZKB zieht Konsequenzen aus Sulzer Affäre

  1. Pingback: ZKB Chef tritt zurück « Radio B: Die Stimme der Vernunft

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s