Börsen Projekt «Turquoise» konkretisiert sich

Börsen-Projekt «Turquoise» konkretisiert sich

Handelsabwicklung geht an Amerikaner

Das alternative Börsen-Projekt «Turquoise» (zu Deutsch: Türkis) dürfte tatsächlich Realität werden. Darauf deuten immer mehr Zeichen hin. Nach fünf Monaten Funkstille haben sich die sieben Investmentbanken – die im vergangenen November mit der Bekanntgabe eines sich gegen die etablierten Börsenbetreiber richtenden Projekts für einen Paukenschlag gesorgt hatten – auf einen Anbieter für die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen (Clearing & Settlement) geeinigt. Wie am Mittwoch in London bekanntgegeben wurde, erhielt EuroCCP, eine neue Tochtergesellschaft der amerikanischen Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), den Zuschlag. EuroCCP wird ein in Grossbritannien registriertes und von der dortigen Finanzaufsicht überwachtes Clearing House mit Sitz in London sein. Ferner soll das «Global Transaction Services»-Geschäft der Citigroup als Abrechnungs- Agent mit EuroCCP zusammen arbeiten.

Handel soll im November starten

DTCC ist die zentrale Abwicklungsorganisation für den amerikanischen Wertpapiermarkt. In den USA gibt es seit Jahren quasi nur einen Abwickler, der bei fast allen Wertpapiertransaktionen als sogenannte Zentrale Gegenpartei fungiert. Dieses Modell kontrastiert mit Europa, wo es im meist regional organisierten Börsenhandel in der Regel noch viele – oft jeweils mit der heimischen Börse liierte – nationale Abwicklungsorganisation gibt. Die multilaterale Handelsplattform Turquoise der sieben Investmentbanken (Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Morgan Stanley, UBS) ist daher einerseits eine Reaktion auf die aus ihrer Sicht hohen Kosten bei den national orientierten Börsenbetreibern und den mangelnden Wettbewerb bei der Abwicklung sowie anderseits auf die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid, in der unter anderem auf mehr Wettbewerb beim Wertpapierhandel und dessen Abwicklung gedrängt wird. Der Handel auf der Plattform soll im November starten.

Die SWX kann weiter hoffen

Ebenfalls mit im Rennen um den Auftrag war die Schweizer SIS Group, die jedoch letztlich im Preiskampf unterlegen war. Dies muss allerdings noch nicht das letzte Wort gewesen sein, denn wie aus Kreisen der beteiligten Investmentbanken zu hören war, handelt es sich bei der Zusammenarbeit mit DTCC nicht um eine exklusive Kooperation. In einer zweiten Phase des Projekts gegen Mitte des Jahres 2008 könnte dann die Tür für weitere Anbieter wie die SIS Group wieder aufgehen. Der Entscheid über den Clearing-&-Settlement-Anbieter ist nach Ansicht von Experten noch kein Indiz für die Auswahl einer Handelsplattform, da beide Themenbereiche von unterschiedlichen Projektgruppen behandelt würden. Bei der Handelsplattform macht sich die Schweizer Börse SWX Hoffnungen, mit ihrer in London domizilierten Börse Virt-x den Zuschlag zu bekommen. Für die Investmentbanken ist es wichtig, eine bestimmte Brokerage-Funktion, die sogenannte Smart Order Routing Technology, zu installieren. Sie ist allerdings bisher noch nicht sehr weit verbreitet. Die Technologie ermöglicht es, den besten Preis für ein Wertpapier zu suchen, egal wo es angeboten wird. Die SWX strebt an, für dieses System technisch kompatibel zu sein.

 

https://radiob.wordpress.com/2006/11/25/swx-group-will-virtx-beliebt-machen/ 

https://radiob.wordpress.com/2006/11/15/borsenrevolution/ 

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