Monatsarchiv: April 2007

ZKB zieht Konsequenzen aus Sulzer Affäre

Die ZKB zieht Konsequenzen aus Sulzer-Affäre

Investment-Chef verlässt die Bank

Die Zürcher Kantonalbank will den Imageschaden stoppen, den sie wegen des umstrittenen Handelsgeschäfts mit Sulzer-Aktien erlitten hat. Hans Fischer, der Chef des Bereichs Investment und Privat Banking, tritt auf Ende Mai zurück. Neue Leitplanken sollen künftig derart heikle Interessenkonflikte in der Bank verhindern.

Hans Fischer hatte andere strategische PläneHans Fischer hatte andere strategische Pläne (Bild key)

Mit einem eigentlichen Doppelspiel hat die Zürcher Kantonalbank (ZBK) ihren Ruf in den letzten Wochen arg ramponiert. Wegen ihrer Options-Geschäfte setzte sie sich dem Verdacht aus, ausländischen Investoren zum Einstieg bei Schweizer Traditionskonzernen zu verhelfen. Gleichzeitig war sie – wie im Fall Sulzer – die Hausbank des betroffenen Unternehmens.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit waren heftig. Die ZKB geriet in den Ruf, Gehilfin von Raidern zu sein. Sulzer-Präsident Ulf Berg griff die ZKB am Wochenende scharf an und kappte die Geschäftsbeziehungen mit der bisherigen Hausbank. Die ZKB und die Deutsche Bank hätten beim Aufbau des Sulzer-Aktienpakets und bei der Herausgabe von Optionen geholfen, kritisierte Berg. Dies sei «äusserst besorgniserregend». Er frage sich, warum ausgerechnet die ZKB die Gesetzeslücken am extremsten ausnützen müsse. Damit sei die ZKB Sulzer förmlich in den Rücken gefallen

Umstrittene Options-Geschäfte

Händler gehen davon aus, dass beim Sulzer-Coup des russischen Milliardärs Viktor Vekselberg sowie der beiden Österreicher Ronny Pecik und Georg Stumpf sogenannte Cash-Settlement-Optionen im Spiel waren. Diese sind in der Schweiz nicht meldepflichtig und erlauben es Raidern, ihre Beteiligung diskret und verschwiegen aus dem Hintergrund aufzubauen.

Vekselbergs Investitionsvehikel «Renova» und Peciks Investmentgesellschaft «Victory» hatten praktisch auf einen Schlag eine Beteiligung von 32% an Sulzer erworben (18% in Aktien und 14% in Optionen).

Vor dem spektakulären Sulzer-Fall hatte die ZKB über ihr Handelsgeschäft bereits massgeblich dazu beigetragen, dass Pecik und Stumpf in kurzer Zeit den Oerlikon-Konzern übernehmen konnten. Später ist  – ebenfalls via Optionsvehikel – auch die Ostschweizer Saurer zur Oerlikon-Gruppe gestossen.

Ramponiertes Image

ZKB-Bankrats-Präsident Urs Oberholzer räumte den Imageschaden auch ein und kündigte neue Leitplanken an, die künftig potenziell imageschädigende Interessenkonflikte wie im Fall Sulzer verhindern sollen.

Am Freitagmorgen hatte sich der Bankrat zu einer ausserordentlichen Sitzung getroffen. Traktandum war das Handelsgeschäft der Staatsbank. Dabei ein ganzes Bündel von Massnahmen beschlosssen worden, gab ZKB-Sprecher Urs Ackermann gegenüber der Nachrichtenagentur AP bekannt.

Rücktritt des Investmentchefs

Nach der Sitzung teilte die ZKB lediglich mit, dass sich Hans Fischer, der Leiter des Bereichs Investment und Private Banking, zum Rücktritt auf Ende Mai entschieden habe. Grund seien unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung der Handelsstrategie. Mit dem Rücktrittsangebot sei Fischer dem Aufsichtsgremium entgegengekommen, gab Ackermann dazu weiterbekannt. Eine Abgangsentschädigung erhalte Fischer nicht.

Die Leitung der Geschäftseinheit Investment und Private Banking übernimmt interimistisch Martin Sieg Castagnola, der Leiter des Asset Management. Dieser muss nach Angaben Ackermanns nun die Handelsstrategie und die Art der verwendeten Optionen überprüfen, die Schnittstellen zwischen Kredit- und Handelsgeschäft optimieren und entsprechende Leitplanken setzen.

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Börsen Projekt «Turquoise» konkretisiert sich

Börsen-Projekt «Turquoise» konkretisiert sich

Handelsabwicklung geht an Amerikaner

Das alternative Börsen-Projekt «Turquoise» (zu Deutsch: Türkis) dürfte tatsächlich Realität werden. Darauf deuten immer mehr Zeichen hin. Nach fünf Monaten Funkstille haben sich die sieben Investmentbanken – die im vergangenen November mit der Bekanntgabe eines sich gegen die etablierten Börsenbetreiber richtenden Projekts für einen Paukenschlag gesorgt hatten – auf einen Anbieter für die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen (Clearing & Settlement) geeinigt. Wie am Mittwoch in London bekanntgegeben wurde, erhielt EuroCCP, eine neue Tochtergesellschaft der amerikanischen Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), den Zuschlag. EuroCCP wird ein in Grossbritannien registriertes und von der dortigen Finanzaufsicht überwachtes Clearing House mit Sitz in London sein. Ferner soll das «Global Transaction Services»-Geschäft der Citigroup als Abrechnungs- Agent mit EuroCCP zusammen arbeiten.

Handel soll im November starten

DTCC ist die zentrale Abwicklungsorganisation für den amerikanischen Wertpapiermarkt. In den USA gibt es seit Jahren quasi nur einen Abwickler, der bei fast allen Wertpapiertransaktionen als sogenannte Zentrale Gegenpartei fungiert. Dieses Modell kontrastiert mit Europa, wo es im meist regional organisierten Börsenhandel in der Regel noch viele – oft jeweils mit der heimischen Börse liierte – nationale Abwicklungsorganisation gibt. Die multilaterale Handelsplattform Turquoise der sieben Investmentbanken (Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Morgan Stanley, UBS) ist daher einerseits eine Reaktion auf die aus ihrer Sicht hohen Kosten bei den national orientierten Börsenbetreibern und den mangelnden Wettbewerb bei der Abwicklung sowie anderseits auf die EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid, in der unter anderem auf mehr Wettbewerb beim Wertpapierhandel und dessen Abwicklung gedrängt wird. Der Handel auf der Plattform soll im November starten.

Die SWX kann weiter hoffen

Ebenfalls mit im Rennen um den Auftrag war die Schweizer SIS Group, die jedoch letztlich im Preiskampf unterlegen war. Dies muss allerdings noch nicht das letzte Wort gewesen sein, denn wie aus Kreisen der beteiligten Investmentbanken zu hören war, handelt es sich bei der Zusammenarbeit mit DTCC nicht um eine exklusive Kooperation. In einer zweiten Phase des Projekts gegen Mitte des Jahres 2008 könnte dann die Tür für weitere Anbieter wie die SIS Group wieder aufgehen. Der Entscheid über den Clearing-&-Settlement-Anbieter ist nach Ansicht von Experten noch kein Indiz für die Auswahl einer Handelsplattform, da beide Themenbereiche von unterschiedlichen Projektgruppen behandelt würden. Bei der Handelsplattform macht sich die Schweizer Börse SWX Hoffnungen, mit ihrer in London domizilierten Börse Virt-x den Zuschlag zu bekommen. Für die Investmentbanken ist es wichtig, eine bestimmte Brokerage-Funktion, die sogenannte Smart Order Routing Technology, zu installieren. Sie ist allerdings bisher noch nicht sehr weit verbreitet. Die Technologie ermöglicht es, den besten Preis für ein Wertpapier zu suchen, egal wo es angeboten wird. Die SWX strebt an, für dieses System technisch kompatibel zu sein.

 

https://radiob.wordpress.com/2006/11/25/swx-group-will-virtx-beliebt-machen/ 

https://radiob.wordpress.com/2006/11/15/borsenrevolution/