Erdbeben in Basel: Grund zur Sorge?

Erdbeben durch Deep Heat Mining Projekt

Auch letzte Nacht wurde ich wieder durch unangenehmes Zittern geweckt. Das Beben mit Magnitude 2,5 war beängstigend lange spürbar, sicher 10sec, wobei es vorher schon einige Sekunden vibriert haben muss, sonst wäre ich nicht wach geworden. Es gab dieses Mal keinen Knall und auch sonstige Geräusche nahm ich keine wahr, kein Gläserzittern, keine knirschenden Holzbalken, nur das Zittern, welches eine kleine Ewigkeit von über 10sec dauerte. Wir haben ein Problem in Basel. Das ist für mich klar. Ich weiss nur nicht wie gross das Problem ist.

Genau heute vor einer Woche, am 8.12.2006 wurde das Deep Heat Mining Projekt in Kleinhüningen/Basel sistiert. Die Stärke der Erdbeben war seit dem Start der Wassereinpressungen vom 2.12.2006 kontinuierlich angestiegen. Seit dem 6.12.2006 waren Probleme selbst für den Laien unübersehbar. Die Stärke und Häufigkeit der Erdstösse erreichte auch für die Experten unerwartete Grössen. Seit dem Stopp des Versuchs hat die Anzahl der Beben deutlich abgenommen. Nur leider sind die Erdstösse immer noch auf einem deutlich höheren Niveau als vor dem Geothermie Versuch. Sowohl in der Häufigkeit als auch in der Stärke. Das gestrige Erdbeben mit Magnitude 2,5 ist beunruhigend: Führt es uns doch spürbar vor Augen, dass die Beben nicht einfach nur langsam abklingen, um dann wieder ganz zu verschwinden, sondern wir uns hier in Basel mit der erhöhten Seismizität vorerst mal abfinden müssen. Es demonstriert uns auch, dass die im Projektbeschrieb und auch jetzt noch in verschiedenen Medien publizierte Aussage, die durch die Stimulation hervorgerufene erhöhte Seismizität sei a) temporär und bloss auf die Zeitdauer der Stimulation beschränkt, und b) an der Oberfläche nicht spürbar, es zeigt uns, dass sowohl a) wie b) falsch sind.

Doch solange die Seismo-Experten ihre Kommentare auf die Webseite/Blog schreiben, können wir erfahrungsgemäss eher beruhigt sein. Wenn die Lage eskaliert (wie in der Zeit vom 6.12.-8.12.06) werden zwar die Erdbeben aufgelistet, aber die meist etwas schönfärberischen Kommentare der ETH Crew bleiben dann ganz weg. Es ist eine unangenehme Situation für die Seismologen: Erdbeben können nicht vorausgesagt, noch verhindert werden.

Ausserdem war schon vor dem Vorfall in Basel bekannt, dass Geothermie Bohrungen und v.a. die Wassereinpressungen Erdbeben auslösen, z.T. schon ohne dass künstlich Druck auf das Bohrloch aufgesetzt wird, sondern alleine durch starke Regenfälle in/auf das Bohrloch. Das erste Mikrobeben in Basel wurde am 10.11.2006 ausgelöst durch das Betonieren des Bohrlochs! Es braucht leider wenig…
Das Wassereinpressen wurde gestoppt und der Druck ist nun wieder auf dem Normalniveau, trotzdem haben wir noch Erdbeben. Die Stimulation in 5 km Tiefe hat offensichtlich irreversible Veränderungen hervorgerufen, die für die Bevölkerung hier alles andere als wünschenswert sind. Wenn es immer wieder leicht bebt, wird es irgendwann einmal auch wieder stark beben. Je öfter es leicht bebt, desto wahrscheinlicher ist ein starkes Beben. Dies scheint allen klar zu sein, bloss den Geothermie Experten nicht.

Jammern hilft nicht, nur der Stopp des Geothermie Projekts in der Erdbebenregion Basel hilft. Und das eine oder andere Gebet, auf das wir verschont bleiben, schadet sicher auch nichts. Bevor es zu spät ist.

Auf der obigen Grafik sind auf der X-Achse die registrierten Ereignisse und auf der Y-Achse die Magnituden der registrierten Erdstösse aufgezeichnet. Zur besseren Lesbarkeit sind die Tage abwechselnd in rot und blau eingezeichnet. So kann man die Tage besser auseinanderhalten und sieht auf einen Blick wieviele Ereignisse an einem Tag waren. Die Daten basieren auf den veröffentlichten Messungen des Schweizerischen Erdbebenzentrums

Siehe auch die älteren Artikel zum Thema Erdbeben in Basel.

Erdbeben um das Bohrloch

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