Kommunikation von Fehlern

  1. So lange wie möglich leugnen einen Fehler gemacht zu haben. Geben Sie Ihre Schuld erst zu, wenn Sie nicht mehr anders können.
  2. Sobald Ihr Fehlverhalten entdeckt wurde, entschuldigen Sie sich sich umgehend und mehrfach. Entschuldigen Sie sich so lange bis es wirklich jeder gehört hat, und es niemand mehr hören kann. Sie dürfen gerne täglich eine Pressekonferenz einberufen oder Medienmitteilungen verschicken. Dabei vermitteln Sie keine neuen Inhalte oder Erkenntnisse, sondern nur Entschuldigungen. Wiederholen Sie dabei wie in einer Litanei, was man Ihnen vorwirft, und  dass es Ihnen leid tue, dass Sie heute, mit den jetzt zur Verfügung stehenden Informationen anders handeln würden. Auf inhaltliche Diskussionen grundsätzlich nicht eingehen, sondern auf Punkt 3. verweisen.
  3. Pochen Sie auf eine umgehende und restlose und eingehende Analyse der Vorkommnisse. Gut ist auch wenn Sie sich dabei selbst bei den Behörden anzeigen und den Staatsanwalt ermitteln lassen. Dadurch gewinnen Sie wertvolle Zeit. Die Wut der Bevölkerung hat Zeit abzuklingen, die wirklichen Ereignisse werden langsam vergessen.
  4. Beginnen Sie schon früh, also bereits bei der Entschuldigungs-Serie, das aufgedeckte Fehlverhalten in ihren Worten zu beschreiben. Benutzen Sie ihre Worte, um ihr Vorgehen etwas harmloser erscheinen zu lassen. Ein Mord wird zu einem tragischen Unglück umformuliert, ein Erdbeben zu einer Erschütterung, eine Lüge zu einem Missverständnis, Absicht zu Versehen, Sie waren selbst durch das Ergebnis Ihres Handelns überrascht. Das haben Sie nicht voraussehen können, damit hat niemand rechnen können.
  5. Beginnen Sie über Helfer das Gerücht zu streuen, Sie hätten mit Ihrem Fehlverhalten nur das Beste für alle gewollt. Formulieren Sie einen Fehler in einen Gewinn für die Menschheit, am Besten in eine Heldentat um. Seien Sie nicht verlegen, je dicker Sie jetzt auftragen, umso eher wird man Ihnen glauben. Sie haben durch das Töten eines Menschen, das Leben von 500 andern Menschen gerettet. Sie haben den Untergang der Menschheit verhindert, indem Sie die Unwahrheit erzählt haben, Sie haben eine Stadt vor dem Untergang gerettet, indem Sie ein Erdbeben künstlich erzeugt haben, sonst wäre die Stadt gänzlich vernichtet worden. Der Krieg ist dazu da, den Frieden zu sichern. Je verrückter desto besser, Sie haben nichts zu verlieren. Ihr Fehler war kein Fehler, sondern eine Heldentat. Erzeugen Sie die Illusion, dass alles ja auch ganz anders sein könnte, als jeder momentan glaubt. Sie sind ein Held, kein Verbrecher!
  6. Unterstreichen Sie die Seriosität der Untersuchungen zu Ihrem Fall durch Zuzug von ausländischen Experten, Amerikaner oder auch Inder machen sich gut, zur Not können Sie auch Schweizer, Deutsche oder Engländer bemühen. ‚Unabhängig‘ müssen die Experten sein, von angesehenen Universitäten und Instituten (Harvard, ETH, NASA), die wie angesehen sie auch sind, immer mal noch ein bisschen Geld oder Forschungaufträge oder so gebrauchen können. Ich denke, Sie haben das Prinzip verstanden.
  7. Sie dürfen ruhig dick auftragen und Untersuchungen und Methoden zitieren von denen noch nie jemand etwas gehört hat. In Amerika macht man das schon lange so…, es gibt ein Projekt in Indonesien, da haben Sie damit gute Erfahrungen gemacht…, in der Medizin wird radioaktive Strahlung mit Erfolg zur Krebsbekämpfung eingesetzt…, AIDS kann durch Erdbeben geheilt werden… Fluten Sie die Oeffentlichkeit mit Informationen und Spekulationen, benutzen Sie Dritte (Spezialisten, ‚bezahlte‘ Presseleute) um die Infoflut zu verbreiten. Je mehr umso besser. Es gilt zu verwirren. Am Schluss soll jeder vergessen haben wie die Ereignisse wirklich waren, und Sie selbst haben im allgemeinen Durcheinander natürlich vergessen, was genau Sie wann gemacht haben. Da die Sachlage so verwirrt ist, wird jeder verstehen, dass die Strafuntersuchung eingestellt wird, und Sie straflos ausgehen. Nicht zuletzt weil Sie in Wirklichkeit ein Held sind, und kein Verbrecher. Sie selbst müssen glauben, dass Sie ein Held sind. Sie haben die Welt gerettet, -vielleicht- weil, … ja so genau weiss das niemand mehr.
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Eine Antwort zu “Kommunikation von Fehlern

  1. Pingback: Erdbeben: Entschuldigung aus Basel « Radio B: Die Stimme der Vernunft

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