Geothermie am Ende? Energiepolitik nach Erdbeben in Basel

Energiepolitische Perspektiven und Visionen haben
Hochkonjunktur. Für den Elektrizitätsbereich gilt dies besonders, weil
in absehbarer Zeit bestehende Produktionskapazitäten (Kernkraftwerke,
langfristige Lieferverträge) wegfallen werden. Darüber, wie diese Lücke
gestopft werden kann, gehen die Meinungen weit auseinander.

Nur eine einzige Energiequelle hat sich im
energiepolitischen Bewusstsein als unverdächtig, unerschöpflich und
vermutlich auch als wirtschaftlich etabliert: die «tiefe Geothermie»,
hierzulande seit langem als «Deep Heat Mining» propagiert. Einer der
energiepolitischen Vorstösse, welche die freisinnige Fraktion des
eidgenössischen Parlaments am Dienstag einreichen will, fordert genau
für diese Form von Wärme- und Stromproduktion eine besondere Förderung
durch den Bund, vor allem im Forschungsbereich. Aber auch
Energieminister Leuenberger hat die künftigen Möglichkeiten der
Geothermie mehrfach gelobt. Politisch wunderbar wäre es halt, wenn vor
allem die Fronten im Atomstreit sich – kraft eines Besseren – einfach
im Nichts auflösen würden. Aber so weit kommt es vorläufig kaum, denn
das selbst verursachte Erdbeben von Basel hat dem Projekt des Deep Heat
Mining einen bösen Rückschlag versetzt. Vorerst haben nun die
Staatsanwaltschaft, die geologischen Fachleute und die Techniker den
Vortritt. Vorsicht auf jeder Ebene ist angebracht, rasche Urteile sind
zu meiden. Aber auch unrealistische Zukunftshoffnungen sind nicht am
Platz; das Geothermie-Projekt wird nun schon seit über 15 Jahren als
«Knüller» verkauft; es hat indessen die Hoffnungen so wenig erfüllt wie
die ebenso lange erwarteten gasbetriebenen Brennstoffzellen. So ist es
wenig sinnvoll, in energiepolitischen Perspektiven auf technische
Zukunftshoffnungen zu bauen.

Zu Vorsicht und Realismus gehört, auf jene Formen der
Stromerzeugung zu setzen, die heute bereits verfügbar sind. Dazu zählen
neben den Trägern des heutigen Strommix und fossilen Energieträgern
auch die verschiedenen Formen der Biomasse, die Windkraft und die
Sonnenenergie. Aus dieser Sicht ist etwa die erkennbare politische
Tendenz falsch, die Photovoltaik als hoffnungslos unwirtschaftlich aus
der Diskussion zu nehmen. Artikel aus der NZZ

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