Nach dem Erdbeben ist vor dem Erdbeben

Untenstehender Artikel wurde heute in der Basler Zeitung veröffentlicht. Von Medienarbeit verstehen die Geothermiker nicht viel. Aber sie lernen dazu. Von Medienarbeit sollte unsere Regierung mehr verstehen. Doch sie lernen nichts dazu. Schade eigentlich. Meine Kommentare unten in rot.

Nach Beben: Zukunft des Basler Geothermie-Projekts offen

Basel. los/baz. In zwei Wochen soll ein Bericht Klarheit über die Ursachen des unerwartet starken Bebens in Basel schaffen. Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt: Bis Sonntag sind zehn Anzeigen eingegangen. Nach dem vom Geothermie-Projekt «Deep Heat Mining» ausgelösten Erdbeben vom Freitagabend wird heftige Kritik an der Informationspolitik der Geopower AG und den Basler Behörden geübt. Anwohner und Politiker können nicht verstehen, warum die Bevölkerung vor den Testbohrungen nicht über mögliche Erschütterungen informiert wurde. Rhetorisch geschickt wird von nur einem Erdbeben geredet. Es waren aber insgesamt über 100 Beben, einige davon gut und unangenehm für alle spürbar. Erschütterungen sind etwas anderes, etwas vergleichsweise harmloses, etwas das lediglich an der Erdoberfläche stattfindet. Was hier aber mit den Bohrungen und dem Wassereinpressen ausgelöst wurde, waren Erdbeben in 5km Tiefe. Es wurden von den Wissenschaftlern nur Mikrobeben erwartet, welche an der Oberfläche normalerweise nicht spürbar sind. Was wir alle hier seit dem 2.12. erleben mussten hat in der Intensität auch die Geologen und Seismologen überrascht. Also lieber PR-Spezialisten: Bleibt bei den Tatsachen: Es waren Erdbeben und nicht Erschütterungen.

Am Samstag entschuldigten sich die Verantwortlichen für das Erdbeben der Stärke 3,4 und übten Selbstkritik. Man hätte deutlicher über die Risiken informieren sollen, gab Nicolas Deichmann vom Schweizerischen Erdbebendienst zu. Heinrich Schwendener, Präsident der Geopower AG, verwies hingegen auf die zahlreichen Medienmitteilungen: «Es ist eine schwierige Aufgabe, eine Information unter die Bevölkerung zu bringen, die unter Umständen Ängste auslösen kann.» Das ist richtig Herr Schwendener. Nur die Situation jetzt ist für Sie noch viel unangenehmer. Ihr Projekt ist so gut wie am Ende, nicht zuletzt weil Sie und die Geopower AG unglaubwürdig geworden sind.

Tatsächlich haben die Verantwortlichen mögliche Erschütterungen (nochmals: bitte redet von Erdbeben oder Mikroerdbeben, aber nicht von Erschütterungen) an der Oberfläche nicht unterschlagen – aber dezent in einer Medienmitteilung vom 28. November untergebracht. «Die Informationen sind nicht angekommen», räumt Regierungspräsidentin Barbara Schneider (SP) ein. Es habe sich im Vorfeld die Frage gestellt, ob man nicht Ängste schüre, wenn man zu offensiv informiere: «Die Leute waren nicht vorbereitet. Das war ein Fehler.» Schneider will nach der Aufarbeitung prüfen, ob sich der Kanton stärker in der Kommunikationsarbeit engagieren will.
Danke Frau Regierungsrätin, dass Sie den Fehler so offen zugeben. Es wurde also im Vorfeld überlegt wieviel man informieren will und man hat dann bewusst und absichtlich darauf verzichtet. Gut nach Ihrer Info Kampagne im Zusammenhang mit der Nordtangente hätte ich Ihnen auch keine Sekunde geglaubt, das ganze sei ein Versehen gewesen. Sie sind ein Kommunikationsprofi, sonst hätten Sie es ja auch nicht bis in die Regierung geschafft. Da Sie von den Gefahren und den unterschlagenen Informationen gewusst haben, haben Sie sich in der Nähe des Deep Heat Mining Projekts immer nur mit Sonnenbrille fotografieren lassen :-). Aber ich habe Sie trotzdem erkannt. Tolles Foto übrigens.

Nach dem Beben wurden die Arbeiten in Kleinhüningen gestoppt und der Wasserdruck im Bohrloch abgelassen. Das natürliche Niveau erreichte der Druck erst gestern Sonntag. Das ist interessant und ich werde sicher in einem anderen Beitrag nochmals darauf eingehen müssen. Interessant warum mögen sie fragen. Es hat mehrere interessante Aspekte. Es wird wieder nur von einem Beben geredet, dabei hat die Erde hier in Basel seit dem 2.12. fast unaufhörlich gebebt. Früher wurde kommuniziert, die Wassereinpressung wäre schon am 8.12. gestoppt worden, nachdem in der Nacht zwei Erdstösse mit Magnituden 2,7 und 2,3 aufgetreten waren. Auch am 8.12.06 wurde vom IWB kommuniziert das Projekt verlaufe normal, alles sei im grünen Bereich. Es wurde dann nach dem ‚überraschenden‘ 3,4 Erdbeben am Abend des 8.12. der Druck reduziert, und gleichzeitig wurde verbreitet man könne schnell reagieren. Schnell Reagieren! Dass ich nicht lache. Es hat die Nacht von Freitag auf Samstag, den ganzen Samstag und den ganzen Sonntag gebraucht, um den Druck wieder runter zu fahren. Kommuniziert wurde immer, es seien keine Beben mehr zu erwarten. Es hat aber bis Sonntag abend noch gebebt, z.T. noch gut spürbar. Ich bin auf den Bericht gespannt, der in 2 Wochen der Regierung vorliegt. Mich würde interessieren, wann welcher Druck im Bohrloch erzeugt wurde, und warum nicht schon früher mit der Wassereinpressung und der Druck Reduktion begonnen wurde. Probleme haben sich seit dem 6.12. abgezeichnet. Mit dem Wissen, dass die Druck Reduktion mehr als 2 Tage in Anspruch nimmt, war das Verhalten der Verantwortlichen der Geothermal Explorers grob fahrlässig.

Und seit dem der Druck nun wieder auf dem Normalniveau ist, haben wir bisher auch keine Beben mehr.
Keine.
0.
Nicht mal ein klitzekleines Mikrobeben.
Und hoffentlich bleibt das auch so.

Und übrigens: Ich weiss wie wir Steuerzahler 25Mio CHF sparen können. Ganz einfach: Stoppt das Geothermie Projekt. Von projektierten 81Mio sind bereits 56 Mio Franken ausgegeben, lasst uns die restlichen 25Mio Franken nicht auch noch verlochen. Oder würden Sie ihr Geld nun in dieses Projekt investieren. Ich jedenfalls nicht.

Wir sind nicht nur erschüttert, wir beben vor Wut!

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2 Antworten zu “Nach dem Erdbeben ist vor dem Erdbeben

  1. 81 Mio – 56 Mio = 25 Mio …. überhaupt zahlen oder gar nichts zahlen… das ist hier die Frage? Denn Schlampereien müssen per CH-Obligationenrecht nicht in jedem Fall bezahlt werden ! Richtig?

  2. Pingback: Geothermieprojekt Basel wird definitiv abgebrochen « Radio B: Die Stimme der Vernunft

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