Geothermie Projekt Basel sistiert

Die Betreiber der Geothermie Bohrungen, deren Wassereinpressungen die Erdbebenserie der letzten Tage verursacht hat, haben sich entschuldigt. Sie haben mit Erdbeben gerechnet, aber nicht in dieser Stärke. Die Bohrungen und das Wassereinpressen wurden gestern als Sofortmassnahme beendet, doch der Druck im Gestein habe sich langsamer als erwartet abgebaut, sei jetzt aber abgeschlossen. Jetzt erwarten die Spezialisten keine starken Erdbeben mehr, wurde kommuniziert.

Als ob man dies so einfach sagen könnte. Heute nachmittag war es jedenfalls noch nicht wirklich ruhig gemäss den Messungen des Schweizerischen Erdbebendiensts.

Aufgrund des Bebens gestern mit Stärke 3.4 wurden rund 100 kleinere Gebäudenschäden gemeldet. Das Geothermie Projekt wird momentan nicht weitergeführt. Ob das Projekt zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen werden wird, ist momentan noch offen. Die Betreiber werden jedenfalls einen schweren Stand haben. Das Projekt ist de facto gestorben. Die Verärgerung in Basel ist immens.Gestern mittag hatte die IWB noch gemeldet, alles verliefe nach Plan, was zu dem Zeitpunkt als Lüge starke Dehnung der Wahrheit bezeichnet werden muss. Heute ist das Projekt politisch so gut wie am Ende.

Die Basler Zeitung schreibt (meine Kommentare in rot):

Geopower entschuldigt sich für Erdbeben – Strafverfahren

Basel/Zürich.
SDA/baz. Nach dem unerwartet heftigen Erdstoss, der am frühen Freitagabend den Raum Basel erschüttert hatte, bleiben die Arbeiten am Geothermieprojekt «Deep Heat Mining» vorläufig eingestellt. Das Erdbeben der Stärke 3,4 hatte zahlreiche Leute aufgeschreckt. Nicht nur dieses Erdbeben, schon die Beben vorher wurden wahrgenommen und waren unangenehm. Oder werden Sie gerne zweimal pro Nacht geweckt durch einen Knall und Vibrationen. Seit dem 6.12. waren die Beben mehrmals täglich spürbar mit einer gesteigerten Intensität.

Ausgelöst wurde das Erdbeben beim Einpressen von Wasser in eine Tiefe von fünf Kilometern. Die Verantwortlichen der für das Projekt zuständigen Geopower Basel AG entschuldigten sich am Samstag vor den Medien dafür, die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt zu haben. Eine Gefährdung habe jedoch nicht bestanden. Eine Gefährdung habe nicht bestanden: Woher will das die Firma Geopower wissen? Weil die Beben stärker als erwartet waren, hätte man vielmehr annehmen müssen, dass eine weitere Steigerung durchaus drin liegt. Korrekt ist, dass niemand weiss wie sich die Situation weiter entwickelt hätte, deshalb wurde das Experiment dann ja auch abgebrochen. Und nicht weil keine Gefahr bestand, ganz im Gegenteil. Auch heute wissen wir nicht sicher, ob die seit den Wassereinpressungen vermehrt auftretenden Erschütterungen tatsächlich wieder auf den Grundlevel der Seismizität zurückgehen werden. Die Experten der Geopower nehmen dies an, aber wissen können Sie es nicht. Es besteht keine Erfahrung auf diesem Gebiet.

Strafverfahren eingeleitet
Die Basler Staatsanwaltschaft eröffnete noch am Freitagabend ein Strafverfahren gegen die Projektverantwortlichen und stellte Daten sicher. Als Straftatbestände in Frage kommen Sachbeschädigung und Schreckung der Bevölkerung.

Nach dem von einem lauten Knall begleiteten Erdstoss gingen bei den Rettungsdiensten rund 1000 Anrufe ein, wie Einsatzleiter Rolf Meyer von der Krisenorganisation Basel-Stadt sagte. Rund zehn Meldungen betrafen Sachbeschädigungen wie Risse in der Fassade oder herunter gefallene Gegenstände. Die Bevölkerung wurde via Radio über das Erdbeben informiert. Verletzt wurde niemand.

Als das Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala um 17.48 Uhr den Raum Basel erschütterte, hatte die Geopower die auslösenden Einpressversuche mit Wasser bereits gestoppt. Denn schon am frühen Freitagmorgen um 4.06 Uhr hatte ein Erdstoss der Stärke 2,7 viele Menschen aufgeschreckt. Nun lässt die Geopower den Druck auf das natürliche Niveau absinken. Obwohl die Geopower am frühen Freitagmorgen (8.12.06) schon gewusst hat, dass etwas nicht stimmt, hat die Geopower gegen aussen weiterhin kommuniziert, es sei alles in Ordnung (Medienmitteilung vom 8.12.06). Die eingeleiteten Massnahmen d.h. der Stopp der Wassereinleitung am Freitag morgen wurden zu dem Zeitpunkt verheimlicht. Ein massiver PR-Fehler, der sicher in Zukunft nicht gerade Vertrauen in die Geopower erzeugt.

Die für das Geothermieprojekt «Deep Heat Mining» nötigen Einpressversuche wurden Anfang Dezember in Kleinhüningen gestartet. Unter hohem Druck wurde Wasser durch eine 5009 Meter tiefe Bohrung ins Gestein gepresst, um dessen Durchlässigkeit zu erhöhen. Aus der Tiefe soll dereinst Wärme für ein Pilot-Kraftwerk gewonnen werden. Der Druck betrug zur Zeit des 3.4 Erdbebens am Freitag abend 190bar, und wurde unmittelbar nach dem Beben schrittweise auf 98bar reduziert. Ob dieser Druck dem normalen Prozessablauf entspricht, oder ob wegen zu geringer Zerklüftung zu forciert vorgegangen wurde, wird hoffentlich die angekündigte Untersuchung an den Tag bringen.

Erdbeben erwartet
Dass es bei den Einpressversuchen zu Erdbeben kommen kann, hatten die Projektverantwortlichen erwartet. Entsprechende Ereignis- und Massnahmenpläne waren denn auch Bestandteil der Baubewilligung, wie es an der Medienkonferenz hiess. Hingegen waren auch Fachleute von der Intensität des Erdstosses vom Freitagabend überrascht worden.

Der Schweizerische Erdbebendienst (SED) hat seit Dienstagabend rund um das Bohrloch Kleinhüningen rund 100 Erdbeben registiert. Von diesen erreichten vereinzelte wie erwartet eine Magnitude zwischen 2 und 3. Bei den übrigen Erdstössen waren die Werte tiefer. Es ist nicht wahr, dass Stösse mit einer Magnitude zwischen 2 und 3 erwartet wurden. In den Projektunterlagen, die der Oeffentlichkeit zur Verfügung standen, war immer nur von Mikrobeben die Rede, deren Lokalisierung benutzt wird, um die ‚Richtung und Ausdehnung des Kluftsystems zu orten‘ und die Beben seien an der Oberfläche ‚weder fühl- noch messbar‘. Weiter hiess es in den Unterlagen der Geopower: ‚Die Aktivitäten der Geopower Basel AG können Erschütterungen auslösen, die angesichts der Schwäche der Erschütterungen in der Regel nicht wahrnehmbar sind.‘ Das sind Beschreibungen von Erdbeben mit Magnituden von 2 und kleiner.
Eine Erdbeben der Stärke 3,4 sei nicht zu erwarten, aber auch nicht auszuschliessen gewesen, sagte Nicolas Deichmann vom SED. Beben dieser Stärke gebe es in der Schweiz pro Jahr drei bis vier, Schäden gebe es dabei jeweils keine. Gemäss Radio Basilisk gab es 100 Schadensmeldungen mit kleineren Gebäudeschäden (Risse, herunterfallende Ziegel, unterbrochene Stromversorgung).

Dass der Erdstoss in Basel so gut zu spüren war, führt Deichmann auf die geringe Kerntiefe von fünf Kilometern zurück. Auch am Samstag wurden noch Erdstösse registriert. Das war doch zu erwarten. Wasser wird in 5km Tiefe mit hohem Druck (190bar) eingeleitet, dann gibt es logischerweise in 5km Tiefe die Epizentren. Wo denn sonst? Das einzige was überraschend war ist die Stärke der Beben. Wäre es schwächer gewesen, hätte man nichts gespürt.

Projekt sistiert
Die Verantwortlichen der Geopower sistierten das Projekt am Freitagabend, noch bevor die kantonale Krisenorganisation dies verlangen konnte. Die Ereignisse und Messresultate werden nun wissenschaftlich untersucht. Bereits in zwei Wochen soll ein Expertentreffen stattfinden.

Für die Basler Regierung und die Behörden soll ein Bericht ausgearbeitet werden. Für die Bevölkerung wurde zudem ein Call Center eingerichtet, das ab Sonntag unter der Nummer 061 275 97 50 erreichbar ist.

Die Weiterführung des Projekt und damit auch die zweite geplante Bohrung hängt laut der Geopower vom Ergebnis der Abklärungen ab. Bisher wurden in das Projekt mit Gesamtkosten von 80 Mio. Franken rund 56 Mio. Franken investiert.

Ein Abbruch wäre weltweit ein negatives Signal, hiess es. Das Basler Projekt will den Nachweis erbringen, dass sich mit Tiefengeothermie nachhaltig Wärme und Strom gewinnen lassen. Nun kann das Projekt halt den Nachweis erbringen, dass die Tiefengeothermie auch grosse Nachteile und Risiken birgt. Erdbeben können heute nicht vorausgesagt werden, weder deren Stärke, noch deren Epizentren. Tiefengeothermie kann scheinbar spürbare Erdbeben (Magnitude >2) auslösen, also kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass des Verfahren grosse Erdbeben (Magnitude >4) auslösen kann. Ist der mögliche finanzielle Gewinn das Risiko wert?

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