Börsenrevolution

Heute veröffentlichten die Deutsche Börse und die Schweizer Börse SWX ein Pressecommuniqué, welches die gemeinsame Gründung einer europäischen Börse für strukturierte Produkte ankündigt. Technische Aenderungen für die Mitglieder der SWX ergeben sich keine: Das mit dem SWX Release EM64 eingeführte Quotematch System wird von der neuen Gesellschaft verwendet. Es fallen auch keine zusätzlichen Teilnehmergebühren an: Mitglieder der SWX werden automatisch auch ALEX Mitglieder ohne Zusatzkosten. Die Handelsteilnehmer der deutschen Börse müssen noch bis 2008 warten, um wirklich mitmachen zukönnen, da erst im 2007 noch technische Aenderungen implementiert werden müssen. Insgesamt ist es sicher eine Schwachstelle von ALEX, das unterschiedliche Handelssysteme verwendet werden. Hier rechne ich irgendwann mit einer Konsolidierung. Die Zusammenarbeit ist ein weiterer Versuch sowohl der Deutschen Börse wie auch der SWX Group im internationalen Konkurrenzkampf mit Hilfe von Allianzen zu überleben. Interessant an der heute veröffentlichten Unternehmensstruktur ist die Tatsache, dass die deutsche Börse 50%+1 Aktie an ALEX hält; eine finanziell gleichberechtigte Partnerschaft, doch wenn es hart auf hart geht, wird die deutsche Börse bestimmen wo’s lang geht. Eine interessante Konstellation jedenfalls.

Die Uebernahme oder -je nach Lesart- die Fusion der SWX und der Deutschen Börse war im 2005/2006 gescheitert. Der Verwaltungsrat hatte damals beschlossen, die SWX solle eine Schweizer Börse bleiben. Reto Francioni war damals noch Vorsitzender des Verwaltungsrats der SWX und erlitt als Hauptbefürworter der Fusion eine herbe Niederlage, die dann wohl auch seinen Wechsel zur Deutschen Börse katalysiert hat.

Die SWX als ‚die Schweizer Börse‘ kämpft in den letzten Jahren um Marktanteile, gerade auch im Derivatsektor. Grosser Konkurrent ist die Deutsche Börse. Das SWX Tradingsystem, eine Eigenentwicklung der SWX, war für Marketmaking Aufgaben schlicht ungeeignet, Performancebeschränkungen verärgerten alle Marktteilnehmer, Kunden wichen auf andere Börsenplätze aus. Die SWX hat schnell reagiert und die Quotematch Plattform von einem externen Hersteller eingekauft und in Rekordtempo mit dem bestehenden Tradingsystem verknüpft (Quotematch war Bestandteil des SWX EM64 Releases). Viele Kompromisse mussten von den Händlern akzeptiert werden, gewohnte Funktionalitäten für die Quote-Driven Instruments fehlten, doch die Performance Probleme aufgrund der Marketmaking Aktivitäten waren mal vom Tisch. Der Release EM82, der im 2. Quartal 07 produktiv geht, wird einige der Funktionalitäten mit Verspätung wieder im Quotematch integrieren. Der Abgang der Kunden, v.a. von institutionellen Kunden, die auch als Marketmaker auftreten, war erst mal vom Tisch.

Der Druck sich mit Allianzen oder Fusionen am Leben zu erhalten ist für die SWX immer noch da. Nur fraglich, ob die Deutsche Börse der richtige Partner ist. Die Deutsche Börse steht nach dem Scheitern der Euronext Uebernahme eher schlecht da. Die heutige Ankündigung von 7 grossen Instituten (u.a. der CS, UBS, und der Deutschen Bank) eine eigene europäische Börse als kostengünstige Konkurrenzbörse im 2007 aufzubauen lässt wohl nun alle aufhorchen.

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:: Alex – die europäische Börse für strukturierte Produkte



Die SWX Group und die Deutsche Börse AG haben den Vertrag zur Gründung von Alex am 23.10.2006
unterzeichnet. Die gemeinsame Börse mit den Handelsplätzen Frankfurt für Deutschland und dieEU-Länder sowie Zürich für die Schweiz wird am 1. Januar 2007 ihren Betrieb aufnehmen.

Alex vereint den größten mit dem ältesten Markt für strukturierte Produkte in Europa. Durch diesen
Zusammenschluss entsteht die größte und auch die erfahrenste Börse für strukturierte Produkte in
Europa. Die Muttergesellschaften SWX Group und Deutsche Börse AG haben in der Vergangenheit
bereits bewiesen, dass sie gemeinsam Erfolgsgeschichte schreiben können (weltgrößte Terminbörse
Eurex, europäische Indexbenchmark STOXX). Sie stehen für technologische, funktionale und regulato-

rische Kompetenz, für Innovationsfähigkeit, für Flexibilität sowie für hohe Qualität und Solidität.

Alex wird Investoren in ganz Europa den Zugang zu strukturierten Produkten ermöglichen, und dies zu

fairen Kosten, auch über nationale Grenzen hinweg.

Alex wird sich als neutraler Marktorganisator konsequent an den Bedürfnissen der Investoren orientie-
ren. Wir unterstehen der ständigen Überwachung durch öffentlich-rechtliche Institutionen. Dies garan-

tiert einen fairen Ablauf des Handels.

Hohe Ausführungsgeschwindigkeit, Fairness, Transparenz und Sicherheit sind die Kriterien, an denen
wir unseren Erfolg messen.

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:: Marktplätze



Alex vereinigt den schweizerischen und den deutschen Markt für strukturierte Produkte unter einemDach. Beide Joint-Venture-Partner bringen ihr bestehendes Geschäft mit strukturierten Produkten in die neue Gesellschaft ein. Seitens der Schweiz ist dies das Marktsegment „Verbriefte Derivate“ der SWX Swiss Exchange. In Deutschland ist dies das Segment „Smart Trading“ der Deutsche Börse AG für Anlage- und Hebelprodukte.

Die beiden Marktplätze bieten unterschiedliche Marktmodelle an.

Alex in der Schweiz

Betreiber des Marktplatzes Schweiz ist die Alex Exchange Schweiz AG mit einem vollelektronischen

Marktmodell (Quotematch) mit Continuous Trading.

Die Plattform „Quotematch“ besitzt schnelle, skalierbare und zuverlässige Handels- und Matching-Funk-

tionen und erfüllt damit die Leistungsanforderungen eines quote-gesteuerten Marktes mit hohem Transaktionsvolumen.

Alex in Deutschland und den EU-Ländern

Betreiber des Marktplatzes Deutschland und der EU-Länder ist die Alex Exchange Deutschland AG mit
zwei Marktmodellen:

Intermediärbasierter Handel mit automatischer Kursfeststellung

Vollelektronischer Handel (ab Anfang 2008)

Noch in diesem Jahr führt die Deutsche Börse die Möglichkeit der Nutzung der automatischen Kursfest-
stellung in strukturierten Produkten an der Börse Frankfurt ein. Durch den Einsatz modernster Handels-

technologie wird die heute schon schnellste Ausführungsgeschwindigkeit im börslichen Handel noch einmal gesteigert. Derzeit werden 75 Prozent aller Orders in weniger als 10 Sekunden ausgeführt.

Der Handel in Deutschland wird ab dem Anfang 2008 unter deutscher Aufsicht mit zwei Markt-
modellen betrieben. Emittenten von strukturierten Produkten haben die Wahl, ob sie selbst die Market-
Maker-Funktion im Handel übernehmen möchten oder diese Aufgabe einem Intermediär übertragen.

clipped from: www.alexchange.com

 

 

:: Unternehmensstruktur



Die beiden Partner SWX Group und Deutsche Börse AG bringen ihr bestehendes Geschäft mit struktu-
rierten Produkten in die neuen Alex-Gesellschaften ein. Der Sitz der gemeinsamen Holdinggesellschaftbefindet sich in Luxemburg.

Die Tochtergesellschaften Alex Exchange Schweiz AG (Zürich) und Alex Exchange Deutschland AG
(Frankfurt am Main) unterstehen den jeweiligen nationalen Börsenaufsichten:

für den Schweizer Markt ist dies die Eidgenössische Bankenkommission (EBK),

für den deutschen Markt das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung

Unternehmensstruktur

15. November 2006, 13:12, NZZ Online


 

Grossbanken greifen Börsenplätze an

Preise im Aktienhandel sollen sinken

Die traditionellen Börsen bekommen Konkurrenz. Sieben Grossbanken wollen gemeinsam eine eigene Börse für den Aktienhandel gründen. Die neue Gemeinschaftsplattform soll möglichst viel Handelsvolumen anziehen und die Preise im Aktienhandel senken. Beteiligt sind auch UBS und Credit Suisse.


 
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chs. Sieben führende Investmentbanken wollen durch Konkurrenz für die traditionellen europäischen Börsenplätze die Preise im Aktienhandel senken. Die Grossbanken kündigen für nächstes Jahr eine neue Handelsplattform an. Daran beteiligt sind Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, Goldman Sachs , Merrill Lynch, Morgan Stanley und UBS.

Aktien billiger handeln können

Sie gründen zusammen ein Unternehmen mit einem unabhängigen Managerteam, das die Plattform entwickeln wird. Wie hoch der Anteil der einzelnen Institute ist, wollten die Banken nicht bekannt geben. Sie finanzieren laut Mitteilung die neue Börse und werden Personal dafür freistellen. Ziel sei es, die beim Kauf und Verkauf von Aktien anfallenden Kosten zu senken und die Preise und Handelsvolumina transparenter zu machen.

Die Konkurrenz für die Börsen macht eine EU-Finanzrichtlinie möglich. Damit wird der Börsenzwang, wie er beispielsweise noch in Grossbritannien existiert, aufgehoben.

Druck auf Börsen steigt

Die Banken bringen ihr Aktienvolumen in die neue Börse ein, was die traditionellen Börsenplätze wie die Schweizer SWX, die Deutsche Börse, Euronext oder die London Stock Exchange noch mehr in Bedrängnis bringen wird. Sie befinden sich ohnehin in einem Konsolidierungsprozess und suchen ihr Heil in Zusammenschlüssen.

Allein die sieben Grossbanken sind für rund die Hälfte des europäischen Aktiengeschäfts an den Börsen verantwortlich. Die neue Handelsplattform soll zudem allen offen stehen, die darüber handeln möchten. Offen ist dabei, ob es regionale Beschränkungen des Handels geben soll oder ob der Handel auf bestimmte Aktien beschränkt ist.

15. November 2006

 

Börsen-Revolution bedroht Finanzplatz Frankfurt


 

Von Tim Höfinghoff / www.spiegel.de


 

Zwei Nachrichten wühlen die Finanzwelt auf: Die Deutsche Börse ist an der Fusion mit Euronext gescheitert – der Traum einer Europa-Börse geplatzt. Zugleich kündigen sieben Investmentbanken eine eigene Börse an. Ein Coup, der die etablierten Handelsplätze bedroht.


 

Hamburg – Monatelang hatten es die Frankfurter versucht. Sie warben bei den Franzosen, lockten mit Zugeständnissen und machten Politikern Druck. Das Ziel von Deutsche-Börse Chart%20zeigen-Chef Reto Francioni: unbedingt einen Deal mit der Mehrländerbörse Euronext Chart%20zeigen einfädeln. Schließlich sollte es der New York Stock Exchange Chart%20zeigen (NYSE) nicht gelingen, mit ihrer Zehn-Milliarden-Dollar-Offerte bei der aus Paris geführten Euronext zum Zuge zu kommen.

Francioni: „Der Vorstand hat die Reißleine gezogen.“ Die Mühe war umsonst. Heute musste Francioni verkünden: „Es hat keinen Sinn mehr, in Richtung Euronext zu arbeiten.“ Alle Versuche seien abgelehnt worden. „Der Vorstand hat die Reißleine gezogen.“ Die Aktie der Deutschen Börse ging in den Tiefflug und verlor mehr als sieben Prozent.

Im globalen Börsenpoker steht Francioni nun als Verlierer da. „Die Deutsche Börse ist weitgehend isoliert“, sagt Analyst Konrad Becker vom Bankhaus Merck Finck. Die Euronext, die Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel, Lissabon und London betreibt, wird mit der NYSE eine Megabörse formen. Im Dezember sollen Euronext-Aktionäre darüber abstimmen.

Endgültig gescheitert ist damit die Idee einer mächtigen Börse in Europa, die mit der Wall Street mithalten kann. Auch die Bundesregierung hatte stets für eine europäische Gemeinschaftsbörse geworben. Heute beklagte das Bundesfinanzministerium die „verpasste Chance“.

Die Branche ist mächtig unter Druck geraten, seit die Handelsplätze selbst an die Börse streben und sich zusammenschließen. Institutionelle Anleger dringen darauf, den Handel günstiger, schneller und effizienter zu machen. Wer in Zeiten der Konsolidierung keinen mächtigen Partner zur Seite hat, bekommt Probleme. Kein Wunder, dass sich die NYSE als Leitbörse aus New York mit der Euronext in Europa zusammenschließen will – der Wettbewerb wird immer härter. Auch die US-Technologiebörse Nasdaq hat sich schon einen 25-Prozent-Anteil an der London Stock Exchange Chart%20zeigen(LSE) gesichert. Und im Oktober kündigten die US-Warenterminbörsen CME und CBOT eine Fusion an.

Deutsche Börse auf Partnersuche

Auch die Deutschen wissen schon lange, dass sie handeln müssen: Francioni-Vorgänger Werner Seifert versuchte, mit den Franzosen ins Geschäft zu kommen. Er klopfte auch bei der LSE an. Doch die Deals kamen nie zustande. Seifert musste gehen. Auch mit kleineren Konkurrenten wie den Börsen in Zürich und Mailand klappte es nicht. Nun muss sich Francioni nach Kaufzielen in Osteuropa umsehen.

Noch im Mai hatte sich Francioni mit Euronext-Chef Jean-Francois Théodore in Paris getroffen. Die Deutsche Börse wollte sogar ihr Handelsystem Xetra aufgeben. Doch „Euronext hat sich gesträubt“, sagt Andreas Pläsier, Analyst bei der MM Warbung Bank. Die Franzosen bevorzugten das Angebot von NYSE-Chef John Thain.

Francioni sagte heute, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt die Deutsche Börse nicht mit einer NYSE-Euronext-Gesellschaft zusammenarbeiten will. In Richtung Euronext fügte er zwar hinzu, dass „die Tür nicht geschlossen ist“. Zu einer Übereinkunft mit den Franzosen dürfte es aber kaum noch kommen.

Pläne für Sieben-Banken-Börse bewegen Finanzwelt

Ohnehin ist Francionis Entscheidung auch im Lichte einer ganz anderen Nachricht zu sehen, die heute die Finanzwelt bewegte – und die Deutsche Börse nicht minder betrifft. Sieben Investmentbanken haben heute vor Francionis Mitteilung angekündigt, eine eigene Handelsplattform zu gründen. Citigroup Chart%20zeigen, Credit Suisse Chart%20zeigen, Deutsche Bank Chart%20zeigen, Goldman Sachs Chart%20zeigen, Merrill Lynch Chart%20zeigen, Morgan Stanley Chart%20zeigenund UBS Chart%20zeigen streben die Gründung eines neuen Unternehmens an. Dort soll ein unabhängiges Managerteam eine eigene Aktienbörse entwickeln – eine Banken-Börse sozusagen.

Die Banken wollen Anteilseigner der neuen Börse werden und haben sich zur Finanzierung verpflichtet. Das Ziel der überraschenden Aktion: jene Kosten senken, die beim Kauf und Verkauf von Aktien anfallen. Jeder, der über die neue Plattform handeln möchte, solle das können, das ist die Devise.

Die Banken profitieren von einer EU-Entscheidung, die mehr Wettbewerb am Markt für Dienstleistungen von Wertpapierunternehmen zulässt. Im November 2007 soll die Richtlinie umgesetzt werden.

„Das ist eine Bedrohung“

Ist es nur Zufall, dass die beiden Börsen-Nachrichten so kurz hintereinander offiziell wurden? Erst die Ankündigung der Banken-Börse, dann die Absage aus Frankfurt – womöglich wollte Francioni angesichts des Plans der sieben Investmentbanken kein hohes Gebot mehr für den Rivalen Euronext abgeben.

Klar ist: Die geplante Banken-Börse ist eine Bedrohung für die etablierten Anbieter wie die Deutsche Börse und die Euronext, sagt Pläsier. Der Grund: Die Investmentbanken vereinen derzeit etwa 50 Prozent des europäischen Aktienhandels auf sich. Wenn sie nun nicht mehr herkömmliche Börsen dafür benutzen, sondern dieses Geschäft selbst erledigen, „tut das entsprechend weh“. Analyst Konrad Becker von Merck Finck sagte zu manager-magazin.de: „Wenn dies keine reine Drohgebärde ist, dann wird eine der beiden Börsen, also Euronext oder die Deutsche Börse, mit Blick auf die Handelsvolumina im Grunde überflüssig.“

Mancher Kritiker sieht die Deutsche Börse schon zur Regionalbörse verkommen. Dabei ist die Deutsche Börse hoch profitabel. „Sie ist immer noch die führende Terminbörse weltweit“, sagt Analyst Pläsier. Aber der Trend ist klar: „Die Handelsgebühren sind rückläufig, und das drückt auf die Marge.“

Anleger könnten davon profitieren. Die Experten prophezeien, dass der Aktienhandel auch für Privatanleger bald günstiger wird.

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