Radio B: Die Stimme der Vernunft

Einträge werden als ‘IT’ kategorisiert

Suizidserie bei France Telecom

Dienstag, 29. September 2009 · Kommentar schreiben

Die Serie von Selbstmorden unter Mitarbeitern des französischen Telekommunikationskonzern France Telecom reißt nicht ab. Ein 51 Jahre alter Beschäftigter eines Callcenters stürzte sich am Montag bei Annecy von einer Brücke in den Tod. In einem Abschiedsbrief habe der Familienvater das Arbeitsklima in dem Konzern als Motiv für die Tat genannt, berichtete der französische Radiosender France Info. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen sich in den vergangenen eineinhalb Jahren 24 Beschäftigte des Konzerns das Leben.

Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren wurden 22.000 Stellen gestrichen und 7000 Mitarbeiter versetzt. Sogar die Regierung schaltete sich schon ein. Sie forderte die Unternehmensleitung zum Dialog mit den Mitarbeitern auf. Künftig sollen die Betriebsärzte – soweit es die Schweigepflicht erlaubt – psychisch labile Mitarbeiter melden. (dpa)

Kategorien: Arbeit · Armut · Coaching · IT · Krankheit · Organisationsberatung · Politik · Sinn · Soziologie · Suizid · Supervision

Tipps gegen Burnout in der IT

Freitag, 26. September 2008 · Kommentar schreiben

Tipps gegen das Burnout-Syndrom bei ITlern

Was mit vergleichsweise harmloser Gereiztheit und Schlafstörungen beginnt, endet oft mit Angstzuständen und Depressionen: Unter Erschöpfungssyndromen leiden auch viele Mitarbeiter in der IT. Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung (RISP) an der Uni Duisburg-Essen entwickelt in einem bis 2010 dauernden Projekt deshalb Strategien für einen präventiven Gesundheitsschutz in der IT-Branche. Das aktuelle Arbeitspapier „Burnout in der IT-Branche“ entstand in Kooperation mit sechs Unternehmen und richtet sich an Beschäftigte, Personalleiter und Firmenleitungen.

Das Papier beschreibt zunächst die Warnsignale von Burnout: Sie laufen in drei Dimensionen ab und äußern sich in Gefühlen, körperlichen Symptomen, dem Verhalten zur Arbeit und dem Umgang mit der Umwelt: Der emotionalen und physischen Erschöpfung folgen Zynismus, Demoralisierung und Entfremdung. Am Ende fehlt das Engagement für die Arbeit und Versagensängste machen sich breit.

Einer kritischen Würdigung unterzogen werden die immer zahlreicheren Selbst-Tests sowie die unterschiedlichen Erklärungsansätze, die entweder die wesentlichen Ursachen beim Individuum oder im betrieblichen Umfeld sehen. Vor allem aber gibt die Autorin, Ursula Kreft, Anregungen für betriebliche Maßnahmen und individuelle Verhaltensänderungen. Unternehmen sollten ein umfassendes Gesundheitsmanagement anstreben, mit verbindlichen Arbeitszeitregelungen und Pausenzeiten. Wichtig sei auch eine funktionierende innerbetriebliche Kommunikation, um belastende Faktoren im Arbeitsprozess zu identifizieren.

Zum persönlichen Selbsthilfeprogramm gehöre zum einen, für einen körperlichen und seelischen Ausgleich zu sorgen. Man sollte aber auch das eigene Arbeitsverhalten angehen: für Puffer im Terminkalender sorgen, regelmäßige, kurze Pausen einlegen. Allerdings, so betont die Autorin als Quintessenz des Arbeitspapiers, seien individuelle Bemühungen zum Misserfolg verdammt, wenn der Betrieb nicht mitzieht.

Kategorien: Arbeit · Basel · Forschung · IT · Krankheit · Medikament · Organisationsberatung · Politik · Psychopharmaka · Sinn · Soziologie · Struktur · Supervision · Systemtheorie · Therapie

ZKB und BCV brechen gemeinsames IT Projekt ab

Sonntag, 31. August 2008 · Kommentar schreiben

Das gemeinsame Projekt von BCV und ZKB für die Zusammenarbeit in den Bereichen Informatik und Backoffice wird beendet

Im April 2007 haben die Zürcher Kantonalbank (ZKB) und die Banque
Cantonale Vaudoise (BCV) bekannt gegeben, ihre Informatik- und Backoffice-Ressourcen zusammenzulegen und in ein neues Dienstleistungszentrum (DLZ) einzubringen, das auf der Informatik-Plattform der ZKB aufbauen sollte.

Wie sich nun in der Planungsphase gezeigt hat, wäre die ZKB-Plattform nicht bereit gewesen, um die IT der BCV termingerecht zu integrieren. Diese Verzögerung hätte einen erheblichen finanziellen Mehraufwand verursacht und wäre mit einiger Ungewissheit über den erfolgreichen Projektabschluss verbunden gewesen. Unter diesen Umständen wird die gemeinsame Arbeit der beiden Banken an diesem Projekt beendet.

Die ZKB wie die BCV sind von der strategischen Option eines gemeinsamen Dienstleistungszentrums nach wie vor überzeugt und bedauern, dass dieses Vorhaben unter den erwähnten Umständen nicht realisierbar ist. Die in verschiedensten Bankbereichen bestehende Zusammenarbeit zwischen der ZKB und der BCV ist vom Abbruch dieses Projektes nicht betroffen.

Kategorien: Arbeit · Bank · Basel · Börse · Coaching · Exchange · IT · Organisationsberatung · Politik · SWX · Struktur

IT Jobs machen psychisch krank

Donnerstag, 3. Juli 2008 · Kommentar schreiben

Achtung Gefahr: Programmieren macht krank!

Leiden Sie unter chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden? Haben Sie Mühe, einfach mal abzuschalten und sich zu erholen? Dann befinden Sie sich in guter Gesellschaft. Noch vor zehn Jahren galten IT-Arbeitsplätze als wenig monoton und psychisch kaum belastend. Das hat sich geändert.

Das Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung der Universität Duisburg hat im Rahmen seines Projektes ‘Präventiver Gesundheitsschutz in der IT-Branche’ ein Arbeitspapier veröffentlicht, in dem anhand von Befunden aus der aktuellen Literatur mögliche Gründe für die Zunahme gesundheitlicher Probleme in der IT-Branche zusammengestellt sind.

So scheint etwa das projektbezogene Arbeiten vieler IT-Leute gesundheitliche Gefahren zu bergen.
An der Schnittstelle zwischen Anbieter und Kunden können verschiedene widersprüchliche Situationen entstehen, welche sich psychisch belastend auf die Mitarbeitenden in der Entwicklung auswirken können. So müssen zum Beispiel im Verlauf eines Projekts häufig zusätzliche Kundenwünsche erfüllt werden, ohne dass Budget und Zeitplan angepasst würden. Oder Entwickler sollen massgeschneiderte Lösungen ins Blaue hinaus abliefern, ohne den Echtbetrieb beim Kunden zu kennen. Das alles mündet schliesslich in erhöhtem Zeitdruck, und nicht selten kollidieren Arbeits- und Lebenswelt. So entsteht Stress und aus anhaltendem Stress wird irgendwann ein ausgewachsenes Burnout.


Überforderung vorprogrammiert

Ein anderes Phänomen ist die „Taylorisierung der IT-Arbeit“, wie der Trend zur „Kleinteiligkeit“ im Bericht genannt wird. Weg vom Prozess, hin zum Modul: IT-Arbeitskräfte werden zur Fliessbandarbeit degradiert und verlieren den Bezug zum „Grossen Ganzen“.

Gleichzeitig haben sich seit den 90er Jahren neue Managementkonzepte durchgesetzt. Mitarbeitende sollen vereinbarte Ziele selbstverantwortlich erreichen. Sie erhalten mehr Selbstbestimmung und Freiheit, tragen allerdings auch mehr Verantwortung. Seit die rosige Blase geplatzt ist und sich die Wirtschaftslage für die „neuen“ Wirtschaftszweige normalisiert hat, hat sich diese Freiheit zur potenziellen Belastung gewandelt. „Die Ziele, die IT-Beschäftigte selbstverantwortlich erreichen sollen, werden immer schwieriger
zu bewältigen“, heisst es in einer der erwähnten Studien.

Veränderte Leistungsbeurteilung trägt das ihre zur Veränderung der Arbeitssituation bei. Leistung wird nicht mehr über Aufwand, sondern über Ergebnisse bewertet. Das führt dazu, dass man sich immer wieder
aufs Neue beweisen muss. Das führt zum permanenten Druck zur Weiterbildung, die oft auch mal in der Freizeit erfolgen soll.


„Klimawandel“ bedroht IT-Dinosaurier

Eine weitere Tendenz macht die Wissenschaft in der Veränderung des Betriebsklimas aus. Das traditionell hohe Arbeitsaufkommen sei früher durch eine „spezifische betriebliche Sozialordnung“ erträglich gewesen.
Diese gehe verloren. Sprich: die Vertrauenskultur, die flachen Hierarchien und die Identifikation der Mitarbeitenden mit Inhalten und Produkten ihrer Arbeit weicht dem Primat der Effizienz und der Kostenoptimierung.

Auch der gesellschaftliche Wandel nagt am Wohlbefinden in den Entwicklerbüros. Die früher als sicher geltenden IT-Jobs sind heute Personalabbauphasen und Auslagerungen ausgesetzt. Die Angst vor Arbeitslosigkeit belastet und setzt Beschäftigte unter Druck. Und: auch IT-Angestellte werden älter. Der demografische Wandel macht vor der Branche nicht halt. Eine der Studien kommt zum Schluss, mit 40 sei man als IT-Mensch schon „ein halber Methusalem“. Als solcher befindet man sich in einer Unternehmenskultur, die sich an Jugendlichkeit orientiert. Oft gelte man als leistungsschwacher Dinosaurier.

Programmierer nehmen häufiger Psychopharmaka
In der Folge haben die Forscher Bemerkenswertes herausgefunden. Eine der Studien weist für IT-Beschäftigte in den untersuchten Projekten viermal häufigeres Auftreten psychosomatischer
Beschwerden aus als in anderen Berufsgruppen. Eine andere Untersuchung zeigt, dass psychische Krankheiten in der Branche weit verbreitet sind. Der Gebrauch von Antidepressiva ist um 60 Prozent höher. Allgemein nehmen IT-Angestellte in Deutschland fast doppelt so häufig (um 91 Prozent höherer Gebrauch)
Psychopharmaka wie der Durchschnitt der Beschäftigten.

Als reichten all die Faktoren psychischer Belastung noch nicht: die verschärften Arbeitsbedingungen schädigen auch die menschliche Hardware! Dass Dauerstress, Überarbeitung und Frustration über nicht erreichbare Ziele dem Körper nicht gut tun, liegt auf der Hand. Hinzu kommen mangelnde
Bewegung (die sich meist auf den Gang in die Kantine beschränkt), verkrüppelte Haltungen vor dem Bildschirm und natürlich: unausgewogene Ernährung. Der Mythos vom Nächte durcharbeitenden Computerfreak, der sich von Limos und Junk-Food ernährt, entspricht wohl auch ein Stück weit der Realität.


Geben und nehmen

Soweit die Forschungsergebnisse aus Deutschland. Das düstere Bild, das sie von den Arbeitsbedingungen in den IT-Abteilungen und Entwicklungsfirmen zeichnen, lässt sich wohl auch auf die Schweiz übertragen.
„Unsere Branche ist sehr arbeitsintensiv“, bestätigt Gabriela Keller, die beim Schweizer Software-Hersteller Ergon für das Personal verantwortlich ist. Das Unternehmen hat verschiedene Massnahmen getroffen, um seine Mitarbeiter nicht zu „verheizen“. „Nur wer sich gut fühlt, schreibt auch gute Software“, sagt Keller. So werden beispielsweise Überstunden bei Ergon nicht ausbezahlt. Wer phasenweise
mehr arbeitet, muss dies mit mehr Freizeit kompensieren. Und die Gestaltung der Wochenarbeitszeit ist flexibel. Ob während fünf Tagen acht Stunden oder an vier Tagen zehn Stunden gearbeitet wird, bestimmt man selbst. Viele Mitarbeitende sind ohnehin zu 80 Prozent angestellt. Um sich weiterzubilden, hat jeder ein Budget und ein Zeitfenster innerhalb der Arbeitszeit, über das frei verfügt werden kann.

Keller schätzt auch die körperliche Fitness in ihrem Betrieb als gut ein. „Unsere Mitarbeiter sind im Schnitt sehr sportlich.“ Viele würden sich über Mittag zu Gruppen zusammenschliessen und joggen oder Fussball
spielen gehen- in der eigens angemieteten Halle, bezahlt vom Arbeitgeber. Wer auf inneres Gleichgewicht setzt, kann die Yogastunde im Dachgeschoss besuchen. Ergon, das IT-Arbeits-Paradies auf Erden? „Nein, ich glaube, dass viele Firmen in der Schweiz ähnlich funktionieren“, relativiert die Personalchefin.

Das hingegen bezweifelt Marc Werlen, der als Marketingleiter bei Netcetera zwar nicht selbst entwickelt, die Branche aber dennoch kennt. „Längst nicht alle Managements haben eingesehen, wie wichtig das
Wohlbefinden der Mitarbeitenden ist“, kritisiert er. Mit Features wie einem ausgeklügelten Beleuchtungssystem, ergonomischen Arbeitsplätzen und der Möglichkeit zum Hallensport über Mittag positioniert sich auch sein Unternehmen unter den fortschrittlichen Musterknaben. „Die Komplexität der Lösungen nimmt zu, Druck und Eigenverantwortung sind hoch“, bestätigt Werlen die
Studienresultate.

Doch das müsse nicht unbedingt negativ sein. Mehr Verantwortungsbewusstsein und mehr Effizienz seien Anzeichen eines stetig wachsenden Professionalisierungsgrades. Und schliesslich habe die IT-Branche
auch einzigartige Möglichkeiten eingeführt, wie das Arbeiten von zu Hause. Von einem allgemeinen Trend zur Optimierung der Arbeitsbedingungen und attraktiven Zusatzleistungen könne zwar noch nicht gesprochen werden. Wie die Ergon-Personalchefin ist auch der Marketingchef aber überzeugt: „Zufriedene
Mitarbeiter erbringen gute Leistungen. Und wo immer mehr geleistet werden muss, braucht es Gegenleistungen. (Amir Ali)

(Interessenbindung:
Ergon und Netcetera bauen und betreiben die Betriebsplattform von inside-it.ch
und sind wichtige Kunden des Verlags.)

Kategorien: Arbeit · Bank · Coaching · IT · IV · Krankheit · Medikament · Organisationsberatung · Politik · Psychopharmaka · Sinn · Soziologie · Struktur · Supervision · Systemtheorie · Therapie

Heinrich Henckel verlässt die Swiss Financial Market Services AG

Dienstag, 13. Mai 2008 · Kommentar schreiben

Dr. Heinrich Henckel, CEO Division Cash Markets und Mitglied der Konzernleitung, wird die Swiss Financial Market Services AG per Ende Juli aus persönlichen Gründen verlassen. Er will sich nach insgesamt 13 Jahren bei der Swiss Financial Market Services AG und ihren Vorgängerorganisationen neuen Herausforderungen zuwenden. Group CEO Dr. Urs Rüegsegger kommentierte den Rücktritt wie folgt:

«Der Verwaltungsrat bedauert seinen Abgang und dankt Heinrich Henckel für seinen grossen Einsatz für die SWX und für die Belange des Finanzplatzes Schweiz. Heinrich Henckel hat nicht zuletzt seit Mitte des letzten Jahres als Leiter des Integrationsprojektes im Zusammenhang mit der Fusion der früheren SWX Group, SIS Group und Telekurs Group einen massgeblichen Beitrag zur Zusammenführung der drei Unternehmen geleistet.»

Ab 1. August – bis zur definitiven Regelung der Nachfolge – wird Christoph Bigger, Mitglied der Geschäftsleitung der SWX Swiss Exchange, die Division Cash Markets der Swiss Financial Market Services AG interimistisch führen.

Die Swiss Financial Market Services AG betreibt die schweizerische Finanzplatzinfrastruktur und bietet weltweit umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Wertschriftenhandel und -abwicklung sowie Finanzinformationen und Zahlungsverkehr an. Das Anfang 2008 aus dem Zusammenschluss von SWX Group, SIS Group und Telekurs Group entstandene Unternehmen befindet sich im Besitz seiner Nutzer (160 Banken verschiedenster Ausrichtung und Grösse) und erwirtschaftet mit rund 3‚600 Mitarbeitenden und einer Präsenz in 23 Ländern einen Umsatz von über 1.5 Milliarden Schweizer Franken. Als einer der führenden europäischen Börsen- und Infrastrukturbetreiber bietet die Swiss Financial Market Services erstklassige Dienstleistungen rund um den schweizerischen und grenzüberschreitenden Handel und die Zulassung von Effekten an. Die weiteren Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe umfassen kostengünstige und effiziente Dienstleistungen in den Bereichen Clearing, Abwicklung, Verwahrung und Verwaltung von Wertschriften sowie internationale Finanzinformationen für Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Portfoliomanagement, Finanzanalyse und Wertschriftenabwicklung. Schliesslich decken die Dienstleistungen im Zahlungsverkehr die Akzeptanz und Verarbeitung von Zahlungen mit Kredit-, Debit- und Kundenkarten sowie die Abwicklung von Interbank-Zahlungen und e-Rechnungen ab.

Kategorien: Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · Politik · SWX

SCOACH: Tadel für Market Maker

Montag, 28. April 2008 · 1 Kommentar

Trotz den herben Rückschlägen an den Aktienbörsen im Jahr 2008 haben strukturierte Produkte kaum an Anziehungskraft verloren. So schmerzhaft die Phase war, viele Investoren haben dabei dazugelernt. Sie wissen nun: Auf den Emittenten kommt es an. Das gilt nicht nur im Hinblick auf die Bonität einer Bank – ein Kriterium, das seit der Beinahepleite der Investmentbank Bear Stearns, die in Deutschland einige Dutzend Produkte im Markt hat, vermehrt ins Blickfeld gerückt ist. Sondern es gilt auch für das Verhalten der Emittenten in kritischen, weil sehr volatilen Marktphasen. Während der Turbulenzen an den Börsen Mitte Januar und Mitte März wurde – wie schon in ähnlichen Phasen im Vorjahr – bei den Banken die Spreu vom Weizen getrennt. Die Schönwetter-Emittenten verabschiedeten sich – teilweise während mehrerer Stunden – aus Produktsegmenten, während die Profis selbst in hoch volatilen Phasen tapfer weiter Kurse stellten und dabei auch die Gefahr von eigenen Verlusten in Kauf nahmen. Letzteres sollte eine Bank nicht allzu sehr betrüben, verdient sie doch mit strukturierten Produkten alles andere als schlecht. In Marktkreisen und den Foren im Internet tauchen sowohl grosse wie kleine, bekannte wie weniger bekannte Emittenten auf, an denen Kritik wegen teilweise mangelnder Kursstellung in den Märkten Deutschland und Schweiz geübt wird, etwa BNP Paribas, Banque Cantonale Vaudoise (BCV), Citigroup, HSBC Trinkaus & Burkhardt, Merrill Lynch, Sal. Oppenheim und UBS. Allerdings kann sich das Verhalten der Banken schnell ändern, je nachdem, wie viel Personal gerade zur Verfügung steht oder ob vielleicht der Chef gewechselt hat. Während die Emittenten in Deutschland eigentlich zur Kursstellung zumindest für kleine Stückzahlen verpflichtet sind, fehlt derzeit diese Pflicht in der Schweiz völlig. Deswegen will die deutsch-schweizerische Derivatebörse Scoach völlig zu Recht auch in der Schweiz dazu übergehen, Fehlverhalten der Emittenten gemäss der Devise «name it and blame it» anzuprangern. In Deutschland macht sie dies schon erfolgreich seit einem Jahr, weswegen etwa die durchschnittliche Geschwindigkeit der Ausführung von Aufträgen von 10 Sekunden auf nun etwa 2,5 Sekunden gesunken ist. In der Schweiz will Scoach ab dem dritten Quartal sogar noch genauer auf das Verhalten der Emittenten schauen und auf täglicher Basis sowie teilweise pro Produkt die Daten veröffentlichen. Dieses sichtbare Tadeln ist effizienter als eine rechtliche Regulierung, schlägt die öffentliche Kritik doch bis in die höchsten Etagen der Banken durch.

Kategorien: Arbeit · Armut · Ausländer · Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · Politik · SWX

Konzernstruktur nach Fusion von SWX, SIS und Telekurs durch Aktionäre gutgeheissen

Mittwoch, 12. September 2007 · Kommentar schreiben

Gemeinsame Medienmitteilung von SWX Group, SIS Group und Telekurs Group

Einstimmige Genehmigung des Zusammenschlusses von SWX Group, SIS Group und Telekurs Group Peter Gomez als Verwaltungsratspräsident und Urs Rüegsegger als CEO der neuen Gruppe nominiert Die Eigentümer der SWX Group, SIS Group und der Telekurs Group haben den Zusammenschluss der drei Unternehmen einstimmig gutgeheissen. Im Rahmen der geplanten Transaktion werden die Geschäftsaktivitäten der Schweizer Finanzplatz-Infrastruktur zu einer strategischen Holding zusammengeschlossen. Die Transaktion wird Anfang 2008 umgesetzt. Durch den Zusammenschluss sollen die Effizienz und Innovationskraft gesteigert und die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes gestärkt werden.

Die Mitglieder des Vereins SWX Swiss Exchange sowie die Aktionäre der SIS Swiss Financial Services Group AG und der Telekurs Holding AG haben einstimmig beschlossen, die Aktivitäten der drei Unternehmen unter einem gemeinsamen Dach zusammenzufassen. Das Aktionariat des neuen Unternehmens wird sich aus den bisherigen Eigentümern zusammensetzen. Dabei handelt es sich überwiegend um in- und ausländische Finanzinstitute, die auch Nutzer der Finanzplatz-Infrastruktur sind. Die Aktien sind breit gestreut, und keine Eigentümer- bzw. Bankengruppierung wird über eine absolute Mehrheit verfügen. Dies gewährleistet, dass die weitere Entwicklung der Finanzplatz-Infrastruktur unter aktiver Mitwirkung der Kunden und im Interesse des gesamten Finanzplatzes stattfindet. Der durch das neue Unternehmen generierte Mehrwert kommt somit den Nutzern der Infrastruktur und damit dem Finanzplatz Schweiz zugute. Die Eigentümerstruktur des neuen Unternehmens, welche weitgehend der aktuellen Nutzerstruktur entspricht, wird stabil bleiben. Dies gewährleisten die Statuten und ein langfristiger Aktionärsbindungsvertrag, worin die Übertragung von Aktien während der ersten fünf Jahre gänzlich untersagt ist.

Das Prinzip der Unternehmenslenkung durch die Nutzer («user-owned, user-governed») kommt auch in der Besetzung des Verwaltungsrates zum Ausdruck, in welchem alle Eigentümergruppierungen vertreten sind. Neben sieben Bankenvertretern werden drei weitere Mitglieder im Verwaltungsrat Einsitz nehmen. Das Gremium wird 10 Personen umfassen und unter der Leitung des designierten Präsidenten Prof. Dr. Peter Gomez (bisher Präsident des Vereins SWX und des Verwaltungsrats der SWX Group) stehen. Als zukünftige Mitglieder des Verwaltungsrates wurden folgende Persönlichkeiten nominiert:

  • Prof. Dr. Peter Gomez, Präsident (Dean der Executive School of Management, Technology and Law, Universität St. Gallen)
  • Dr. Romeo Lacher; Vizepräsident (Global Head of Private Banking Operations, Credit Suisse)
  • Stephan Zimmermann, Vizepräsident (COO Global Wealth Management and Business Banking, UBS)
  • Reto Himmel (Chief Technology & Operations Officer (CTO), Swiss Life)
  • Eduardo Leemann (Präsident des Verwaltungsrates, AIG Privat Bank)
  • Ruth Metzler-Arnold (Global Head Investor Relations, Novartis)
  • Jacques de Saussure (Managing Partner, Pictet & Cie)
  • Herbert J. Scheidt (Chief Executive Officer, Vontobel)
  • Dr. Martin Sieg Castagnola (Mitglied der Generaldirektion, Leiter Investment & Private Banking, Zürcher Kantonalbank)
  • Dr. Pierin Vincenz (Vorsitzender der Geschäftsleitung, Raiffeisen Gruppe)

Als CEO wird dem Verwaltungsrat Dr. Urs Rüegsegger vorgeschlagen. Er ist seit 2001 Präsident der Gechäftsleitung der St. Galler Kantonalbank. «Mit Dr. Urs Rüegsegger haben wir die ideale Persönlichkeit gefunden, um die Infrastruktur des Finanzplatzes Schweiz unternehmerisch in die Zukunft zu führen. Seine oberste Führungscrew vereinigt strategischen Weitblick, operative Umsetzungsstärke und eine grosse Erfahrung in allen Geschäftsbelangen», kommentierte Prof. Dr. Peter Gomez die Ernennung. Der Gruppenleitung werden folgende Führungskräfte angehören:

  • Dr. Urs Rüegsegger, Group CEO
  • Jürg Spillmann, Derivatives Markets, Stv. Group CEO
  • Dr. Heinrich Henckel, Cash Markets
  • Peter Sami, Clearing & Settlement
  • Marc Carletti, Financial Information
  • Hans-Martin Moser, Multipay
  • Felix Aeschlimann, Payment Services
  • Robert Bornträger, IT Services
  • Jim Gollan, Group CFO

Die mit dem Zusammenschluss einhergehende Bündelung der Ressourcen soll die Innovationskraft der Finanzplatz-Infrastrukur steigern und die Effizienz über alle Geschäftsfelder hinweg erhöhen. Damit werden bestehende und neue Kunden im Heimmarkt wie auch im Ausland von einer optimierten Dienstleistungspalette profitieren. Der Verbund starker und erfahrener Partner unter einem gemeinsamen Dach trägt zudem nachhaltig zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Schweiz bei. Die neue Struktur wird vorbehältlich der Genehmigung der Transaktion durch die Wettbewerbsbehörden Anfang 2008 etabliert. Die neue Gesellschaft wird unter dem Namen «Swiss Financial Market Services» auftreten. Die Namen und Marken der operativen Gruppengesellschaften bleiben weitgehend erhalten.

Prof. Dr. Peter Gomez, Präsident des Vorstands des Vereins SWX sowie des Verwaltungsrats der SWX Group, sagte: «Wir sind stolz auf die hundertprozentige Zustimmung der Eigentümer von SWX, SIS und Telekurs zum Zusammenschluss unserer drei Unternehmen. Dies ist ein Vertrauensbeweis für die
bisherigen Verwaltungsräte, die Geschäftsleitungen und die Mitarbeitenden und eine bedeutende Weichenstellung für den Finanzplatz Schweiz.»

Dr. Romeo Lacher, Präsident des Verwaltungsrats, SIS Group, ergänzte dazu: «Unser neues Unternehmen ist dem Finanzplatz verpflichtet und stellt langfristig die schweizerische Hoheit über den Wertschriftenhandel und alle assoziierten Dienstleistungen sicher. Gleichzeitig wird an der traditionell offenen Architektur festgehalten, die sich dem Wettbewerb über die Landesgrenzen hinweg stellt.»

Stephan Zimmermann, Verwaltungsratspräsident der Telekurs Group, sagte: «Mit dem Zusammenschluss stärken unsere Eigner und Nutzer den Finanzplatz Schweiz durch ein Infrastruktur-Angebot, das die gesamte Wertschöpfungskette abdeckt. Das neue Unternehmen verfügt damit über ausgezeichnete Voraussetzungen, um den Ausbau seiner Dienstleistungen im In- und Ausland weiter voranzutreiben.»

Kategorien: Arbeit · Armut · Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · SWX

Aus SWX Quotematch wird Scoach

Montag, 20. August 2007 · 1 Kommentar

Gemeinsame Medienmitteilung von SWX Group und Deutsche Börse AG

14. August 2007

Börse für strukturierte Produkte heißt «Scoach»

Joint Venture von Deutsche Börse und SWX Group firmiert ab 1. September 2007 unter neuem Namen. Das Joint Venture zwischen SWX Group und Deutscher Börse für strukturierte Produkte wird zukünftig «Scoach» heißen. Das haben die beiden Partner am 14. August 2007 mitgeteilt.

Bislang firmiert die Börse in der Schweiz als SWX Quotematch AG und in Deutschland als Börse Frankfurt Smart Trading AG. Scoach soll Europas führende Börse für den Handel mit strukturierten Produkten in Europa werden. Mit Scoach weiten SWX Group und Deutsche Börse ihre erfolgreiche Partnerschaft bei der weltgrößten Terminbörse Eurex und dem paneuropäischen Indexanbieter STOXX weiter aus. Scoach fokussiert sich auf das stark wachsende Segment der strukturierten Produkte (Zertifikate, Anlage- und Hebelprodukte) und ist am 1. Januar 2007 erfolgreich gestartet. Seit Marktstart erzielte die Börse Rekordumsätze und hat in beiden Heimmärkten Marktanteile gewonnen.

Im April 2008 wird Scoach den Handel mit strukturierten Produkten im deutschen Markt auf die moderne und extrem leistungsfähige Xetra-Plattform der Deutschen Börse migrieren. Damit baut Scoach die Distribution um über 100 zusätzliche ausländische Handelsteilnehmer aus und erreicht so Retailkunden aus ganz Europa.

Scoach wird sich in neuem Kleid am 7.-9. September 2007 an der Internationalen Anlegermesse (IAM) in Düsseldorf und an der erstmalig durchgeführten Messe für strukturierte Produkte in Zürich (17./18. Oktober 2007) einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren.

Kategorien: Arbeit · Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · SWX

Börsenstrategie von CS und UBS: Interessenkonflikt

Freitag, 25. Mai 2007 · Kommentar schreiben

Interessenkonflikt bei der Börsenstrategie von CS und UBS

Grossbanken nähern sich Wegscheide zwischen Unterstützung von SWX Group und Projekt «Turquoise»

Die Credit Suisse und die UBS verfolgen bei der Unterstützung von Börsenbetreibern keine schlüssige Strategie. Sie sind Miteigentümer der SWX, treiben aber auch eine Konkurrenz-Plattform voran.

Die beiden Grossbanken Credit Suisse (CS) und UBS steuern mit ihrer «Strategie» in Bezug auf die Unterstützung von Aktienhandels-Plattformen auf eine Weggabelung zu. In der Schweiz spielen beide Institute bei der SWX Group sowie bei den zwei anderen Infrastruktur-Dienstleistern SIS Group (Handelsabwicklung) und Telekurs Group (Zahlungsverkehr) eine führende Rolle. An der geplanten «Finanzplatz-Holding AG», die sich aus SWX, SIS und Telekurs zusammensetzen soll und die noch keinen Namen hat, werden die beiden Grossbanken zusammen voraussichtlich einen Drittel besitzen. Vertreter von CS und UBS werden hierzulande nicht müde, die Bedeutung der SWX für den Finanzplatz zu unterstreichen und auch ihre künftige Unterstützung zu signalisieren.

Frontalangriff auf die Börsenbetreiber

Zugleich treiben die beiden Institute auf europäischer Ebene zusammen mit Citigroup, Deutsche Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch und Morgan Stanley das Projekt «Turquoise» (zu Deutsch: Türkis) voran. Unter diesem Namen will der Klub dieser sieben Investmentbanken eine europäische Blue-Chip-Börse schaffen. Die Investmentbanken sind nämlich mit den Preisen der tendenziell regional orientierten europäischen Börsen sowie dem meist unzureichenden oder gar fehlenden Wettbewerb bei der nachgelagerten Handelsabwicklung unzufrieden. Für die herkömmlichen Börsen stellt das Projekt «Turquoise» ein rotes Tuch dar. Zwar wird aus Börsenkreisen stets kolportiert, die Initiative richte sich primär gegen die London Stock Exchange (LSE). Doch sollte «Turquoise» Erfolg haben, wäre dies ein Frontalangriff auf alle Börsen in Europa.

In den offensichtlichen Interessenkonflikt zwischen Unterstützung der SWX und Lancierung von «Turquoise» haben sich Credit Suisse und UBS selbst manövriert, denn sie hätten bei der Multilateral Trading Facility durchaus erst abseitsstehen und abwarten können. Diese Taktik verfolgen BNP Paribas, HSBC, Lehman Brothers und JP Morgan, vier andere Big Player unter den Investmentbanken. Einige von ihnen sind dem Vernehmen nach als Berater für die Londoner Börse tätig und üben u. a. deshalb Zurückhaltung. Auch CS und UBS haben bei einigen europäischen Börsen verschiedenste Hüte auf, was ihr Agieren kompliziert: Die Banken zählen zu den Grosskunden der Börsen, sind teilweise als deren Berater tätig, sitzen in wichtigen Gremien oder gehören sogar zu den Eignern der Börsen.

Der Erfolg der Aktienhandels-Plattform «Turquoise» wird von ihrer Liquidität abhängen, denn nur eine hohe Liquidität führt zu einer geringen Spanne zwischen An- und Verkaufspreisen. Dies ist für die Banken wichtig, weil sie ihren Kunden versprechen, für deren Aufträge den besten Preis für das jeweilige Wertpapier auszuwählen, was im Fachjargon als «best execution» bezeichnet wird. Dass die sieben Investmentbanken genügend Liquidität generieren können, ist realistisch. Experten schätzen, dass der Klub der betreffenden Investmentbanken für rund die Hälfte des europäischen Ordervolumens in Blue Chips verantwortlich ist. An der zur SWX gehörenden Virt-x, einer in London domizilierten Handelsplattform für Aktien des Swiss-Market-Indexes (SMI), generierten die sieben Banken in einem jüngst zufällig ausgewählten Monat knapp die Hälfte des gesamten Transaktionsvolumens in SMI-Titeln. Dies belegt die Marktmacht der Banken und das Bedrohungspotenzial für die Börsen.

Konkrete Aussagen zu ihrem künftigen Verhalten sind aus den Reihen von CS und UBS derzeit nicht zu erhalten. Wenn sich Vertreter der Banken überhaupt äussern, verstecken sie sich hinter Floskeln: Man begrüsse den Wettbewerb unter den Börsen, oder man sei selbstverständlich zur «best execution» der Aufträge verpflichtet. «Best execution» ist aber – wie beschrieben – nur bei höchster Liquidität möglich. Daher lautet die Gretchenfrage: Was machen die sieben Banken beim Start von «Turquoise»? Um die höchstmögliche Liquidität zu erreichen, müssten die Investmentbanken quasi einen «D-Day der Börseninvasion» abmachen, an dem sie losschlagen und in einer koordinierten Aktion abrupt den gesamten Orderfluss in Blue Chips auf die neue Plattform lenken. Dies wäre für die herkömmlichen Börsenbetreiber im Allgemeinen sowie für die SWX wegen ihrer Abhängigkeit von wenigen sehr umsatzstarken Titeln (CS, Nestlé, Novartis, Roche, UBS) im Besonderen ein Tiefschlag.

Kommt der «Big Bang»?

Ob es tatsächlich zu einem solchen «Big Bang» kommt, ist aber fraglich. Schon früher scheiterten Versuche, eine europäische Blue-Chip-Plattform einzuführen, wie unter anderen «Tradepoint», «Jiway» und «Virt-x» gezeigt haben. Durch den inzwischen herrschenden Druck der EU (Finanzmarktrichtlinie Mifid) und neu entwickelte Technologien (Smart Order Routing) räumen Experten dem jüngsten Projekt aber grössere Chancen ein. Jedoch gibt es sicher auch innerhalb der Banken verschiedene Auffassungen zum Vorgehen: Soll der komplette «Order-flow» umgeleitet werden, ein grosser Teil oder nur ein kleiner Teil? Die Aufteilung der Aufträge auf verschiedene Plattformen wäre aber kontraproduktiv, da nur höchste Liquidität zu besten Preisen führt.

Letztlich dürften den Londoner Händlern von CS und UBS die Interessen der SWX und des Finanzplatzes Schweiz vergleichsweise weniger am Herzen liegen, so dass sie wohl schneller bereit sind, das Volumen umzulenken. Dagegen muss das Top-Management der Banken, die beide in der Schweiz ihre Heimatbasis haben und deren Angestellte zum Grossteil hier arbeiten, die Breitenwirkung einkalkulieren. Trotz möglicherweise überzeugender ökonomischer Logik und den aus Aktionärsinteressen resultierenden Zwängen zu effizientesten Prozessen stehen die Institute in der Öffentlichkeit vielleicht als Vaterlandsverräter da und müssen einen Imageschaden befürchten, wenn sie die Interessen der SWX und des Finanzplatzes nicht berücksichtigen.

Wie auch immer, lange können CS und UBS die duale Strategie nicht mehr friktionslos fortführen. Die Handelsplattform «Turquoise» soll im November ihre Arbeit aufnehmen. Wenn nicht gerade nur mit einem Testversuch – beispielsweise alleiniger Handel von Blue Chips aus Grossbritannien oder dem Euro-Raum – gestartet wird, wird spätestens dann der Tag kommen, an dem die Grossbanken die Weggabelung erreichen und sich für einen Pfad entscheiden müssen.

Artikel aus der NZZ.

Kategorien: Arbeit · Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · Politik · SWX

SWX: Abschied vom Börsenverein?

Mittwoch, 16. Mai 2007 · Kommentar schreiben

Abschied vom Verein?

Nun also doch. Nachdem Management und Verwaltungsrat der SWX in den vergangenen Jahren dem drängenden Verlangen von SIS und Telekurs nach einer Hochzeit stets die kalte Schulter gezeigt hatten, sagt der Börsenbetreiber plötzlich doch «Ja». Möglich wurde dies durch zwei Entwicklungen: Zum einen wechselten an den Spitzen der Verwaltungsräte von SWX und SIS die geradezu verfeindeten Protagonisten. Zum anderen sieht der neue SWX-Präsident Gomez in Form von derzeit neu entstehenden (alternativen) Börsen dunkle Wolken am Horizont.

Dass eine aus den drei bisher selbständigen, aber bereits technisch und teilweise operativ eng zusammenarbeitenden Firmen gebildete Holding wirklich viel besser auf die Umfeldveränderungen (stärkerer Wettbewerb, steigende technische und regulatorische Anforderungen, neue Kundenbedürfnisse) reagieren kann, ist aber fraglich. Viel vom Wohl und Wehe der SWX wird – ob allein oder in eine Holding integriert – ohnehin vom Verhalten der beiden Grossbanken abhängen. Wenn diese das alternative Börsenprojekt «Turquoise», das die beiden zusammen mit fünf anderen Investmentbanken aufziehen, tatsächlich voll unterstützen, wird die Luft für die Schweizer Börse dünn. Dann könnte sie über weitere Vernetzungen mit anderen Handelsplätzen (Fusionen schliesst sie aus) noch froh sein. Ob diese durch die neue Struktur leichter und vorteilhafter werden, hängt dann wohl vom jeweiligen Einzelfall ab.

Die Integration in eine Holding und die damit verbundene Umwandlung in eine Aktiengesellschaft ermöglichen der SWX aber einen eleganten Abschied von der schwerfälligen und konfliktbeladenen Vereinsstruktur. Es wird spannend sein zu sehen, ob die dafür nötige Dreiviertelmehrheit unter den Vereinsmitgliedern zustande kommt. Noch interessanter wird jedoch das anstehende Feilschen um die Höhe der Anteile für die verschiedenen Mitglieder und Interessengruppen an der Holding werden.

Kategorien: Arbeit · Bank · Basel · Börse · Exchange · IT · SWX