Radio B: Die Stimme der Vernunft

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Nebenwirkung von Erdwärmebohrung in Wiesbaden

Samstag, 7. November 2009 · Kommentar schreiben

Wasseraustritt nach Geothermiebohrung in Wiesbaden gestoppt

Verstopfen des Bohrlochs mit Beton im dritten Versuch gelungen

Es sprudelt nicht mehr. Eine Bohrpanne hatte in Wiesbaden zu einem gewaltigen Wasseraustritt geführt. Mehr als 24 Stunden nach der Panne beim hessischen Finanzministerium konnte der Schaden nun behoben werden.

Der Wasseraustritt am hessischen Finanzministerium in Wiesbaden ist am Samstag gestoppt worden. Laut Behörden wurde das Bohrloch verschlossen, indem man Beton mit hohem Druck tief in die Erde einbrachte. Seit dem Freitag waren zwei Versuche fehlgeschlagen.

Bei einer Erdwärmebohrung war in der Nacht zum Freitag versehentlich eine unter Druck stehende Wasserblase in 130 Metern Tiefe angezapft worden. Daraufhin schoss eine bis zu sieben Meter hohe Fontäne aus der Erde; das Gelände in der Wiesbadener Innenstadt wurde überflutet. Zeitweise traten bis zum 6000 Liter Wasser pro Minute aus.

Bereits den ganzen Freitag über hatte die Feuerwehr fieberhaft versucht, das Bohrloch zu verschliessen: Zwar wurde das Loch mit mehr als 40 Kubikmeter Beton verfüllt. Anschliessend kam das Wasser jedoch an drei neuen Stellen wieder an die Oberfläche. Die Erdwärmebohrung stand in Zusammenhang mit einem geplanten Anbau für das Finanzministerium, der mit einer geothermischen Anlage versehen werden soll.

Für das Wasser im Untergrund ist Wiesbaden berühmt: Die Stadt verfügt über insgesamt 27 heisse und ungezählte kalte Quellen. Der Quellenreichtum wird durch die Lage am Rande des Taunus begünstigt. Einige Quellen sprudeln bereits seit der Steinzeit am gleichen Ort.

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Basler Kantonalbank: 40 Stellen weg bei der AAM

Donnerstag, 15. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

Basler Kantonalbank halbiert Jobs der übernommenen AAM Privatbank

Die Basler Kantonalbank (BKB) streicht rund 40 der 86 Stellen bei der im Juli übernommenen AAM Privatbank. Die AAM habe zuviel Personal für ihre Kundschaft und Vermögen, bestätigte ein BKB-Sprecher am Mittwoch Angaben der „Basler Zeitung“.

Die 40 zu streichenden Stellen seien nicht mit Entlassungen gleichzusetzen; man suche individuelle interne Lösungen, sagte der Sprecher weiter. Der Abbau erfolge vor allem im Backoffice. Welcher der AAM-Standorte Basel, Bern, Genf und Zürich wie stark betroffen ist, sei noch offen. Ein Konsultativverfahren laufe.

Die Massnahme werde im Wesentlichen bis Ende des ersten Quartals 2010 vollzogen. Formell übernimmt die BKB die AAM per 1. Januar 2010 von der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB). Bei der Ankündigung Mitte Juli war unbeziffert von einem günstigen Kaufpreis für die auf die Vermögensverwaltung spezialisierte AAM gesprochen worden.

Die BLKB ihrerseits hatte die AAM 2001 für 350 Mio. Fr. übernommen und 2007 in eine Privatbank umgewandelt. Mit der AAM, welche 2001 als „Juwel“ bezeichnet wurde, wollte die BLKB im In- und Ausland expandieren. Das von AAM verwaltete Vermögen schmolz jedoch unter den Fittichen der BLKB von 8,4 Mrd. auf noch 3,1 Mrd. Franken.

Die Basler Kantonalbank schreibt in ihrer Medienmitteilung vom 14.Oktober 2009:
Mit dieser Integration entstehen Synergien, welche genutzt werden müssen, um die notwendige Ertragskraft nachhaltig sichern zu können. Vor diesem Hintergrund ist der angekündigte Abbau von ca. 40 Stellen bei der AAM Privatbank AG unvermeidbar. Die Folgen des Stellenabbaus sollen durch konsequente Ausnützung des konzerninternen Stellenmarktes (Basler Kantonalbank und Bank Coop) gemildert werden. Zudem wurde mit den Sozialpartnern eine sozialpartnerschaftliche Vereinbarung abgeschlossen, welche nebst einem Beratungs- und Begleitungsprozess umfassende finanzielle Leistungen vorsieht.

Nun das tönt viel besser als es wohl in Wirklichkeit ist. Der konzerninterne Stellenmarkt hilft schätzungsweise die 5 flexibelsten Mitarbeiter der AAM unterzubringen. Grösser ist der konzerninterne Stellenmarkt doch sicher nicht. Und flexibel müssen die Ex-AAM Mitarbeiter sein bezüglich Lohn und Einsatzgebiet. Hier würde mehr Transparenz auch mehr Fair-Trauen bringen. Wie gross ist der konzerninterne Stellenmarkt? Wieviele der ex-AAM Mitarbeiter finden im BKB Konzern eine Stelle und zu welchen Bedingungen?  Welches sind die konkreten ‘umfassenden finanziellen Leistungen’? Pro-Innerstadt Bons über 50Fr?

Am Ende wird’s erst richtig zynisch. Die Pressemitteilung der Basler Kantonalbank schliesst mit den Worten:
Die Basler Kantonalbank ist überzeugt, dass sie mit diesem strategischen Entscheid und den eingeleiteten Massnahmen nicht nur für ihre neue Kundschaft eine nachhaltig kompetente und verlässliche Partnerin, sondern auch für die Mitarbeitenden eine attraktive und faire Arbeitgeberin sein wird.“
Davon bin ich nicht überzeugt.

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IT Stellenabbau in der Roche

Montag, 12. Oktober 2009 · Kommentar schreiben

„Grosser Stress“ für Roche-Informatiker

Informatik der beiden Sparten Pharma und Diagnostika wird zusammengelegt. Umfang des Stellenabbaus noch unklar.

Wie die ‘SonntagsZeitung’ gestern berichtete, plant der Basler Pharma-Riese Roche die Zusammenlegung der IT-Bereiche der beiden Divisionen Pharma und Diagnostika. Der Entscheid ist im September gefällt worden. Ein Lenkungsausschuss ist daran, bis September 2010 ein Konzept zu erarbeiten. Ab Januar rapportieren die beiden IT-Bereiche an die Finanzabteilung. Die Zusammenlegung der Systeme sei mit „grossem Stress“ verbunden, berichtet die Zeitung. In welchem Umfang Stellen gestrichen werden, ist nicht bekannt.

Der Konzern nutze die Generationenwechsel an der Spitze der beiden Divisionen, aber auch die Integration von Genentech, um überall die Strukturen zu vereinfachen, heisst es in der ‘SonntagsZeitung’.

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Suizidserie bei France Telecom

Dienstag, 29. September 2009 · Kommentar schreiben

Die Serie von Selbstmorden unter Mitarbeitern des französischen Telekommunikationskonzern France Telecom reißt nicht ab. Ein 51 Jahre alter Beschäftigter eines Callcenters stürzte sich am Montag bei Annecy von einer Brücke in den Tod. In einem Abschiedsbrief habe der Familienvater das Arbeitsklima in dem Konzern als Motiv für die Tat genannt, berichtete der französische Radiosender France Info. Nach Gewerkschaftsangaben nahmen sich in den vergangenen eineinhalb Jahren 24 Beschäftigte des Konzerns das Leben.

Die Arbeitnehmervertreter gehen davon aus, dass ein Teil der Selbstmorde direkt auf die Arbeitsbedingungen und den Konzernumbau zurückzuführen ist. In den vergangenen Jahren wurden 22.000 Stellen gestrichen und 7000 Mitarbeiter versetzt. Sogar die Regierung schaltete sich schon ein. Sie forderte die Unternehmensleitung zum Dialog mit den Mitarbeitern auf. Künftig sollen die Betriebsärzte – soweit es die Schweigepflicht erlaubt – psychisch labile Mitarbeiter melden. (dpa)

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Erdbeben Basel: Geopower will Arbeiten am Geothermie Bohrloch fortsetzen

Montag, 8. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, Amt für Umwelt und Energie
Medienmitteilung vom 08. Juni 2009

Geopower Basel AG stellt Baugesuch für weitere Messungen

Am Standort der Geothermiebohrung in Kleinhüningen will die Geopower Basel AG Messungen vornehmen, welche weitere Aufschlüsse über die Wasserdurchlässigkeit des Gesteins in 5000 Metern Tiefe bringen sollen. Um diese Messungen durchzuführen, muss zunächst ein Hindernis in 4700 Metern Tiefe ausgeräumt werden. Die Geopower Basel AG hat für diese Arbeiten ein Baugesuch eingereicht.

Nach der Sistierung aller Arbeiten am Bohrloch im Dezember 2006 möchte die Geopower nun untersuchen, wie weit das Felsgestein durch das Einpressen von Wasser bereits durchlässig geworden ist bzw. ob sich in 5000 Meter Tiefe ein Reservoir für Wasserzirkulation gebildet hat. Diese Untersuchung ist sowohl für das Projekt Basel als auch für die Weiterentwicklung der Tiefengeothermie im Allgemeinen von grosser Bedeutung. Das Bundesamt für Energie (BfE) ist deshalb sehr an den Resultaten der geplanten Nachmessungen interessiert. Erst mit solchen Nachmessungen, die einen Vergleich Vorher-Nachher erlauben, wird es möglich sein, schlüssige Lehren aus dem Projekt Basel zu ziehen.

Zu diesem Zweck hat die Geopower Basel AG ein Baubegehren eingereicht. Bevor die Messungen mittels akustischer Kamera durchgeführt werden können, muss ein Hindernis im Bohrloch auf rund 4700 Metern Tiefe ausgefräst werden. Die Messung liefert ein visuelles Abbild der Bohrlochwand und der Geometrie des Bohrlochs. Sie lässt Rückschlüsse zu über die Auswirkungen der Wassereinpressung, insbesondere über neu gebildete Risse im Gestein. Anschliessend ist ein Fördertest vorgesehen. Dabei wird Wasser in einer konstanten Menge aus der Bohrung entnommen, was ein Nachfliessen von Wasser aus dem Reservoirbereich zur Bohrung bewirkt. Insgesamt sollen rund 200 Kubikmeter Wasser aus dem Bohrloch entnommen werden.

Für die gesamten Arbeiten wird mit einem Aufwand von insgesamt zehn bis zwölf Tagen gerechnet. Die Arbeiten können im normalen Tagbetrieb durchgeführt werden. Im Zusammenhang mit dem Auffräsen werden während fünf Tagen Dieselgeneratoren für den Antrieb der Stahlschlauchspule eingesetzt. Die Generatoren werden mit Schalldämpfern ausgerüstet. Im Weiteren ist insbesondere beim Auf- und Abbau der Anlage mit Baustellenverkehr zu rechnen.

Die vorgesehenen Arbeiten verursachen nur geringe Druckänderungen im Bohrloch, weshalb nach Ansicht der Geopower Basel AG spürbare Erschütterungen ausgeschlossen werden können. Die seismische Aktivität im Reservoir bewegt sich seit Monaten auf einem sehr tiefen Niveau; das letzte vom Schweizerischen Erdbebendienst SED erfasste Ereignis datiert vom 30. November 2007 und wies eine Stärke von Magnitude 1,6 auf, was vom Menschen nicht wahrnehmbar ist. Trotzdem ist auch für die geplanten Arbeiten ein Sicherheitsdispositiv vorgesehen, das klare Kriterien für einen Abbruch der Aktivitäten enthält. Beim Erreichen bestimmter Fixpunkte würde die jeweils laufende Operation unverzüglich abgebrochen und die Kontrollstelle für Chemie- und Biosicherheit sowie der Schweizerische Erdbebendienst informiert. Ein solcher Fixpunkt wäre ein Ereignis mit einer Stärke von mehr als Magnitude 1 auf der Richterskala oder das Auftreten von fünf Ereignissen zeitnah mit der laufenden Operation.

Das Baugesuch unterliegt dem üblichen Baubewilligungsverfahren unter Federführung des Bauinspektorats. Die Beurteilung der seismischen Risiken wird die Kontrollstelle für Chemie- und Biosicherheit im Gesundheitsdepartement vornehmen. Dafür wird sie unabhängige Experten beiziehen. Die Kontrollstelle für Chemie- und Biosicherheit wird dem Gesuch zustimmen, sofern es die gesetzlichen Vorschriften des Umweltschutzrechts bezüglich Störfallvorsorge erfüllt.

Soweit die offizielle Medienmitteilung.

Schön, dass für die Arbeiten schallgedämpfte Generatoren verwendet werden sollen. Doch wir erinnern uns: Bei den letzten Geothermie Bohrungen war nicht der Lärm das eigentliche Problem, sondern die durch die Geothermie Bohrungen resp. durch das Wassereinpressen verursachten Erdbeben. Damals wie heute ist die Geopower Basel AG der Meinung, dass es zu keinen spürbaren Erschütterungen kommen werde. Es ist zu hoffen, dass bei der Beurteilung des Baugesuchs nicht die Fehler wiederholt werden und dieses Mal nicht nur die Lärmbelästigung und die Vibrationen der Bauarbeiten, sondern auch die Erdbebengefahr durch wirklich unabhängige Spezialisten ehrlich beurteilt werden. Genauso müssen die Messungen der Seismizität am Bohrloch nicht von der Firma Geopower selbst, sondern von unabhängigen Spezialisten durchgeführt werden. Interessant wird das Sicherheitsdispositiv: Bitte beachten Sie v.a. den Punkt wie schnell die einzelnen Aktivitäten dann tatsächlich abgebrochen werden können. Es wird wieder Tage gehen bis die Druck-Verhältnisse im Bohrloch wieder auf dem heutigen Stand sind. Wenn es also bei den erneuten Arbeiten Erdbeben geben wird, dann werden die Beben nicht einfach so wieder verschwinden, sondern solange weitergehen, bis die Druck Verhältnisse im Bohrloch sich wieder normalisiert haben.

Hört also nicht auf die Einschätzung der Geopower AG: Sie haben handfeste wirtschaftliche Gründe, um die Gefahr der Arbeiten am Bohrloch runterzuspielen.

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Sozialhilfe- und Armutsstatistik im Vergleich

Mittwoch, 8. April 2009 · Kommentar schreiben

Ähnliche Risikogruppen, aber Unterschiede in der zeitlichen Entwicklung

Neuchâtel, 07.04.2009 (BFS) – Die Sozialhilfe- und Armutsstatistik liefern umfassende Informationen über das Ausmass und die Struktur der Haushalte in prekären finanziellen Verhältnissen. Die beiden Statistiken beziehen sich auf ähnliche, aber nicht identische gesellschaftliche Phänomene. Die Risikogruppen gleichen sich, Niveau und Ausmass sind aber verschieden. Im betrachteten Zeitraum (1990-2006) fällt auf, dass die Sozialhilfequote tendenziell zunimmt, während die Armutsquote Schwankungen unterworfen ist. Sowohl die Sozialhilfe- als auch die Armutsquoten hängen direkt vom Verlauf der Arbeitslosigkeit ab und – mit zeitlicher Verzögerung – letztendlich von der wirtschaftlichen Entwicklung. Dies zeigen die Ergebnisse einer vertieften Analyse des Bundesamtes für Statistik BFS mit den Daten der Sozialhilfe- und Armutsstatistik.

Während die Sozialhilfebezügerinnen und -bezüger mehrheitlich dieselben Merkmale aufweisen wie die von Armut betroffenen Personen, zeigen sich Unterschiede im Ausmass und in der zeitlichen Entwicklung der Quoten. Die Sozialhilfestatistik, die die bekämpfte Armut abbildet, ist daher ein guter Indikator für die Armutsproblematik im Allgemeinen. Die beiden Statistiken können als Grundlage für die Festlegung geeigneter Massnahmen zur Armutsbekämpfung dienen.


Zeitliche Entwicklung und Zusammenhänge im wirtschaftlichen Kontext

Wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe und Armut stehen in einem komplexen Zusammenspiel. Im Zeitraum von 1990-2006 nahm die Sozialhilfequote beinahe stetig zu, während die Armutsquote fluktuierte. Beide Quoten hängen mit der Arbeitslosenquote zusammen. Diese folgte mit einer rund zweijährigen Verzögerung dem Wirtschaftswachstum. Eine hohe Arbeitslosenquote ging mit einer hohen Zunahme der Sozialhilfequote einher. Eine tiefe Arbeitslosenquote hingegen vermochte jeweils die Zunahme der Sozialhilfequote lediglich zu bremsen. Mit Ausnahme des Jahres 2001 reduzierte sich jedoch bei positiver Arbeitsmarktentwicklung die Sozialhilfequote im betrachteten Zeitraum nie. Andere Faktoren wie beispielsweise vorgelagerte Bedarfsleistungen – insbesondere Arbeitslosenhilfen – und weitere institutionelle Gegebenheiten schwächen höchstwahrscheinlich den Zusammenhang zwischen der Arbeitslosenquote und der Sozialhilfequote dermassen ab, dass nur noch ein Effekt auf die Veränderung der Sozialhilfequote messbar ist.


Haushaltstypen und individuelle Merkmale im Vergleich

Ein Vergleich der Sozialhilfebezüger/innen und der «statistischen» Armutsbevölkerung jeweils zwischen 18 und 59 Jahren zeigt das folgende Bild: Der Hauptteil (48%) der sozialhilfebeziehenden Personen wohnt alleine, während die Mehrheit (54%) der Armutsbevölkerung in Paarhaushalten mit Kindern lebt. 18- bis 29-Jährige sind in der Sozialhilfe stark übervertreten (30%), in der monetären Armut hingegen nicht. Gut 7 von 10 jungen Sozialhilfeempfängern haben weder eine Lehre noch eine höhere Ausbildung abgeschlossen. Nur eine Minderheit (32%) der Sozialhilfeempfänger ist erwerbstätig, während eine Mehrheit (59%) der Armen einen Job hat. Der Anteil der Erwerbslosen ist bei den Sozialhilfeempfängern mehr als dreimal so hoch wie bei der armen Bevölkerung (36% bzw. 12%). Hingegen sind die Nichterwerbspersonen in beiden Gruppen mit knapp einem Drittel (32% bzw. 29%) in etwa gleich stark vertreten, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung (11%) jedoch dreimal so häufig. Viele dieser Unterschiede können mit der Armutslücke (Differenz zwischen Haushaltseinkommen und statistischer Armutsgrenze) erklärt werden. Ist die Armutslücke klein und leben mehrere Erwerbstätige im Haushalt, so werden Sozialhilfeleistungen seltener bezogen. Im Übrigen bezieht die grosse Mehrheit der Armutsbevölkerung eine oder mehrere öffentliche Unterstützungsleistungen, die der Sozialhilfe vorgelagert sind (wie zum Beispiel Arbeitslosenhilfe, Alimentenbevorschussung).

Armutsstatistik auf Basis der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE)

Untersuchungen zur Armut und zur Lage der Working-Poor wurden in den letzten Jahren auf der Grundlage der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) durchgeführt. Im Gegensatz zur Sozialhilfestatistik erfolgt die Datenerhebung der SAKE nicht im Rahmen eines administrativen Prozesses. Die SAKE ist eine jährliche Direktbefragung bei Haushalten, die seit 1991 auf Basis einer Stichprobe (2007: knapp 33′000 Haushalte) durchgeführt wird. Die Befragung liefert neben demografischen Merkmalen und Haushaltsangaben Informationen über Erwerbssituation, Aus- und Weiterbildung, unbezahlte Arbeit, Wohnsituation, Haushalts- und Erwerbseinkommen. Die Informationen bilden die Situation der Befragten in der Referenzwoche ab. Anhand der Einkommensangaben sind Analysen zur Einkommensarmut möglich. Der Stichprobenumfang setzt allerdings Grenzen für regionale Analysen.

Ob eine Person zur Armutspopulation gezählt wird, ist abhängig von der Unterschreitung einer vorher statistisch bestimmten und standardisiert angewendeten Armutsgrenze, die in keiner Weise einen Sozialhilfeanspruch begründet. Die hier verwendete Definition der Armut stützt sich auf das in der Sozialhilfepraxis mehrheitlich angewendete Existenzminimum gemäss SKOS-Richtlinien. Das Existenzminimum gliedert sich in drei Teile, welche zusammen die materielle Grundsicherung bestimmen: Es sind dies der Grundbedarf für den Lebensunterhalt, die Wohnkosten und die medizinische Grundversorgung. Darüber hinaus wird ein Betrag von 100 Franken pro Haushaltsmitglied über 15 Jahren hinzugefügt. Damit soll auch gewissen weiteren notwendigen Ausgaben Rechnung getragen werden, wie beispielsweise Krankenkassenfranchise, Selbstbehalt, Haftpflicht- und andere Versicherungen. 2006 betrug die so definierte Armutsgrenze im Durchschnitt 2200 Franken für Alleinstehende, 3250 Franken für eine allein erziehende Frau mit einem Kind und 4650 Franken für ein Ehepaar mit zwei Kindern. Setzt man die Armutsgrenze tiefer an, indem man die zusätzlichen 100 Franken nicht berücksichtigt, erhält man die sogenannte Grenze harter finanzieller Entbehrung. Die beiden Armutsgrenzen definieren auf diese Weise einen Armutsbereich. Für den vorliegenden Vergleich wurde die untere Grenze verwendet (ausgenommen bei der zeitlichen Entwicklung).


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Kaspar Villiger wird UBS-Verwaltungsratpräsident

Mittwoch, 4. März 2009 · Kommentar schreiben

Kaspar Villiger wird neuer UBS-Verwaltungsratspräsident
Peter Kurer tritt an Generalversammlung nicht zur Wiederwahl an

Ex-Finanzminister Kaspar Villiger soll die UBS aus der Krise führen. Der 68-jährige frühere FDP-Politiker löst Mitte April Peter Kurer als Präsidenten des Verwaltungsrats der grössten Schweizer Bank ab. Eine Woche nach der Auswechslung des Konzernchefs zieht die UBS damit einen Schlussstrich unter die Ära Ospel.

Peter Kurer wird als Verwaltungsratspräsident der UBS abgelöst, wie die UBS am Mittwoch mitteilte. Kurer trete an der Generalversammlung vom 15. April 2009 nicht zur Wiederwahl an. Die Nachfolge soll Alt Bundesrat Kaspar Villiger antreten, der zugleich zur Wahl in den Verwaltungsrat vorgeschlagen wird.

Wechsel an GV vom 15. April

Der Wechsel soll am kommenden 15. April an der Generalversammlung der UBS vollzogen werden. Kurer erklärte sich laut UBS-Communiqué mit seinem einjährigen Einsatz als UBS-Präsident «zufrieden». Er habe die meisten damit verbundenen Herausforderungen verwirklicht. Für ihn sei es aber nun an der Zeit, die eingeleitete Transformation abzuschliessen und das Amt zur Verfügung zu stellen.

UBS-Vizepräsident und Fiat-Sanierer Sergio Marchionne liess sich mit den Worten zitieren, dass Peter Kurer «viel Anerkennung und Respekt» verdiene. Kurer habe mitgeholfen, die Bank wieder auf Kurs zu bringen. «Mit Bescheidenheit und Mut hat er seine Wahl angenommen, aus Pflichtgefühl und im Dienste der Bank», erklärte Marchionne weiter. Von Marchionne waren im vergangenen Jahr wiederholt unschmeichelhafte Äusserungen über Kurer bekanntgeworden.
Zentrale Werte wieder stärken

Villiger, der von 1989 bis 2003 Mitglied des Bundesrats und zuletzt Schweizer Finanzminister gewesen war, sprach von «aussergewöhnlichen Zeiten» für die UBS und die Schweiz und begründete seine Bereitschaft zur Übernahme des Präsidiums mit Pflichtgefühl gegenüber dem Land und der Bevölkerung: «Wir müssen auf die aktuellen Herausforderungen reagieren, indem wir auf unsere zentralen Werte vertrauen: Integrität, harte Arbeit und Zuverlässigkeit. Ich glaube, dass ich mithelfen kann, diese Werte wieder verstärkt zu betonen».

«Zeichen für Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit»

Der 68-jährige ehemalige FDP-Politiker kündigte gleichzeitig an, alle übrigen Verwaltungsratsmandate abzugeben. Villiger sitzt unter anderem bei Swiss Re, NZZ und Nestlé im Verwaltungsrat. Die Nomination Villigers wurde von UBS-Verwaltungsrätin Gabrielle Kaufmann-Kohler begründet. Sie verwies auf seine Führungserfahrung und seine Kompetenzen und erklärte, der Verwaltungsrat sei überzeugt, dass Villigers Präsenz ein klares Zeichen bezüglich Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit sei.
Verteidiger des Bankgeheimnisses

Mit Villiger holt sich die UBS eine international gut vernetzte Figur sowie einen ebenso profunden Kenner wie harten Verteidiger des Bankgeheimnisses an die Spitze. Der Luzerner FDP-Magistrat war es, der bei den Verhandlungen mit der EU über die Zinsbesteuerung die Maxime herausgab: «Das Bankgeheimnis ist nicht verhandelbar.» Dieser Leitsatz ist allerdings seit der Herausgabe von 300 Kundendossiers der UBS an die US-Justiz am vergangenen 18. Februar arg ins Wanken geraten.

Kurer mit der Ära Ospel verbunden

Die Ankündigung der Ablösung Kurers folgt knapp eine Woche auf die Auswechslung von Konzernchef Marcel Rohner durch den früheren Credit-Suisse-CEO Oswald Grübel. Dass sich die UBS auch von Kurer trennt, kommt nicht überraschend. Er war in der Ära Ospel zum Chefjuristen der Bank aufgestiegen und ist auch in der Steueraffäre in den USA stark exponiert.

Villiger war in den vergangenen Tagen als möglicher Kurer-Nachfolger gehandelt worden, ebenso wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Dieser hatte aber schon mehrmals abgewinkt.

Parteipräsidenten trauen Villiger einiges zu

Die Parteipräsidenten von FDP, CVP und SP erwarten, dass der designierte neue UBS-Präsidenten Kaspar Villiger dazu beitragen kann, das Vertrauen in die Grossbank wieder herzustellen.
Villiger sei sehr verantwortungsbewusst und könne sicher dazu beitragen, in den USA und in der Schweiz die Vertrauenskrise zu überwinden, sagte FDP-Präsident Fulvio Pelli in den Nachrichten von Schweizer Radio DRS.

CVP-Präsident Christophe Darbellay bezeichnete die Wahl von Villiger als eine gute Lösung. Villiger habe die notwendige Erfahrung, sei sehr gut vernetzt in der Wirtschaft und der Finanzwelt und habe auch die notwendige Ruhe, diese sehr wichtige Funktion zu übernehmen.

SP zeigt sich skeptisch

SP-Präsident Christian Levrat begrüsste den bevorstehenden Wechsel im UBS-Präsidium. Der Wechsel an der Spitze der UBS sei notwendig gewesen, um das Vertrauen in die Bank wieder herstellen zu können. Die SP zeigte sich aber auch skeptisch gegenüber der Person Villigers. Dieser habe zwei Gesichter, sagte Levrat auf Anfrage. Villiger sei Teil des alten «FDP-Filzes». Der 68-Jährige sei zudem kein Mann der Erneuerung und habe etwa bei der Rettung der Swissair nicht souverän agiert. Auch sei die Swiss Re während seiner Zeit als Verwaltungsrat eine aggressive Strategie gefahren, die ins Debakel geführt habe.

Andererseits ist Villiger ein Mann mit Verständnis für den Werkplatz Schweiz, wie Levrat sagte. Er müsse die dringend nötige Brücke zwischen Politik sowie Bevölkerung und Wirtschaft bauen. In Sachen Bankgeheimnis erwarte die SP, dass Villiger nicht in seinem alten Denkmuster verharre.

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UBS kommt ins Grübeln

Donnerstag, 26. Februar 2009 · 1 Kommentar

Die Schweizer Grossbank UBS wechselt den Konzernchef aus: Der frühere Credit-Suisse-CEO Oswald J. Grübel löst mit sofortiger Wirkung Marcel Rohner ab.

Oswald Grübel, der frühere Chef von der Credit Suisse, wird neuer Chef der Großbank. Damit vollzieht die Bank einen weitern Schritt, um das Vertrauen wiederherzustellen. Marcel Rohner sei zurückgetreten. Grübel erklärte, er sei überzeugt, dass es auf dem Schweizer Finanzplatz mehr als eine globale Großbank brauche. Die UBS mit ihrer einzigartigen Kundenbasis im Wealth Management, Investment Banking und Asset Management zu führen, bedeute eine faszinierende Herausforderung. Die UBS signalisiert damit, dass sie keine Übernahme Kandidatin ist oder zumindest sein will.

Dies gab die von der Finanzkrise und einer Steueraffäre in den USA gebeutelte Bank heute Donnerstag in Zürich bekannt. Die UBS hat im vergangenen Jahr mit einem Minus von knapp 20 Milliarden Franken (13 Milliarden Euro) den grössten Verlust in der Firmengeschichte erlitten. Als Konsequenz kündigte die Bank vor zwei Wochen den Abbau von 2000 Stellen sowie eine strategische Neuausrichtung an.

Mit dem Wechsel hofft der UBS-Verwaltungsrat, das Vertrauen in die Bank wiederherzustellen. Der UBS-Verwaltungsrat habe Grübel «mit sofortiger Wirkung» zum Konzernchef ernannt, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Marcel Rohner sei «von seiner Funktion zurückgetreten». Marcel Rohner übernahm den Chefposten der UBS im Juli 2007 von Peter Wuffli. Zuvor leitete er fünf Jahre lang das Wealth Management der Bank, nachdem er Group Chief Risk Officer und Chef der Kontrolle von Marktrisiken gewesen war. Der Aargauer ist promovierter Ökonom der Universität Zürich.

Bei der Credit Suisse erfolgreich

Oswald Grübels «grosse Erfahrung im Bankgeschäft und seine Führungseigenschaften auch in Phasen der Transformation» würden für die UBS in «diesem anspruchsvollen Umfeld von unschätzbarem Wert» sein, heisst es in der Mitteilung weiter. Bei seinem früheren Arbeitgeber Credit Suisse habe Grübel in einer Zeit der Umwälzungen das Unternehmen erfolgreich in die Gewinnzone zurückgeführt und das Vertrauen wiederhergestellt. Von 2003 bis Frühjahr 2007 war er Co-Chef beziehungsweise Konzernchef der CS Group.

Grübel wurde 1943 im Osten Deutschlands geboren. Er verlor seine Eltern im Krieg und wuchs zunächst bei seiner Grossmutter in Thüringen auf, später bei Verwandten in Frankfurt. Danach machte er eine steile Karriere als Banker: nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Deutschen Bank kam er 1970 zu dem zur Credit Suisse Group gehörenden Investmenthaus White Weld Securities in London, wo er nach verschiedenen Tätigkeiten 1978 als CEO die Leitung übernahm.

Auch seine weitere Laufbahn verlief von da an innerhalb der Credit Suisse Group. 1985 wurde er Mitglied des Group Executive Board der Financière Credit Suisse First Boston in Zug. Auch seine weitere Karriere machte Grübel bei der CS: 1998 übernahm er als CEO die Verantwortung des Bereichs CS Private Banking, bis er zum CEO der Credit Suisse aufstieg.

Die Neubesetzung des Postens des Konzernchefs bei der UBS ist im Departement von Bundespräsident Hans-Rudolf Merz am Donnerstag als positives Signal gewertet worden.

Der neue CEO verfüge über eine grosse Erfahrung, eine hohe Glaubwürdigkeit und habe in seiner früheren Funktion die Fähigkeit bewiesen, in schwierigen Zeiten eine Grossbank zu führen, sagte Roland Meier, Sprecher des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD), auf Anfrage. Das EFD sei deshalb zuversichtlich, dass mit dieser Wahl ein Beitrag zur Stabilisierung der Bank geleistet werde und das Vertrauen zurückgewonnen werden könne.

Bundespräsident Merz hatte bereits am 19. Februar bei der Bekanntgabe des Bundesratsbeschlusses im Zusammenhang mit der Herausgabe von UBS-Kundendaten an die US-Justiz gesagt, dass die Affäre auch eine personelle Aufarbeitung bei der vom Bund unterstützten Grossbank nötig mache. Keine Stellungnahme zum Personalentscheid an der UBS-Spitze gab die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma ab. Man sei aber über den Wechsel informiert gewesen, sagte Finma-Sprecher Alain Bichsel.

Leuthard begrüsst UBS-Chefwechsel

Wirtschaftsministerin Doris Leuthard hat den Chefwechsel bei der UBS begrüsst. «Ich glaube, es ist eine gute Entscheidung des Verwaltungsrats», sagte sie am Donnerstag vor Journalisten in Zürich. Die Bundesrätin gab sich zuversichtlich, dass das Vertrauen in die Grossbank zurückkehre, angesichts der Situation, in der sich das Institut befinde. Auf die Person von Oswald Grübel angesprochen, verwies Leuthard auf die internationale Vernetzung des früheren Credit-Suisse-Chefs.

FDP-Präsident Pelli erfreut über Ernennung von Grübel

FDP-Präsident Fulvio Pelli hat sich erfreut über die Ernennung von Oswald Grübel zum neuen UBS-Konzernchef gezeigt. Der Wechsel an der Spitze der Bank überrasche ihn nicht, sagte Pelli in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS4 News. Der abtretende CEO Marcel Rohner habe die Aufgabe in einer schwierigen Phase nach der Krise im vergangenen Jahr eher im Sinne eines Provisoriums übernommen. Die Suche der UBS nach einem neuen Konzernchef sei seit langem im Gange gewesen. Mit Grübel habe die UBS eine Person gefunden, die sehr viel Kompetenz und Erfahrung sowie auch die notwendige Ruhe besitze, sagte der Tessiner Nationalrat.

SVP: Einsatz für Bankenplatz Schweiz

SVP-Präsident Toni Brunner sieht das Comeback des ehemaligen Credit-Suisse-Chefs Oswald Grübel bei der UBS als Zeichen seines Einsatzes für eine Stärkung des Bankenplatzes Schweiz. Der Rücktritt von UBS-Konzernchef Marcel Rohner sei nicht sehr überraschend, sagte Brunner auf Anfrage. So wolle die UBS nun alles unternehmen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Der Wechsel an der Spitze der Bank sei als vertrauensbildende Massnahme anzusehen. Die Bank wolle ein Zeichen setzen und mit einem neuen unbelasteten CEO die herrschende Krise bewältigen. Vor dem Hintergrund, dass die Credit Suisse und die UBS immer grosse Konkurrenten gewesen seien, sei die Übernahme der Konzernleitung durch Grübel eine Überraschung. Sein Amtsantritt sei als Zeichen dafür zu sehen, dass es jetzt um den Bankenplatz Schweiz gehe und Animositäten zurückgestellt würden. Die fachlichen Qualitäten von Grübel seien unbestritten. Er müsse nun alles dazu beitragen, dass das Vertrauen in den Bankenplatz Schweiz zurück gewonnen werden kann.

SP: Richtig und überfällig

SP-Präsident Christian Levrat hat den Wechsel an der UBS-Spitze als richtig und überfällig bezeichnet. Marcel Rohner wollte und konnte den nötigen Kulturwechsel nicht herbeiführen, wie Levrat auf Anfrage der AP sagte. Für SP-Nationalrätin Fässler ist auch ein Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Peter Kurer nötig.

Rohner scheine von der Krise getrieben worden zu sein, statt diese zu managen. Zudem ist nicht auszuschliessen, dass der abtretende UBS-CEO wegen der laufenden Steuerfluchtverfahren schon bald ins Visier der Justiz gerate. Mit Oswald Grübel erhielten die verunsicherten UBS-Mitarbeitenden einen international anerkannten Bankexperten. Auf ihn warten laut Levrat grosse Aufgaben. So müsse er die UBS wieder in erfolgreicheres Fahrwasser bringen sowie das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Kundschaft zurückgewinnen. Dafür brauche es einen deutlichen Kulturwechsel, wofür Grübel selbst auch umdenken müsse. So habe es Grübel selbstverständlich gefunden, dass Topmanager wie er selbst während der fetten Jahre zweistellige Millionensaläre kassierten hätten, weil der Markt das so verlangt habe. Er bekomme nun offenbar drei Millionen Franken im Jahr, was unverständlich sei für ein Unternehmen, das Staatshilfe erhalte, sagte Levrat. Die Löhne der Topkader von Banken, die Steuergelder erhielten, sollten nicht höher sein als bei bundesnahen Unternehmungen wie Post oder SBB, forderte der SP-Chef.

Die St. Galler SP-Nationalrätin Hildegard Fässler zeigte sich von dem Rücktritt von Rohner nicht überrascht. Überrascht sei sie einzig darüber, dass es keinen Zweierrücktritt gegeben habe, sagte Fässler in einem Beitrag von Schweizer Radio DRS4 News. Vielleicht sei dies aber in Stufen geplant. So müsse an der Spitze etwas passieren, da die jetzige Crew das Vertrauen nicht habe aufbauen können. Ein Wechsel sei dringend nötig, erklärte sie.

UBS-Aktie zieht nach Rohners Abgang um 15 Prozent an

Sofort nach Handelsbeginn heute Morgen legte die UBS-Aktie zu. Auch der SMI befindet sich im Aufwind.

Der Kurs von UBS stand um 9 Uhr bei 11,60 Franken. Das sind 14,9 Prozent mehr als gestern bei Handelsschluss, als die Aktie bei 10,10 Franken stand. Nach zehn Minuten notierte die Aktie bei 11,33 Fr. mit 12,2 Prozent im Plus. Im Handel wurde auf den hervorragenden Leistungsausweis von Oswald Grübel bei der Credit Suisse verwiesen.

Der Swiss Market Index (SMI) lag zur Handelseröffnung bei 4776,38 Punkten und damit um 1,57 Prozent im Plus.

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UBS Aktie deutlich unter 10 CHF

Dienstag, 24. Februar 2009 · Kommentar schreiben

UBS-Aktie unter 9.50 Franken

Die Aktie der angeschlagenen Grossbank findet keinen Boden. Heute Morgen 24.02.2009 fiel sie erstmals in der über zehnjährigen Geschichte der Bank unter den Wert von 10 Franken.

Die Aktie der UBS eröffnete den Handel bei 9.98 Franken, nachdem sie am Montag bei just 10 Franken geschlossen hatte. Zeitweise sackte das Papier bis auf 9.36 Franken ab. Um 12 Uhr lag die Aktie bei 9.49 Franken. Zum Vergleich: Im Februar 2007 war die UBS-Aktie noch knapp 72 Franken wert. Oder wie Victor Giacobbo es ausdrückt: „Wenn die UBS ein Ross wäre, würde man sie jetzt erschiessen.“

Gedrückt wird die UBS-Aktie derzeit vor allem wegen der Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Steueraffäre in den USA. Der UBS wird vorgeworfen, Amerikanern in grossem Stil geholfen zu haben, den Fiskus zu betrügen. Hinzu kommt die Wirtschaftskrise, die das Geschäft der Banken bremst.

Weiter abwärts ging es auch mit der UBS-Konkurrentin Credit Suisse. Deren Aktie verlor bis 10 Uhr um 7,5 Prozent auf 24.10 Franken. Auch der Gesamtmarkt büsste weiter an Terrain ein: Der Swiss Market Index (SMI) lag nach der ersten Handelsstunde um 1,6 Prozent im Minus.

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Rettungsplan für Finanzmärkte überraschend gescheitert

Montag, 29. September 2008 · 1 Kommentar

Der Rettungsplan für die Finanzmärkte ist geplatzt

Keine Mehrheit im amerikanischen Repräsentantenhaus

Dramatik pur im US-Kongress und an der Wall Street: Das umstrittene 700-Milliarden-Dollar-Paket zur Rettung der Finanzmärkte ist bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus überraschend gescheitert.  Der mühsam ausgehandelte Kompromiss über den Rettungsplan für die US-Finanzbranche ist gescheitert. Das Abgeordnetenhaus lehnt das 700 Milliarden Dollar schwere Paket ab.

228 Abgeordnete stimmten nach dreistündiger Debatte gegen das Hilfspaket, nur 205 Abgeordnete votierten dafür. Vor allem Republikaner, die staatliche Eingriffe grundsätzlich ablehnen, votierten gegen das Programm. Die Demokraten stimmten in ihrer Mehrheit dafür.

Die Aktienkurse an der Wall Street reagierten mit einem dramatischen Absturz von zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent.

Bush reagierte nach Angaben eines Sprechers mit „grosser Enttäuschung“ auf die Niederlage. Er wolle bereits in Kürze mit seinen engsten Beratern zusammentreffen, um weitere Schritte zu beraten.

Ziel des Programms war es, den praktisch eingefrorenen Kreditfluss wieder in Gang zu setzen und weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu verhindern. Experten hatten immer wieder gewarnt, falls Washington nicht ein klares Zeichen setzt, drohten Panik und weltweite Kettenreaktionen auf den Märkten.

Ein erster Entwurf der Regierung war bereits am Donnerstag auf Ablehnung gestossen. Bush hatte noch kurz vor der Abstimmung eindringlich dazu aufgerufen, dem am Wochenende von Spitzenpolitikern ausgehandelten Plan zuzustimmen.

Auch zahlreiche Abgeordnete hatten eindringlich vor einem Scheitern des Gesetzes gewarnt. „Wenn wir diese Gesetz nicht verabschieden, wäre dies ein sehr schlechter Tag für den Finanzsektor und die amerikanische Wirtschaft“, sagte der demokratische Abgeordnete Barney Frank.

Doch vor allem Republikaner hatten grundsätztliche Bedenken, staatliche Hilfen für Privatfirmen seien „sozialistisch und un-amerikanisch“, hiess es mehrfach. Nach Medienberichten waren ungefähr die Hälfte der 199 republikanischen Abgeordneten grundsätzlich gegen staatliche Eingriffe in den Privatsektor.

Trotz aller Appelle von US-Präsident George W. Bush und führenden Politikern beider Parteien gab es am Montag keine Mehrheit für das bei den Wählern höchst unpopuläre Programm, mit dem das Chaos an den Finanzmärkten eingedämmt werden sollte. Das Repräsentantenhaus votierte mit 228 zu 205 Stimmen gegen den Plan. Experten erwarten nun weitere heftige Turbulenzen an den Finanzmärkten.

An der Wall Street ging die nackte Angst um. Erste Nachrichten von dem Scheitern des Rettungsprojekts liessen den Dow-Jones-Index zeitweise um 700 Punkte einbrechen. Auch wenn der Plan unpopulär war, sahen führende Finanzexperten und Politiker doch keine Alternative zu dem Rettungspaket.

«Dann hilf uns Gott»

In einer leidenschaftlichen Rede erklärte der republikanische Abgeordnete Paul Ryan vor der Abstimmung: «Wir haben alle Angst, unseren Job zu verlieren». Die meisten Kollegen seien zwar der Ansicht, das Paket müsse verabschiedet werden – «aber bitte ohne mich». Und er fügte hinzu: «Wenn es uns nicht gelingt, das Richtige zu tun, dann hilf uns Gott.»

Die beiden Präsidentschaftskandidaten hatten vor der Abstimmung vorsichtige Zustimmung zu dem Plan signalisiert. Bushs Parteifreund John McCain sagte, die Option, nichts zu tun, sei schlicht keine akzeptable Option. Mit Hilfe des Pakets werde Vertrauen wiederhergestellt, und das Wirtschaftssystem komme wieder in Fahrt.

Keine andere Wahl

Der demokratische Kandidat Barack Obama erklärte, er neige dazu, das Rettungspaket zu unterstützen, da die Finanzkrise mittlerweile von der Wall Street bei den normalen Verbrauchern angekommen sei. Washington habe keine andere Wahl als zu handeln, wenngleich es empörend sei, «dass wir gezwungen werden, ihren Schlamassel aufzuräumen». Zugleich hoben beide Kandidaten ihren Anteil an dem Rettungsplan hervor.

Der Rettungsplan sollte die Mittel für den Aufkauf sogenannter fauler Hypothekenpapiere freigeben. Ausgezahlt sollte die Riesensumme aber nicht auf einen Schlag werden, sondern schrittweise. Die erste Hälfte von 350 Milliarden Dollar sollte zur Verfügung gestellt werden, sobald dies vom Präsidenten beantragt wird. Die weiteren Mittel sollten von der Zustimmung des Kongresses abhängig sein. Im Gegenzug sollte der Staat Aktienoptionsscheine der Finanzgesellschaften erhalten, die bei entsprechender Kursentwicklung eingelöst werden können, um die Belastung für die Staatskasse aufzufangen.

siehe auch http://radiob.wordpress.com/2008/09/19/us-regierung-rettet-banken-auf-kosten-der-steuerzahler/

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