Radio B: Die Stimme der Vernunft

BASF schluckt Ciba

Montag, 15. September 2008 · Kommentar schreiben

Das Beste für alle? Abbau von 2500 Stellen bei Ciba!

Die deutsche BASF kauft Ciba für 6,1 Milliarden Franken in bar. Das entspricht 50 Franken je Aktie und einem ein Aufschlag von 32 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Samstag. Der Ciba-Verwaltungsrat steht hinter der Offerte und empfiehlt den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

Die geplante Übernahme wird auch mit einem weiteren Stellenabbau verbunden sein. BASF-Chef Jürgen Hambrecht erklärte vor den Medien, im Rahmen der Integration von Ciba werde es «wohl harte Einschnitte» geben. Restrukturierungen führten normalerweise zu einem Stellenabbau. Für Details sei es aber zu früh, frühestens Ende Jahr könne man zum Abbau Genaueres sagen. Der im August 2006 mit der so genannten operativen Agenda angekündigte Abbau von 2500 Stellen bis Ende 2009 gehe unabhängig von der Übernahme weiter.

Käuferin BASF garantierte Ciba jedoch am Standort Basel den Hauptsitz einer globalen Geschäftseinheit anzusiedeln. «Ein solcher ist bei uns sicher so gross wie heute Ciba alleine», erklärte Hambrecht.

Meyer: BASF kennt Ciba

Angesichts der zunehmend schwierigen Bedingungen der Branche sei die Übernahme für Ciba eine ansprechende Lösung zu einem fairen Preis, sagte Ciba-Verwaltungsratspräsident Armin Meyer. «BASF ist seit Jahren ein Kunde und Lieferant von Ciba.» «BASF kennt unsere Mitarbeiter und unser Geschäft.» Die Aufgabe der Eigenständigkeit sei jedoch durchaus schwer gefallen.

Die Übernahme durch BASF schaffe für Ciba aber nun eine langfristige Perspektive für profitables Wachstum, sowohl in Basel, als auch für Niederlassungen in der ganzen Welt.

Übertrag im ersten Quartal 2009

Die Transaktion soll im ersten Quartal 2009 unter Dach und Fach sein, wie es weiter hiess. Die Angebotsfrist beginne voraussichtlich am 1. Oktober. BASF und Ciba unterzeichneten gestern Sonntag den Transaktionsvertrag, der die Bedingungen des Übernahmeangebots festlegt und Zusicherungen für den Standort Schweiz und den Erhalt der Marke Ciba für gewisse Produkte erhält.

Ciba will eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, an der die Aktionäre über die Aufhebung der Stimmrechtsbeschränkung sowie die Eintragung im Aktienregister entscheiden. BASF macht die Übernahme davon abhängig, mindestens zwei Drittel der Ciba-Aktien angedient zu erhalten.

Seit Monaten Spekulationen

Die Ciba-Aktie verhält sich seit Monaten turbulent und hat kontinuierlich an Wert verloren. Am Markt kursierten Spekulationen über mögliche Käufer. Zuletzt war der Name Clariant im Gespräch: Als Clariant-Konzernchef Jan Secher letzte Woche überraschend seinen Hut nahm, wurde als Grund genannt, Clariant bastle an einer Fusion mit Ciba.

Gleichzeitig wurden schon damals Gerüchte laut, dass es auch bei Ciba bald zu einem Wechsel im Management kommen werde. Vor allem die Position des Verwaltungsrats-Präsidenten Armin Meyer wurde besonders oft genannt – und in diesem Zusammenhang war auch Jan Secher als möglicher Nachfolger genannt worden. «Solche Gerüchte tauchen immer wieder auf», sagte Ciba damals.

Meyer geht Anfang 2009

Schon mehrere Monate halten auch schon die Rücktrittsforderungen an Verwaltungsratspräsident Meyer an. Dieser erübrigt sich nun. «Wenn die Transaktion abgeschlossen ist, ist meine Arbeit erledigt», erklärte gestern Meyer.

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Börsenschock: Banken unter Druck

Montag, 15. September 2008 · Kommentar schreiben

Rund um den Globus: Banken unter Druck

Der Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers hat am Montag die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. In der Schweiz war die UBS der grosse Verlierer, an der Wallstreet ist der Versicherer AIG unter Druck.

In Europa lag die UBS mit einem Kursverlust von zeitweise über 21 Prozent an der Spitze der am stärksten gebeutelten Finanztitel. Die Notenbanken pumpten Liquidität in den Markt.

Der Swiss Market Index (SMI) sackte am Nachmittag auf 6827,52 Punkte ab. Das waren 5,38 Prozent weniger als Ende letzter Woche. Einen dramatischen Kurszerfall erlebte die UBS. Die Aktie fiel bis auf 18,44 Franken und damit 21,6 Prozent unter den Schlussstand vom vergangenen Freitag. Massiv unter Verkaufsdruck gerieten auch die Aktien des weltgrössten Rückversicherers Swiss Re, die bis 14,9 Prozent auf 57,55 Franken abstürzten. Credit Suisse sanken bis 10,6 Prozent auf 47,04 Franken. Waren es bei den Grossbanken die sich überstürzenden Nachrichten aus den USA über die Zuspitzung der Finanzkrise, die den Rückschlag auslösten, kamen bei Swiss Re die Folgen des Wirbelsturms «Ike» in den USA hinzu.

Beruhigende Stimmen von der Nationalbank und der Eidgenössischen Bankenkommission konnten den Ausverkauf an der Börse zunächst nicht stoppen. Zu dramatisch waren die Nachrichten von der Wall Street.

Zentralbanken in Europa pumpten insgesamt gut 36 Milliarden Euro frisches Kapital in die verunsicherten Finanzmärkte. 30 Milliarden Euro stellte die Europäische Zentralbank zur Verfügung, umgerechnet 6,4 Milliarden Euro (5 Milliarden Pfund) die Bank of England in London. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellte den Märkten frische Liquidität bereit. Es wurde so genanntes Overnight-Geld zum Satz von 1,9 Prozent angeboten.

Mit dem Niedergang der US-Investmentbank Lehman Brothers und der Übernahme von Merrill Lynch durch die Bank of America hatte sich die Lage an der Finanzmärkten erneut zugespitzt. Die fieberhaften Rettungsbemühungen für die viertgrösste US-Investmentbank Lehman Brothers scheiterten am Wochenende. Die Bank beantragte am Montag vor einem Gericht in New York Gläubigerschutz. Derweil kauft die Bank of America das ebenfalls schwer angeschlagene Traditionshaus Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar in eigenen Aktien. Das Beben zwingt auch den weltgrössten Versicherer, die American International Group, zu einer umfassenden Umstrukturierung.

Auch auf den anderen europäischen Handelsplätzen lagen die wichtigsten Börsenindizes am Nachmittag vier bis fünf Prozent im Minus. In Frankfurt brachen Commerzbank um fast zwölf Prozent ein, Deutsche Bank verloren 8,5 Prozent und Allianz 7,9 Prozent. In Asien waren die wichtigsten Börsenplätze in Japan, Hongkong und Südkorea wegen eines Feiertags geschlossen. Doch alle Märkte, die geöffnet waren, rutschten tief in die roten Zahlen. In Indien sanken die Kurse um 5,6 Prozent, in Taiwan um 4,1. Australiens Leitindex sank um zwei Prozent, in Singapur waren es 2,9 Prozent.

Der New Yorker Aktienmarkt reagierte am Montag ebenfalls mit einem deutlichen Rückgang auf den Konkurs von Lehman Brothers. Binnen weniger Minuten nach Handelsbeginn sackte der Dow-Jones-Index der 30 führenden Industriewerte am Montag um über 300 Punkte oder 2,6 Prozent auf 11 121,88 Zähler ab. Nach einer halben Stunde stand der Dow-Jones-Index bei 11 085,48 Punkten und um 3,0 Prozent im Minus.

Die Börsen in Asien und Europa brachen nach den zahlreichen Hiobsbotschaften aus dem US-Finanzsystem um drei bis fünf Prozent ein. Die Schweizer Börse SWX schloss mit einem Minus von 3,8 Prozent bei 6939 Punkten.

Nach vergeblichen Rettungsversuchen ist die über 150 Jahre alte Bank Lehman Brothers, die viertgrösste Investmentbank der USA, zahlungsunfähig. Die Nummer drei der Branche, Merrill Lynch, wird von der Bank of America aufgekauft.

Das Gesicht der US-Finanzbranche hat sich damit schlagartig verändert: An der Wall Street gibt es mit Goldman Sachs und Morgan Stanley nur noch zwei unabhängige Investmentbanken statt fünf wie noch vor einem halben Jahr.

UBS massiv eingebrochen

UBS Aktie verlor bis Handelsschluss 14,5 Prozent, zeitweise war das Papier 21 Prozent im Minus. Auch andere Finanztitel verloren kräftig: CS – 5,9 Prozent, Swiss Re – 8 Prozent.

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Bank of America kauft Merrill Lynch

Montag, 15. September 2008 · Kommentar schreiben

Bank of America kauft Merrill Lynch für 50 Milliarden Dollar

Die Bank of America übernimmt ihre Rivalin Merrill Lynch. Die Übernahme habe einen Wert von 50 Mrd. Dollar, teilte die Bank of America am Morgen mit. Die Bank of America will den Preis in Aktien bezahlen. Die Transaktion solle im ersten Quartal 2009 abgeschlossen werden.

Die zu den führenden US-Banken zählende Bank of America galt zuletzt auch als möglicher Käufer der vor dem Aus stehenden viertgrössten US-Investmentbank Lehman Brothers. Die das ganze Wochenende über laufenden Gespräche scheiterten Medien zufolge auch an der Weigerung der US-Regierung, staatliche Hilfen zu geben.

Merrill Lynch war zuletzt wegen Milliardenverlusten und einem dramatischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Die rettende Übernahme durch die Bank of America sei in fieberhaften Verhandlungen binnen 48 Stunden ausgehandelt worden, so das „Wall Street Journal“.

Die Bank of America bietet 0,8595 Stammaktien für jede Merrill-Lynch-Stammaktie, was 29 Dollar pro Papier entspricht. Das ist ein Aufschlag von gut 70 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Im Mai dieses Jahres war das Merrill-Papier noch 50 Dollar wert, im Januar 2007 sogar 90 Dollar.

Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen.

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