Radio B: Die Stimme der Vernunft

IV-Revision: Böse Therapie

Donnerstag, 14. Dezember 2006 · 1 Kommentar

Therapie mit bösen Folgen

Von Susan Boos

Die fünfte IV-Revision ist ein fieses Paket: Man
kürzt Leistungen und will die Behinderten zur Arbeit nötigen. Doch die
Arbeitsplätze gibt’s nicht.

Auch eine gute Idee wird schlecht, wenn sie nur Mittel
zum bösen Zweck ist. Die fünfte Revision der Invalidenversicherung (IV)
tritt an mit einer guten Idee: «Eingliederung statt Rente» lautet ihr
Slogan. Das Böse daran: Die Eingliederung wird benutzt, um Behinderte
unter Druck zu setzen, um ihnen die Renten zu kürzen oder zu verweigern
- und um den Sozialabbau vernünftig und tragbar erscheinen zu lassen.

Gegenwärtig werden Unterschriften gegen diese IV-Revision gesammelt. Hier einige Gründe dafür, das Referendum zu unterzeichnen:
• Fehlende Verpflichtung für Unternehmen und Behörden:
Eingliedern statt Rente wäre sinnvoll, wenn die notwendigen
Arbeitsplätze zur Verfügung stünden. Die Unternehmen sind jedoch nicht
verpflichtet, Menschen einzustellen, die nicht voll leistungsfähig
sind. Die Bürgerlichen sperren sich selbst gegen eine bescheidene Quote, die zum Beispiel grössere Firmen zwingen würde, ein Prozent
ihrer Arbeitsplätze mit Menschen mit Behinderungen zu besetzen. Nicht
einmal der Bund würde heute diese Quote erfüllen. (In Deutschland
hingegen verpflichtet das Sozialgesetzbuch die Grossbetriebe und
öffentliche Einrichtungen, mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze
für Schwerbehinderte zu reservieren.)

• Zusatzrenten werden gestrichen: Angehörige von
IV-BezügerInnen bekamen bislang eine Zusatzrente. Diese soll nun
ersatzlos gestrichen werden. Die Zusatzrenten kommen vor allem Frauen
über fünfzig zugute, die ihre invaliden Männer pflegen.

• Jüngere erhalten weniger: Wer vor dem 45. Lebensjahr
invalid wird, erhält künftig weniger Rente – der sogenannte
Karrierezuschlag, der künftige Lohnerhöhungen berücksichtigen sollte,
wird gestrichen.

• Neuer Mitwirkungszwang: Die Betroffenen sind in
Zukunft verpflichtet, «aus eigenem Antrieb alle zumutbaren Massnahmen
zu ergreifen», damit sie nicht zu einem IV-Fall werden. Wer dieser
«Selbsteingliederungspflicht» – wie der Bund es nennt – nicht
nachkommt, riskiert, keine oder geringere IV-Leistungen zu erhalten.

Unbestritten ist: Die IV steckt in finanziellen
Schwierigkeiten und hat einen Schuldenberg von über acht Milliarden
Franken angehäuft. Die vorliegende Revision hilft jedoch weder diese
Schulden abzubauen, noch löst sie die Finanzierungsprobleme
langfristig. Zudem werden die geplanten Massnahmen wenig bringen, aber
viel nehmen: Es sind vor allem Menschen ab Mitte fünfzig – insbesondere
Männer – , die auf eine IV-Rente angewiesen sind. «Einer von fünf Männern kurz vor der Pensionierung ist IV-Rentner», hält die jüngste
IV-Statistik fest. Überdurchschnittlich oft leiden sie an psychischen
Erkrankungen. Ihre Chance, der «Selbsteingliederungspflicht»
nachzukommen, dürfte gering sein. Die Wirtschaft will sie nicht mehr,
weil sie nicht mehr belastbar oder zu unproduktiv sind. Das hat ja erst
dazu geführt, dass die IV mit immer mehr Fällen und rapide steigenden
Kosten konfrontiert ist: Wer nicht mehr leistungsfähig war, wurde in die IV abgeschoben.

Der Slogan «Eingliederung statt Rente» hilft deshalb
wenig. Werden die Unternehmen nicht in die Pflicht genommen, kann weder
die IV noch der oder die Einzelne ihre Eingliederungsaufgabe erfüllen.
Ohne Spareffekt ist aber die nächste Abbaurunde bereits programmiert.

Derzeit sind etwa 20000 Unterschriften für das
Referendum gesammelt. Die regionalen Referendumskomitees versuchen
verzweifelt, bis Ende Januar die nötigen 50000 Unterschriften
zusammenzutragen. Es dürfte knapp werden: Vor allem in der
Deutschschweiz wird nur wenig auf der Strasse gesammelt, und bald kommen die Weihnachtsferien. Dabei geht es um mehr als Invalidenrenten:
Diese IV-Revision ist eines der ersten entscheidungsreifen Gesetze, die
einen massiven Sozialabbau festschreiben. Eine Annahme führt lediglich
dazu, dass Fürsorge und Ergänzungsleistungen stärker beansprucht und
die Kosten auf die Gemeinden und Kantone verlagert werden, die heute
schon über leere Kassen klagen.

www.ai-referendum.ch/SPIP/?lang=de
Artikel aus der WOZ

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Hier kommt ALEX

Donnerstag, 14. Dezember 2006 · Kommentar schreiben

SWX Group und Deutsche Börse gründen Börse «Alex»

SWX Group und Deutsche Börse AG führen ihren Handel mit strukturierten Produkten per 1. Januar 2007 in der gemeinsamen Tochtergesellschaft Alex zusammen. Alex hat sich zum Ziel gesetzt, Europas führende Börse in diesem Marktsegment zu werden. Den Vertrag zur Gründung und für den Betrieb einer gemeinsamen Börsenorganisation haben die Partner am 23. Oktober 2006 unterzeichnet. Mit dieser Kooperation weiten die SWX Group und Deutsche Börse AG ihre bereits bei Eurex und STOXX bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit aus: Eurex ist die weltgrösste Terminbörse und STOXX der führende europäische Indexanbieter. Mit Alex bündeln SWX Group und Deutsche Börse AG ihre Kräfte in einem Marktsegment mit grossem Wachstumspotenzial und schaffen einen neuen Marktstandard. Alex wird sich auf strukturierte Produkte konzentrieren und kann als spezialisierte Börse direkt auf die spezifischen Kundenbedürfnisse in diesem Segment eingehen. Die Vorteile von Alex liegen zudem in der Bündelung von Liquidität über ganz Europa auf einer Handelsplattform mit einem der grössten Teilnehmernetzwerke. Ausserdem verwendet Alex verschiedene Preisfeststellungsverfahren. Die Emittenten können das am besten geeignete Marktmodell für den Handel mit dem jeweiligen strukturierten Produkt wählen. Die neue europäische Börse für strukturierte Produkte plant zudem, in absehbarer Zeit Abwicklungsstrukturen zu implementieren, die Crossborder-Geschäfte zu nationalen Tarifen ermöglichen. Nationale Regulierung und bewährte Technologie Alex wird je eine Börse in der Schweiz und in Deutschland unter der jeweiligen nationalen Regulierung betreiben. In einem ersten Schritt wird Alex am 1. Januar 2007 Trägergesellschaft einer neuen Börse in der Schweiz, in welche die SWX ihr Geschäft mit Warrants und strukturierten Produkten ausgliedert. Gleichzeitig wird Alex Teilträger des Optionsschein- und Zertifikatehandels an der Börse Frankfurt, über welche die Anbindung europäischer Teilnehmer und Emittenten erfolgen soll. Der Handel an der Börse in der Schweiz wird zunächst auf der vor rund einem Jahr erfolgreich an der SWX eingeführten Quotematch-Plattform fortgeführt, auf welcher die Emittenten ihre strukturierten Produkte über das Internet Based Listing (IBL) schnell und günstig listen können. Im deutschen Markt kommt Anfang 2008 die Handelsplattform Xetra zum Einsatz, um den Zugang für europäische Teilnehmer zu vereinfachen. Alex wird darauf zwei Marktmodelle mit und ohne Beteiligung eines Intermediärs (Skontroführers) bei der Preisfeststellung anbieten, die beide auf Xetra abgebildet werden. Das Market Making, das zusätzlich Liquidität zur Verfügung stellt, können Emittenten entweder selbst wahrnehmen, oder diese Funktion an einen Intermediär übertragen. Mittelfristig soll der Handel beider Börsen über eine gemeinsame Technologie-Plattform laufen: Auf Ende 2009 ist die vollständige Migration auf die Xetra-Plattform geplant.
Marc Zahn, CEO,
Alex

Frühere Artikel zum neuen Börsenplatz:

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Erdbeben: Entschuldigung aus Basel

Donnerstag, 14. Dezember 2006 · Kommentar schreiben

Erdstoss beschäftigt Politik

Die politischen Nachbeben rund um den Basler Erdstoss reissen nicht ab: Regierungspräsidentin Schneider hat sich auch in Weil entschuldigt.

In einem Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Dietz aus Weil entschuldigte sich gestern Regierungspräsidentin Barbara Schneider und sicherte ihm zu, ihm den Untersuchungsbericht über den Erdstoss zukommen zu lassen. Das Schreiben wurde von deutscher Seite positiv aufgenommen.

Bereits heute wird die Basler Regierung auf eine Interpellation von Christine Wirz (LDP) zum Thema antworten. Zwei weitere Interpellationen von Thomas Mall (LDP) und Heinrich Ueberwasser (EVP) sollen im Januar entgegengenommen werden.

Einem runden Tisch zur Geothermie, wie er von der LDP vorgeschlagen wurde, steht das Baudepartement eher skeptisch gegenüber: «Es ist nicht sinnvoll, einen einzelnen Energieträger herauszugreifen», so Sprecher Marc Keller. Artikel aus http://www.20minuten.ch

Soviel Aufmerksamkeit hatten Sie schon lange nicht mehr Frau Regierungsrätin. Oder ist Barbara Schneider gar im Entschuldigungsrausch? Zum Glück sind wir hier im Dreiländereck, so können Sie morgen gleich nochmals eine Pressemitteilung verbreiten, Sie hätten sich auch in St. Louis ausdrücklich und persönlich entschuldigt. Beschäftigen Sie sich doch lieber mit wichtigen Pendenzen, z.B. dass der Bericht über die Erdbebenserie zwischen dem 2.12. bis zum 11.12.06 rechtzeitig fertig wird. Fakten sind gefragt Frau Schneider…

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